Die Vierer-
bande und
ihr Fußvolk
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Polina Semionova und Martin ten Kortenaar in Fearful Symmetries von Christian Spuck - beim Staatsballett Berlin | Foto (C) Carlos Quezada
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Bewertung:
Christian Spuck (56) hat seinem gestern Abend uraufgeführten halbstündigen Tanzstück Fearful Symmetries die gleichnamige post-minimalistische Musik von John Adams (79) "unterlegt" und sie von keiner Geringeren als der Staatskapelle Berlin (Dirigent: Paul Connely) musizieren lassen.
(Wer sich etwas näher für diese Musik interessieren sollte: Auf YouTube kann man unter anderem einen Konzertmitschnitt des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Marin Alsop vom 18. Februar 2022 streamen.)
Die Uraufführung fand in der Staatsoper Unter den Linden statt und beschloss den Premierenreigen des STAATSBALLETTS BERLIN, dem Spuck seit drei Jahren als Intendant ziemlich erfolgreich vorsteht - es folgen (bis zu den Sommerferien nach dem 12. Juli) noch 9 Reprisen von Fearly Symmetries, die Wiederaufnahme von Edward Clugs Sommernachtstraum (5 Vorstellungen), eine Gala der Staatlichen Ballett- und Artistikschule (am 30. Juni und 2. Juli) sowie das Education-Projekt Helden (am 7. Juli)...
Der Abend war zweiteilig.
Vor besagter Uraufführung gab es noch die Wiederaufnahme des Balletts Symphony in C in der inzwischen historischen Choreografie von George Balanchine (1904-1983); es wurde bereits 1994 mit dem damaligen Ballett der Deutschen Staatsoper Berlin aufgeführt und später in das Staatsballett-Repertoire übernommen und ist...
"...eines seiner Meisterwerke, das vor allem durch seine technische Präzision, künstlerische Virtuosität und atemberaubende Komplexität besticht. Balanchine wurde durch seinen langjährigen Mitarbeiter Igor Strawinsky auf Georges Bizets Komposition aufmerksam gemacht und choreographierte das Werk [...] 1947 in nur zwei Wochen für das Ballett der Pariser Oper, wo er als Ballettmeister tätig war. [...] In Symphony in C präsentiert Balanchine die Musik in vier Sätzen, von denen jeder, wie ein eigenes Ballett, ein anderes Solist*innenpaar und das Corps de ballet umfasst." (Quelle: staatsballett-berlin.de)
Neu einstudiert hatte es die US-Amerikanerin Sandra Jennings. Sie war früher Tänzerin in dem von Balanchine gegründeten New York City Ballet, kannte ihn und seine Arbeiten also ziemlich gut und gilt (spätestrens seit seinem Tod) als weltweit authentischste "Nachlassverwalterin" der meisten seiner Stücke; ein Segen also, dass der Spuck sie für die Berliner Wiederaufnahme engagieren konnte.
Die vier Tanzpaare in den vier Sätzen waren: Iana Salenko & David Soares, Polina Semionova & Martin ten Kortenaar (!!), Marina Duarte & Jack Easton sowie Haruka Sassa & Kalle Wigle.
Man findet kaum Worte, um die gesamtsymmetrische Ästhetik dieses grandios choreografierten Balletts gebührlich zu feiern - also: Geht hin und schaut es euch selber an, ihr werdet von all dem Schönen berauscht sein.
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Und dann das Spuck-Stück:
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Weronika Frodyma in Fearful Symmetries von Christian Spuck - beim Staatsballett Berlin Foto (C) Carlos Quezada
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Vier scheinbar aus der Ära des europäischen Absolutismus stammende Gestalten - Weronika Frodyma (als Königin), Jan Casier (als ihr Liebhaber), Dominik White Slavkovský (als ihr Alchemist) und Ross Martinson (als ihr Hofnarr) - wuseln eine halbe Stunde lang über den Bühnenboden, der durch Hydraulik etwas angehoben wurde und auf den sich peu à peu die großflächigen Wanddekorationen von Rufus Didwiszus niedersenken, ansonsten ist und bleibt es (viel zu) dunkel, und man hat große Mühe die sicherlich auffällig interessanten Physiognomien dieser aristokratischen Viererbande einigermaßen wahrnehmen zu können; keine Ahnung, ob das an der Lichtdesignerin Irene Selka gelegen hatte oder ob der Spuck die generelle Düsternis dann halt so haben wollte. Auf alle Fälle sahen dann die wie in Sepia-Tunke getauchten Kostüme von Emma Ryott fantastisch aus.
