Großtat in
Bewegung
und Klang
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Carmina Burana mit der Nationalen Oper und dem Ballett der Ukraine aus Odessa | Foto © Odesa National Academic Opera and Ballet Theatre
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Bewertung:
Das aktuelle Deutschlandgastspiel von Carl Orffs Carmina Burana mit der NATIONALEN OPER UND DEM BALLETT DER UKRAINE AUS ODESSA ist ein Zeichen für die Kraft des Theaters als Freiheitsraum der Demokratie:
Eine Gruppe schwarz kostümierter Chorsängerinnen bedeckt die Augen der vor ihnen positionierten Tenöre und Bässe. Weiße Grundierungen lassen die Gesichter der Akteure maskenhaft wie die von Statuen wirken. Die bleiche Färbung symbolisiert eine Unterordnung des Individuums unter das unaufhaltsame Rad des Schicksals, während rote, aufgemalte Akzentsetzungen für sinnliche Leidenschaft und Vitalität stehen. Die Gruppe splittet sich langsam zu beiden Seiten hin mit Blick zum Publikum auf. Durchgehend bedecken die Frauen währenddessen fein koordiniert weiterhin den Blick der sich vor ihnen bewegenden Männer. Vorsichtig führen sie ihre Kollegen, bevor alle gemeinsam seitwärts abtreten.
Noch während sie die Bühne verlassen, betreten vier Tanzpaare in hautfarbenen, knappen Trikots die Bühne. Hier bedecken die Herren die Augen der vor ihnen gehenden Tanzpartnerinnen. So wird gleich zu Anfang deutlich, dass sich Chor und Ballett ergänzen. Die Kostüme der Vokalistinnen und Vokalisten gleichen mönchsähnlichen, schwarzen Kutten und lassen sie als dunkler, kollektiver Block wirken; sie verharren oft in strengen Formationen, was die Unausweichlichkeit des Schicksalsrads bebildert. Das Ballettensemble stehen dazu im Kontrast durch helle, verletzlich und nahezu nackt wirkende Protagonisten, die durch hohe Sprünge und kraftvolle Streckungen dynamisch agieren.
Ausdrucksstarke Tanzeinlagen eröffnen den Abend, noch bevor das Orchester der Nationaloper der Ukraine aus Odessa unter der Leitung von Igor Chernetski zu spielen beginnt. Regisseur Gerard Mosterd besorgte auch die Choreographie.
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Carmina Burana mit der Nationalen Oper und dem Ballett der Ukraine aus Odessa Foto © Odesa National Academic Opera and Ballet Theatre
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Die bestechende Körpersprache der Tänzerinnen und Tänzer Liliia Ivanova, Polina Kalina, Maryna Stryzhakova, Yuliia Temchenko, Olena Yelyzarova, Dmytro Dzenyk, Roman Kalin, Kostiantyn Leshchynskyi, Kristian Nikulytsia, Viktor Pelykh und Serhii Tkachuk wechselt zwischen archaischer Wucht und fließender Eleganz. Mit Armbewegungen, die an Flügelschläge erinnern und Freiheit symbolisieren, entfalten sie ihre Gliedmaßen. Tiefe Beugungen und Bodenkontakte bebildern die menschliche Unterwürfigkeit unter das Schicksal. In einer Szene wird ein Tänzer vom Chor emporgehoben und liegend davongetragen - eine Welt scheint aus den Fugen geraten. Dramatik wird in Eruptives kanalisiert. Unermüdlich interagiert das Ensemble unmittelbar und in einer denkwürdigen Wucht aus fein gewirkten Szenerien. Die Energie reißt mit. Großflächige Videoinstallationen, etwa mit Detailaufnahmen von Blüten, ergänzen das Zusammenspiel im Hintergrund.
Das Gesangssolisten-Trio brilliert mit der Sopranistin Alina Tkachuk, dem Tenor Oleksandr Prokopovych und dem Bariton Bogdan Panchenko.
Standing Ovations.
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Ansgar Skoda - 7. April 2026 ID 15789
https://operahouse.od.ua/en/events/carmina-burana/
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Ballett | Performance | Tanztheater
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