Zwei-
Diven-
Stück
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Paula Götz als Marlene Piaf - im Theater der Keller in Köln | Foto (C) Oliver Strömer
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Bewertung:
Ulrike Janssen verfasste und Paula Götz sprach und sang das Monolog-Stück Marlene Piaf - beide Frauen erhoben zu gleichen Teilen die Urheberschaft auf ihr Produkt. Gestern Abend wurde es (für diese Saison jedenfalls) zum letzten Mal im Kölner THEATER DER KELLER gezeigt, und Gleb Tchepki begleitete es am Klavier.
Erst dachte ich, als ich den Titel las, dass es womöglich um die Schwester der französischen Chansonnière Edith Piaf (1915-1963) hätte gehen können, und auf so eine abwegige Idee kann freilich nur kommen, wer sich vorher nicht sachdienlich mit der Vita des weltberühmten Spatzen befasste; auch in der damaligen DDR lief Guy Casarils Biopic Piaf (1974), den ich als Kind sah, und nach der Schnellrecherche von ChatCBT kam eine Schwester dort nicht vor, übrigens auch nicht Simone Berteaut (genannt "Mômone"), ihre angebliche Stief- oder Halbschwester. Und so was nennt man auch: Auf falscher Fährte erwischt.
Doch nach und nach klärte es sich für mich schlussendlich auf:
"Die eine stammte aus gutbürgerlichem Berliner Haus, die andere war ein Kind aus der Pariser Gosse. Die eine engagierte sich gegen die Nazis, die andere wurde von ihnen verehrt. Dennoch waren sie eng miteinander befreundet, vielleicht sogar mehr als das. Fasziniert von der Radikalität und Konsequenz dieser beiden Ikonen, versucht eine junge Schauspielerin und Sängerin, hinter die Mythen und Legenden zu gelangen. Sie folgt den Lebenswegen der beiden Künstlerinnen in ihrem Glanz und ihrer Selbstzerstörung, in ihren Lieben und Exzessen, in ihren Erfolgen und ihrem Scheitern und sucht nach Antworten in ihren Liedern – von Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt bis zu Non, je ne regrette rien." (Quelle: theater-der-keller.de)
Janssen & Götz hatten also die kühne Idee, zwei königliche Diven in einer Stunde und 10 Minuten zu durchzubehandeln, und ihre beiderlei Bemühungen ließen das Publikum (gestern Abend war es ausverkauft) in dankbar seliger Freude und euphorischer Begeisterung zurück, es gab sogar Standing ovations - nein, hält man es für möglich?!
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Marlene Piaf - im Theater der Keller in Köln | Foto (C) Oliver Strömer
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Es ist keine weltliterarische Meisterleistung, auch nicht im Sinne eines biografischen Boulevards; da kamen und kommen die beiden Verursacherinnen nicht annähernd an den Marlene-Kracher von Pam Gems (1996) heran; der lief allein 600 Mal im Berliner Renaissance-Theater, und keine Geringere als Judy Winter verausgabte sich mit ihm über Jahrzehnte hinweg.
Vielleicht tu ich den beiden auch unrecht, dass ich jetzt ausgerechnet diesen zur Messlatte tauglichen Prototyp für Theatermonologe anführte, aber sie hätten sich dann schon vorher mit beispielhaft Anderem vergleichen sollen, um zuletzt nicht derart kläglich und beklagenswert zu scheitern wie halt mit ihrer Marlene Piaf:
Es schwappte hin und her, und es wurden Briefe, die es tatsächlich zwischen der Piaf und der Dietrich gab (beide pflegten eine jahrzehntelange aufrichtige und sehr anrührende Freundschaft; später wurde gar gemunkelt, dass sie eine lesbische Beziehung gehabt haben könnten, wofür allerdings die "Belege" fehlten), zitiert; und Götz wechselte paarmal hinter einem Paravent ihre Kleider, um von dort entweder als Marlene oder als Edith hervorzutreten, und dann fing sie immer wieder an zu singen, und bei den Piaf-Chansons traf sie einigermaßen deren Sound, aber bei ihrer Dittrich-Nachsinge... hätte ich mir am liebsten die Ohren zugehalten; sorry.
Schwamm drüber, und auf ein Nächstes.
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Andre Sokolowski - 15. Juni 2026 ID 15907
MARLENE PIAF (Theater der Keller, 14.06.2026)
von Paula Götz & Ulrike Janssen
Regie: Michael Meichßner
Konzept: Paula Götz
Text & Dramaturgie: Ulrike Janssen
Regieassistenz: Jonas Laiblin
Licht: Jan Wiesbrock
Mit: Paula Götz und Gleb Tchepki
Premiere war am 12. September 2025.
Weitere Infos siehe auch: https://theater-der-keller.de
https://www.andre-sokolowski.de
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