Das Patriarchat
im Herzen
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Bewertung:
Einige Wochen bevor der Schriftsteller Frederico García Lorca (1898-1936) von Faschisten ermordet wurde, entstand sein letztes Theaterstück Bernarda Albas Haus. Die Witwe Bernarda hat nach dem Tod ihres Mannes den Töchtern jahrelange Trauerzeit verordnet. Kein Funken Leben soll in sie eindringen. Das Drama von den Frauen in Spaniens Dörfern, wie es im Untertitel heißt, war für das Jahr 1936 - und nicht nur damals – revolutionär: Es kamen keine Männer vor. Jedenfalls nicht auf der Bühne, aber alle Gedanken kreisten um sie. Das wurde in der Inszenierung von Rieke Süßkow eliminiert, wie auch die meisten Dialoge. Sie verlässt sich auf Bühne (Marlene Lockemann) und Kostüme (Sabrina Bosshard), die beindruckend sind. Die in Angst erstarrten Töchter, in schwarzer Kleidung und Mantillas, werden mit an den Körper geschnürten Armen, auf weißen Sockeln sitzend auf einem Band langsam vorbeigefahren. Endloses Klappern der schwarzen Fächer. Ein Frauenchor tritt auf, einmal in schwarz gehüllt, dann von Büßergewändern bedeckt, wie sie bei Karfreitagsprozessionen heute noch in Spanien zu sehen sind, nur in diesem Fall in leuchtendes Pink. Die ganze Inszenierung sehr ästhetisch. Nur bei der ganzen Entkernung des Textes geht der Kern verloren. Wer den Originaltext liest, muss erschüttert sein von der Brutalität dieser Gesellschaft: Die Erzählungen, wie eine Nachbarsfrau von mehreren Männern gekidnappt und vergewaltigt wurde, wie ein junges Mädchen, das ledig schwanger wurde, ihr Neugeborenes tötete und jetzt zu Tode gejagt werden sollte.
Nur die älteste Tochter von Bernarda kann heiraten, da sie von ihrem verstorbenen Vater eine Mitgift bekommen hat. Die jüngere Schwester Adela, die den Bräutigam liebt, wird von der Magd getröstet, dass die ältere die erste Geburt sowieso nicht überleben wird, und dann sei der Weg frei. Als alles nicht mehr unter der Decke zu halten ist, schießt Bernarda auf den Schwiegersohn in spe und die jüngste Tochter nimmt sich aus Verzweiflung das Leben.
All dies wird nicht erwähnt. Vermutlich aus der emanzipatorischen Absicht, dass sich die Nöte der Frauen nicht durch das Streben nach einem Mann erklären lassen sollen. Aber genau das hat diese brutale patriarchalische Gesellschaft zusammengehalten: Frauen sahen andere Frauen als Schuldige, als Konkurrentinnen, als Feindinnen. So lange Frauen aufeinandergehetzt werden, haben Männer ein leichtes Spiel.
In dieser Inszenierung will Adela in die Freiheit fliegen, in einem grünen Flügelkleid. Sie wird von den Schwestern eingefangen und gefesselt.
Ist das der Schluss? Die Zuschauerschaft ist sich nicht ganz sicher. Doch, jetzt darf geklatscht werden. Für eine Inszenierung, die schön anzusehen ist, aber zu wenig Inhalt und Entfaltungsmöglichkeit für die Schauspielerinnen bietet.
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Bernarda Albas Haus am Residenztheater München | (C) Sandra Then
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Isabella Schmid - 31. März 2026 ID 15781
BERNARDA ALBAS HAUS (Cuvilliéstheater, 30.03.2026)
von Frederico Garcia Lorca
Inszenierung und Fassung: Rieke Süßkow
Bühne: Marlene Lockemann
Kostüme: Sabrina Bosshard
Musik: Kostia Rapoport
Chorleitung: Daniel Weber
Licht: Markus Schadel
Dramaturgie: Almut Wagner
Besetzung:
Bernarda Alba ... Katja Jung
Maria Josefa, Bernardas Mutter ... Barbara Melzl
Angustias, Bernardas Tochter ... Evelyne Gugolz
Magdalena, Bernardas Tochter ... Naffie Janha
Amelia, Bernardas Tochter ... Alexandra Juschkewitsch
Martirio, Bernardas Tochter ... Lisa Stiegler
Adela, Bernardas Tochter ... Felicia Chin-Malenski
La Poncia, Magd ... Nicola Kirsch
Magd ... Frieda Lüttringhaus
Frauenchor: Bolette Benedikte Borksand, Elisabeth Grünebach, Alexandra Hernadi, Verena Höfferer, Marie Höhne, Almut Kapp, Judith Kohnle, Verena Meyer-Bender, Leonie Neubauer, Amira Plasa, Lea Reichel, Amelie Scheffels und Katrin Schmölz
Premiere am Residenztheater München: 26.März 2026.
Weitere Termine: 16., 18., 24.04./ 08., 15.05.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.residenztheater.de
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