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3 Liebende

THE LOVE BEHIND MY EYES von Ali Chahrour


Foto (C) Lea Skayem;
Bildquelle: hebbel-am-ufer.de

Bewertung:    



Mit dem zweiwöchigen Festival Love is a Verb #2: We, the Heartbroken versammelte und versammelt HAU Hebbel am Ufer "Performance, Tanz, Musik, Diskussionen und Gesprächsrunden und bringt Künstler*innen und Denker*innen zusammen, die sich mit den Brüchen unserer Gegenwart auseinandersetzen. Ihre Arbeiten handeln von Erinnerung und Widerstand, von Migration und Exil, von unerfüllter Liebe und politischer Enttäuschung. Sie fragen, wie Menschen unter den Bedingungen von Krieg, Verlust und gesellschaftlichem Umbruch ihre Handlungsfähigkeit bewahren – und welche Formen von Gemeinschaft in einer zunehmend fragmentierten Welt entstehen können." Sein Kalender weist noch bis zum kommenden Sonntag acht weitere Programmtermine aus.

*

Eine besonders herzergreifend traurige Liebe vermochte mir gestern Abend der libanesische Choreograf und Tänzer Ali Chahrour (36) nachzuerzählen. Seine 50-minütige Performance, die den Titel The Love Behind My Eyes [dt.: Das Licht hinter deinen Augen] trägt, las ich als unglückliche Dreiergeschichte zwischen einer Frau und zwei Männern:

Sie (Hala Omran) könnte die Frau von ihm (Chadi Aoun) gewesen sein - diese Vermutung sollte nicht täuschen, denn am Anfang des Stücks tritt sie rechts der schwarzen Bühne aus einem schmalen Scheinwerferpegel, verharrt dort, um ihr "Klagelied der Mutter Maria" auf Arabisch zu singen.

In der wie von Dämmerlicht ausgeleuchteten hinteren Bühnenmitte liegt ihr Mann auf dem Rücken, wahrscheinlich schlafend und träumend; über ihn beugt sich ein anderer und deutlich jüngerer Mann (Ali Chahrour) und versucht ihn zu berühren, zu liebkosen; wie als wäre er tatsächlich ein "Versucher", oder ist er lediglich Bestandteil der erotischen Traumfantasie seines deutlich älteren Objekts seiner Begierde...

Die Frau des Mannes weiß bescheid, was mit ihm und wonach ihm ist; sie liebt ihn dennoch, und sie zieht sich, vorerst jedenfalls, auf das Diskreteste zurück.

Aus der dämmerlichten Traumsequenz gerät die ungleiche Männerbeziehung nach und nach in die Realität; beide stellen und legen sich, jeweils wechselseitig, zurecht; ich sehe ihre Scheu und ihre Angst, die ganze Furcht vor all den Konsequenzen, wenn ihre wahrscheinlich bis dahin geheim gehaltene Beziehung "ruchbar" würde; ihr Gehetztsein gipfelt gar in Schüssen (oder wie auch immer ich die zwei elektronisch erzeugten Knallgeräusche deutete), sie ahnen irgendwie, das alles endete nicht gut...

Dann kommt es endlich (erstmals?) zu einem von beiden angedeuteten Liebesakt; auch ist die Frau des Mannes wieder in der Nähe...

Doch der Jüngere entfernt sich plötzlich von dem Älteren und geht nach rechts ab - von dort kehrt er zurück mit einem Scheinwerfergefährt, das seinen Freund blendet und schließlich in sich hineinzuschlucken scheint - - Blackout - - - dann sehe ich den zuvor Geblendeten leblos und mit einem Leichentuch bedeckt am Boden liegen; seine Frau zieht das Tuch über sein Gesicht; ihre letzten Worte sind:



"Oh meine Liebe, welches war dein Verbrechen
Sodass das Gericht dich bestraft
Schimpf und Schande dein Lohn
Und niemals heilende Wunden"



Und mir - und nicht nur mit - stand da das Wasser in den Augen.

Rätselhaft und wunderschön.




The Love Behind My Eyes von Ali Chahrour | Foto (C) Candy Weiz;
Bildquelle: hebbel-am-ufer.de

Andre Sokolowski - 14. Oktober 2026
ID 16094
The Love Behind My Eyes (HAU2, 13.10.2026)
Regie und Choreografie: Ali Chahrour
Musik: Abed Kobeissy
Lightdesign, Bühne und technische Leitung: Guillaume Tesson
Mit: Hala Omran, Chadi Aoun und Ali Chahrour
UA in Beirut: 2021
Europäische Erstaufführung beim Kunstfest Weimar: 28. August 2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.hebbel-am-ufer.de


https://www.andre-sokolowski.de

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