Gruppentherapie
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GLITCH WITH von und mit Meg Stuart | Foto (C) Laura van Severen
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Bewertung:
Seit mehr als zehn Jahren schaue ich mir ab und zu die Performances der in Berlin und Brüssel lebenden und arbeitenden US-amerikanischen Choreografin und Tänzerin Meg Stuart (61) an. Sie war, ist und bleibt eine Institution des modernen internationalen Tanztheaters. Und nicht selten wirkt sie selbst in ihren Produktionen mit, und das verleiht den jeweiligen Aufführungen eine noch besonderere weil "biografische" Note, denn meistens, wenn dem dann so ist, erfahre ich ein bisschen mehr von ihr und fühle mich daher in ihren Stücken (falls sie "biografisch" würde, wie gesagt) nicht ganz so hilflos wie z.B. gestern Abend, wo sie ihre vor zwei Jahren in Essen uraufgeführte GLITCH WITH (= verunfallte oder gestörte Hexe oder so was in der Richtung) im HAU2 zum Besten gab.
Sie hatte sich hierfür mit den mit ihr befreundeten Performerinnen Omagbitse Omagbemi und Mieko Suzuki (welche dann auch live für die Musik an ihrer Synthesizer-Apperatur zuständig war) zusammengetan - und die kurze Stückerklärung auf der HAU-Website liest sich wie folgt:
Da treffen also die drei [s.o.] "in einer verführerisch trostlosen, fast rätselhaft ausgebrannten Landschaft" aufeinander, und "ihre persönlichen Geschichten sind in ihre Körper eingeschrieben und beeinflussen jede ihrer Bewegungen, doch immer wieder versuchen sie, diese hinter sich zu lassen. Sie streben danach, in ihrer Choreografie einen Raum zu schaffen, in dem sie die Spuren ihrer Vergangenheit überwinden können. Zwischen verschiedenen Welten gleitend und stolpernd, schwanken sie zwischen dem Vorher und dem Nachher eines jeden flüchtigen Moments.
Um den Bann der sie trennenden, persönlichen und ererbten Erinnerungen zu brechen, begeben sie sich auf die Suche nach einer noch nicht existierenden gemeinsamen Sprache. Eine Suche, die in einer pulsierenden Serie schillernder Tänze mündet. In einer Abfolge einander überlagernder Bewegungsmuster entdecken die drei Frauen nach und nach eine gemeinsame (Hexen-) Kraft – eine Dynamik der wechselseitigen Transformation und ein verletzliches Ritual der Solidarität, die sie alle Unterschiede überwinden lassen. In den flüchtigen Momenten ihrer Begegnung entstehen kleine Störungen, aus denen ein immer umfassenderes Vokabular des Widerstands und der Kapitulation hervorgeht: ein kollektiver Zauber, der jegliche Verzauberung durchbricht."
(Quelle: hebbel-am-ufer.de)
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Das nahm ich also nachgerade so zur Kenntnis und konnte sodurch einiges von dem, was ich zuvor gesehen und gehört hatte, in etwa einordnen.
Es gab einen ausgiebigen Mittel-Block, wo die drei Frauen, während sie sich verschiedene Klamotten abwechselnd an- und/ oder wieder auszogen, miteinander redeten; das dauerte und dauerte, und mein mich begleitet habender (und dem Englischen naturgemäß etwas besser vertrauter) texanischer Freund meinte herausgehört zu haben, dass beispielsweise Mieko Suzuki, indem sie sich definitiv der Musik und dem Musikmachen verschrieb, gottlob davon abgekommen war ihre Mutter umzubringen o.s.ä. Was für ein Familiendrama!
Das Beste von dem Ganzen war dann allerdings das Bühnenbild von Nadia Lauro mit ungefähr zwei Dutzend auf schwarzem Splitt herumliegender Disco-Halbkugeln unterschiedlicher Größe, das durch die Beleuchtung von Nico de Rooij eine glitzernde und aus sich herausstrahlende Mondlandschaft assoziierte und diverse visuelle Fantasien freizusetzen in der Lage war.
Alles andere, was sich dort abspielte, empfanden wir dann schlechterdings nur noch als eine Art von Gruppentherapie der drei betroffenen Akteurinnen.
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GLITCH WITH von Meg Stuart | Foto (C) Laura van Severen
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Andre Sokolowski - 14. Februar 2026 ID 15694
GLITCH WITCH (HAU2, 13.02.2026)
Choreografie: Meg Stuart
Bühne: Nadia Lauro
Kostüme: Claudia Hill
Licht: Nico de Rooij
Dramaturgie: Igor Dobričić
Mit: Omagbitse Omagbemi, Meg Stuart und Mieko Suzuki (Live-Musik)
UA im PACT Zollvererin Essen war im Oktober 2024.
Wiederaufnahme (in Berlin): 12. Februar 2026.
Weiterer Termin: 14.02.2026
Eine Produktion von Damaged Goods, DANCE ON / Bureau Ritter - in Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer u.a.
Weitere Infos siehe auch: https://www.hebbel-am-ufer.de
https://www.andre-sokolowski.de
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