Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

TANZ IM AUGUST 2026

Agnietė Lisičkinaitė & Igor Shugaleev

CLAP & SLAP


Bewertung:    



Am vergangenen Festival-Wochenende besuchte ich zwei Performances, die in ihrer konzeptionellen wie rezeptiven Gegensätzlichkeit nicht größer hätten sein können: das Zweipersonenstück CLAP & SLAP sowie das inklusive Show-Spektakel HORNFUCKERS von Diana Niepce...


"Als Russland 2022 die Vollinvasion der Ukraine begann, löste dies in der gesamten Region komplexe geopolitische Spannungen aus, die auch die Kunstwelt erfassten. Diesen heiklen Zustand loten die beiden Künstler*innen Agnietė Lisičkinaitė und Igor Shugaleev anhand der angespannten Beziehung ihrer Heimatländer Litauen und Belarus aus. Mit minimalistischen Kostümen, Gesten und Requisiten sowie kurzen Text- und Videosequenzen wagen sie einen beinahe unmöglichen Dialog. Frei von dem Anspruch, politische Lösungen anzubieten, regt CLAP & SLAP zum Nachdenken über Verantwortung und Schuld, Nationalismus und Patriotismus, Selbstverteidigung und Aggression an." (Quelle: tanzimaugust.de)


Agnietė Lisičkinaitė (36) und Igor Shugaleev (40) also.

Die beiden - zunächst als einen Grenzzaun haltendes und schweigendes Paar - beginnen ihr Stück per Homevideo mit dem Austausch von Lieblingsrezepten und dem gegenseitigen Verkosten ihrer jeweiligen Landeslieblingsspeisen; das nimmt sie a priori für mich ein, und ich bin neugierig, worauf ihre (wahrscheinlich autobiografisch konotierte) Geschichte hinauslaufen bzw. welche Art von Stolpersteinen selbige wohl beeinflusst haben könnte...

Und tatsächlich scheint die anfangs gute Stimmung - jetzt in Liveszenen der zwei - zu kippen, indem SIE (die sich im NATO- und EU-Schutz vor dem russischen Nachbarn wähnende Lettin) IHM (den vor der Verfolgung des belarussischen OMON ins polnische Exil Geflohenen) vorwirft, dass er durch seine Flucht seiner vaterländischen Pflicht, den von ihm und seinen belarussischen Leidensgefährten verhassten Lukaschenko irgendwann zu stürzen oder so, nicht nachgekommen wäre - und so muss er "Buße" tun, indem er mit seiner rechten Hand seinen oberen Rücken solange peitscht bis er rötet; sie tut ihm das übrigens prompt nach, auch weil ihr zwischenzeitlich bewusst wurde, dass ihr Vorwurf ihm gegenüber unfair war, denn wenn er in Belarus geblieben wäre, hätte er ins Straflager gemusst, und ob er das gesundheitlich unbeschadet überstanden haben würde? Und so peitschen sie sich um die Wette ihre Oberrücken wund - und plötzlich wird ein (belarussischer?) Protest-Punk laut und immer lauter hörbar, und die zwei verlieren sich in ihm und tanzen und zucken wie die Irren...

Gebrochen wird diese von ihnen hochgrandios performte Überspanntheit durch die völlig unvorbereitete Einblendung eines asiatischen Händeklatschen-Spezialisten, der diverse Ausdrucksmöglichkeiten und Handhabungen von zu klatschender Kommunikation erläutert und am Beispiel demonstriert - - Agniete & Igor greifen das auf und geraten diesbezüglich mit dem Publikum in ein von ihnen initiiertes Vor-und-Gruppennachklatschen; das war ansteckend und lustig obendrein.

Schließlich vollziehen sie ein gegenseitiges Ohrfeigengeben und -erhalten - als mehr oder weniger schwerelose Fortsetzung ihrer Oberrückenauspeitschungen.

Menschlich anrührender allerdings sind die autobiografischen Verschriftlichungen, die (auf die Leinwand im Hintergrund gebeamt) detailierte Auskunft ihrer beiden bisherigen Lebensabschnitte geben; unter anderem die Tatsache, dass Igor seine Mutter seit fünf Jahren nicht mehr sah und bis heute nicht weiß, ob seine Aufenthaltsbewilligung (welche vorerst nur bis 2028 für die EU gilt) verlängert werden würde usf.

Zu Tränen gerührt.



CLAP & SLAP von und mit Agnietė Lisičkinaitė & Igor Shugaleev | (C) D Alisauskas

Andre Sokolowski - 25. August 2026
ID 15999
CLAP & SLAP (Radialsystem, 22.08.2026)
Konzept & Choreografie und Performance: Agnietė Lisičkinaitė & Igor Shugaleev
Komposition: Agne Matulevičiūtė
Szenografie: Oles Makukhin
Dramaturgie: Bush Hartshorn
Licht: Povilas Laurinaitis
Produktion: BE COMPANY / Agnietė Lisičkinaite
Gastspiel bei TANZ IM AUGUST


Weitere Infos siehe auch: https://www.tanzimaugust.de


https://www.andre-sokolowski.de

Ballett | Performance | Tanztheater

Rosinenpicken

TANZ IM AUGUST



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeige:



THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CASTORFOPERN

DEBATTEN
& PERSONEN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

PREMIEREN-
KRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

SALZBURGER FESTSPIELE

TANZ IM AUGUST

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)