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nachDRUCK # 6

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Beauty shots

& Showstoppers



Plakat zum Theaterstück | Foto © Michelle Schneck

Bewertung:    



Das große Schaulaufen ist eröffnet: In einer spielerisch-dynamischen Auseinandersetzung begeben sich junge Pioniere auf die Suche nach individuellen Vorstellungen von Schönheit!. Es geht um Kraft und Glanz, um sozial vorgeprägte Strukturen und um den Aufbruch zum Durchbruch. Große und kleine Auftritte setzen sich ebenso mit reinen Stilfragen wie mit gesellschaftlich und sozial relevanten Aspekten wie Gruppendruck auseinander. In ihrer aus eigenen Ideen geschaffenen Produktion, einem sog. Rechercheprojekt, erforscht die Schauspielschule DER KELLER auf spielerische Art und Weise Selbstdarstellungen im sozialen Raum.

Juliana Tricoli eröffnet den Abend mit „I feel so pretty“, dem bekannten Song aus Bernsteins West Side Story. Sie sticht mit tänzerischer Finesse und Beweglichkeit aus einer vielköpfigen Personenreihung hervor. Früh blickt das gesamte Ensemble direkt ins Publikum. Auf provokant gnadenlose Weise bewertet Tricolis Figur nun oberflächlich Nasen, Zähne, Brüste, Behaarung oder sogar die Hände der Zuschauenden. Doch auch die jungen, durchweg attraktiven Akteure scheinen vor (Selbst-)kritik nicht gefeit: Chorisch sprechend klagen bald unter anderem Hannah Marie Bahlo, Muriel Line Blomeyer oder Maximilian Sassinek schmerzhaft larmoyant, schnell und spröde, sie seien zu dick oder zu dünn, zu muskulös oder zu wenig definiert und insgesamt unzufrieden mit ihrem Körper. Eine Frage geht reihum: Wann fand ich mich zuletzt schön? Hier bricht die Vorstellung gewissermaßen soziale Strukturen auf, wenn sich die Figuren durch das Prinzip der Reflexion hinterfragen.

Beherzt ist eine starke Szene, in der Max Rademacher mit absurd gebrochenem Deutsch ein Eichhörnchen beobachtet und seine Anmut nicht einzufangen vermag. Auch im Monolog eines alten Mannes transformiert er das gesetzte Thema experimentell mit kreativem Ausdruck ins Humorvolle.

Eine Loslösung von tradierten Vorstellungen erscheint als spannende Herausforderung, wenn Rasmus Adams den Ebertplatz verkörpert, der einst noch Adolf-Hitler-Platz hieß und nach dem Krieg nicht in alter Pracht wieder aufgebaut wurde. Eine Aushöhlung des Platzes, um neue Infrastrukturen zu schaffen, führte gleichfalls nicht zu vormaliger architektonischer Ästhetik. Auch gegenwärtig finden Abbrucharbeiten an den Straßen und am Mauerwerk statt.

Claudio Tardios Figur räumt mit geschlechtsspezifischen Stereotypen auf, wenn er sich von den anderen Akteuren Beauty-Produkte empfehlen lässt. In einer Szene erzählt er, dass er mit Tiktok und Videospielen die Zeit vertrödelt und so in seinem Zimmer vereinsamt. Seine Figur hat Angst, sich nicht effektiv zur Wehr setzen zu können, wenn er nach dem Ausgehen als sogenannte „Schwuchtel“ verprügelt werden könnte. Er hat sowieso schon Angst, das Land bald in hiesigen Kriegen nicht gut verteidigen zu können. Schönheit findet er vor allem in der Natur, doch auch hier kommt ihm jedwede Gemeinschaft abhanden.

Eine starke Szene eröffnet Katharina Speelmans, wenn sie konzentriert und überzeugend das Publikum über Gesichtsanalysen aufklärt – von Angesicht zu Angesicht. Sie präsentiert eine sogenannte „Facenation“-Lösung, eine schöne neue Welt, die mehr Sicherheit durch Gesichtserkennung verspricht.

Viona Canoska vermittelt durch ihre Haltung und eine kraftvolle visuelle Bewegungssprache einen Eindruck skulpturaler Eleganz. Männliche Akteure reichen ihr unterwürfig hochhackige Schuhe. Als dekorativ schmückende Accessoires trägt sie auffällige Ohrringe. Während sie sich elegant auf einen Sessel fläzt, spricht sie darüber, wie Attraktivität und Extravaganz es erleichtern, insbesondere bei Männern Projektionen zu schaffen oder als geheimnisvoll wahrgenommen zu werden. Eigene Ansichten könnten so auch nonverbal Gewicht bekommen.

Max Rademacher schließt die szenische Collage durch improvisiertes Gitarrenspiel zu einer Komposition von Ed Sheeran ab, während seine Figur von ihrer Jugend erzählt. Er konzentriert sich auf Rhythmus und Spannung. Nuanciert schwebt plötzlich sein Gesang zwischen Fülle und Leere im Raum. Sein Spiel klingt subtil und zugleich kraftvoll, nahezu eine poetische Reflexion über das Wesentliche und die Kraft der Einfachheit.

Unerwartet humorvolle und zugleich tiefsinnige Szenen stehen nebeneinander. Es geht in Schönheit! unter der Leitung von Stefan H. Kraft schlussendlich darum, wie wir unser Umfeld wahrnehmen, verstehen und welchen Platz wir darin einnehmen wollen. Zusammen mit der Dramaturgin Sibylle Dudek hat Kraft eine Collage über Schönheit als Projektionsfläche für Ängste, Wünsche und Hoffnungen geschaffen; voller Reflexionen über das Spannungsfeld von Körper und Psyche, über Zerbrechlichkeit, menschliche Verwundbarkeit, Jugend und Vergänglichkeit.

*

Die traditionsreiche, private Schauspielschule DER KELLER in Köln existiert seit 1954. Die institutionelle Verbundenheit mit dem Kölner Theater der Keller ist ein Alleinstellungsmerkmal. Zu ihren Absolventen zählen namhafte Größen wie Annette Frier, Til Schweiger, Hella von Sinnen, Heiner Lauterbach oder Gudrun Landgrebe.
Ansgar Skoda - 28. März 2026
ID 15773
SCHÖNHEIT! (Freihandelszone, 26.03.2026)
Rechercheprojekt der Schauspielschule DER KELLER

Leitung: Stefan H. Kraft
Dramaturgie: Sibylle Dudek
Mit: Rasmus Adams, Hannah Marie Bahlo, Muriel Line Blomeyer, Viona Canoska, Max Rademacher, Maximilian Sassinek, Michelle Schneck, Katharina Speelmans, Claudio Tardio und Juliana Tricoli
Premiere am Theater der Keller: 26. März 2026
Weitere Termine: 28.03./ 13., 14., 15.04.2026
In Zusammenarbeit mit Freihandelszone Köln e.V.


Weitere Infos siehe auch: https://schauspielschule.koeln/


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