Die Königin fuchtelt unablässig mit einem Herrscherstab herum, und außerdem hantiert sie ständig mit einem kleinen goldfarbenen Ball, den sie wiederum an ihre drei Untergebenen "abgab" und umgekehrt, und also fiel und rollte der Ball dann hin und her; ich assoziierte ihn mit einem Reichsapfel. Zum Schluss des Stücks (Hammergag!) multiplizierte sich der Ball mal hundert oder tausend, und der gesamte Bühnenboden war dann voll mit vielen, vielen, vielen Bällen...
Sowas wie eine Handlung oder Rahmenhandlung - denn das mit 26 weiteren Tänzerinnen und Tänzern bestückte Fußvolk [Namen s.u.], alles junge Menschen in lässigen Alltagsklamotten, wie man sie heutzutage trägt, kommt hinzu, mischt kräftig mit und macht recht autonom sein Ding - war irgendwie zwar vorstellbar, jedoch, was ein etwaig nachvollziehbar Zwischenmenschliches betrifft, nicht weiter nachweisbar.
Dennoch war's spannend, all das Treiben zwischen "unten und oben", zwischen "damals und heute" oder zwischen "gut und böse" rein oberflächlich beobachtet haben zu können.
Und dem Spuck ist hiermit eine visuell (und musikalisch!!) einprägsame und in seiner unverbindlichen Verbindlichkeit durchaus gelungene Performance gelungen, die das Publikum mit hörbarer Begeisterung quittierte.
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Andre Sokolowski - 31. Mai 2026 ID 15885
FEARFUL SYMMETRIES (Staatsoper Unter den Linden, 30.05.2026)
Musikalische Leitung: Paul Connelly
Staatskapelle Berlin
Symphony in C (WA)
Choreographie: George Balanchine
Musik: Georges Bizet
Kostüme: Elsie Lindström
Licht: Irene Selka
Einstudierung: Sandra Jennings
Besetzung:
Solopaar 1. Satz ... Iana Salenko und David Soares
Solopaar 2. Satz ... Polina Semionova und Martin ten Kortenaar
Solopaar 3. Satz ... Marina Duarte und Jack Easton
Solopaar 4. Satz ... Haruka Sassa und Kalle Wigle
Fearful Symmetries (UA)
Choreographie: Christian Spuck
Musik: John Adams
Bühne: Rufus Didwiszus
Kostüme: Emma Ryott
Licht: Irene Selka
Besetzung:
Queen ... Weronika Frodyma
Jester ... Ross Martinson
Lover ... Jan Casier
Alchemist ... Dominik White Slavkovský
["Fußvolk":] Martin ten Kortenaar, Polina Semionova, Matthew Knight, Michelle Willems, Cohen Aitchison-Dugas, Leroy Mokgatle, Mark Geilings, Fiona McGee, Anthony Tette, Emma Antrobus, Achille De Groeve, Meiri Maeda, Cameron Hunter, Yuka Matsumoto, Loick Pireaux, Jessica Beardsell, Gustavo Chalub, Marina Duarte, Grégoire Duchevet, Alizée Sicre, George Susman, Eloise Socilotto, Giovanni Princic, Vivian Assal Koohnuzard, Jack Easton, Clotilde Tran
Staatsballett Berlin
Premiere war am 30. Mai 2026.
Weitere Termine: 04., 11., 13., 14., 28., 30.05./ 02., 06.07.2026// 12., 14., 18., 21., 26.02.2027
Weitere Infos siehe auch: https://www.staatsballett-berlin.de
https://www.andre-sokolowski.de
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