Schauspielerische
Glanzleistungen
bei Valentin
und Gretchen
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Bildquelle: globe.berlin
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Bewertung:
Vorige Woche war ich das erste Mal im GLOBE BERLIN und sah mir dort Shakespeares Sommernachtstraum an - das vergnügliche Beisammensein von Schauspielern & Publikum hatte mir dermaßen gut gefallen, dass ich das jetzt wiederholen wollte.
Gestern stand nun Goethes Urfaust auf dem Plan, also die "Vorbereitungsstufe" zu den späteren Faust I + II , mit denen unser damaliger Jungsporn und Noch-nicht-Geheimrat sein bis heute unbestreitbar weltliterarisches Denkmal in unauseinandersprengbares Gestein meißeln sollte; das wusste er zu dieser Zeit natürlich noch nicht, und umso verspielter lässt sich heute dieser Stücktext lesen und recht unaufwändig inszenieren; auch ist in ihm all dieses walpurgisnachtartige Sex- und Spukzeug, womit der Teufel seinen Schützling aufzugeilen versuchte, unvorhanden, und das machte und macht es freilich leichter, sich der eigentlichen Faust-und-Gretel-Geschichte szenisch widmen zu können.
Anselm Lipgens (der auch der Geschäftsführer des Unternehmens GLOBE BERLIN ist) hatte übersichtlich, witzig und im Wesentlichen texttreu inszeniert. Er benötigte für seine Sicht der Dinge fünf Spiel-Leute (2 Frauen, 3 Männer), die er gleichsam für den Anfang, die Zwischenspiele und den Schluss als musizierende, singende und also conferencierende Gauklertruppe besetzte. Und das machten die doch alle sehr, sehr gut!
Es gab sichtlich und hörbar hervorhebenswerte schauspielerische Glanzleistungen während der zweieinhalbstündige Verweildauer inmitten der uns Zuschauenden umhegenden Bretterbühne unter freiem Himmel:
Lukas Bredefeld lieferte eine erstaunliche Solo-Performance als Valentin (dem Bruder der vom Faust geschwängerten und danach sitzengelassenen Schwester Margarete) ab; da blieb mir der Mund offen stehen und ich hing wie gebannt an seinen Lippen.
Und dann der Schlussauftritt vom Gretchen, das wegen seines Kindsmordes im Kerker auf seine Aburteilung wartet: Lotte Gosch rastete da dermaßen aus, dass man hätte denken können, sie wäre das angeblich vom Teufel besessene Mädchen, das seinerzeit Max von Sydow als The Exorcist (im gleichnamigen Horrorfilm von William Friedkin) behandeln tat. Selbst das von ihr unerwartete Wiederauftauchen des Gretchen-Schwängerers nebst ihres Bruders kühlten ihre emotionalen Aufgeheiztheiten nicht ab, und wir von diesem Schockerlebnis stark Beeindruckten hegten fortan keinerlei Hoffnung mehr für sie. Das war schon stark gespielt!!
Auch gut: Astrid Köhler - ihre Marthe Schwerdtlein entpuppte sich als echtes Kabinettstück.
Selbstverständlich lieferten dann auch die beiden Hauptprotagonisten - Adrian Stowasser als Faust und Henning Bormann als Mephisto - standesgemäß ab.
Ja und uns bleibt nur, dem GLOBE BERLIN auch weiterhin einen schönen und erfolgreichen Sommer mit viel, viel gutgelauntem Publikum zu wünschen.
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Urfaust im Globe Berlin | Foto (C) Thorsten Wulff
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Andre Sokolowski - 16. Juli 2026 ID 15948
URFAUST (Globe Berlin, 16.07.2026)
Regie: Anselm Lipgens
Musik: Bernd Medek
Ausstattung: Arina Slobodianik
Maske: Deborah Klein
Lichtdesign: Bernd Höhne
Besetzung:
Margarete, Brandner, Luise, Musikantin ... Lotte Gosch
Mephistopheles, Musikant ... Henning Bormann
Valentin, Student, Goethe, Frosch, Musikant ... Lukas Bredefeld
Wagner, Siebel, Marthe, Böser Geist, Direktorin ... Astrid Köhler
Dr. Heinrich Faust, Musikant ... Adrian Stowasser
Premiere war am 27. Juni 2024
Weitere Termine: 18.07./ 29.08.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.globe.berlin
https://www.andre-sokolowski.de
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