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Schöne

Schlampen-

Schleier



Herbert Fritschs Inszenierung des Don Giovanni an der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Herbert Fritsch (seit seiner Volksbühnen-Frau Luna auch für das Musiktheater dedizierter Maßen ausgewiesen) debütierte offizieller Weise in Sebastian Baumgartens idiotisch aktualisiertem Mozart-Requiem aus dem Jahr 2008 - das hatte uns dann damals [nein, nicht etwa wegen Fritsch!] die Blutdruckwerte derart in die Höhe schießen lassen, dass wir uns verbal in unsrer damaligen Einschätzung ein bisschen leicht in unbeherrschtem Ton verloren; lange ist es her...

*

Nun hat der Murmel, Murmel-Fritsch also "richtige Oper" (= Don Giovanni) inszenieren wollen; oder Regisseursverführer Kosky lockte ihn zu sich ins Haus, damit der ihm den aktuellen Mozart-Zyklus an der KOB (welcher z.Z. jedoch bloß durch Figaros Hochzeit und Die Zauberflöte hochglänzt; von der überambitionierten Così reden wir am besten gar nicht erst) aufpeppen sollte, denn:

"Kein anderes Werk Mozarts demonstriert auf so konsequente Weise den Frontalangriff auf jegliche Konvention – und das nicht nur inhaltlich, sondern auch formal. Hier purzeln die neuen Figuren nur so auf die Bühne, die nichts verbindet als die ständig flüchtige Hauptperson. Gleich am Anfang gibt es das große finale Messerstechen, und das Ensemble des Happy Ends kommt so unvermittelt daher, dass man sich nur ungläubig Augen und Ohren reiben kann. Ein todernster Spaß, gehüllt in die lasziv-verspielte Spitze der Musik Mozarts. Mit Herbert Fritschs Regiedebüt an der Komischen Oper Berlin geht deren Mozart-Zyklus in eine neue Runde." (Quelle: komische-oper-berlin.de)

Das Bühnenbild (das auch von Fritsch stammt) ist aus lauter Schleier-Vorhängen gemacht. Mantillen-Einerlei... Rezitativisch (deutsche Texte von Sabrina Zwach) fallen so Huldigungen wie z.B. "Schlampe", "Hure" oder so.

Davor/darunter: Schrill, bunt, lustig sieht das Alles aus und stiftet daher, "visuell gesehen", gute Laune - helles Licht auch; wunderbar! Die hochspektakulär-auffälligen Victoria Behr-Kostüme (!) jedenfalls, wie wir ganz keck vermuten, hätten auch womöglich EVA & ADELE gut gestanden - aber EVA & ADELE tun ja ihre Ausstaffierungen immer höchstselbst entwerfen.

Das vermeintlich Philosophisch-Schwere dieser Mozartoper - und Experten halten sie im Nachhinein durchaus für eine Art von Gegensteuerung zum Faust - lässt Fritsch frohpropper an sich abprallen; und allen am Projekt Beteiligten bereitet diese freiheitliche Sicht spürbare Lust und regt sie schön zum Spielen an... Am Ende gar, wenn die Komturkopie aus Stein den Dauererigator in das Höllenloch verschwinden lässt, ragt frech ein Stinkefinger des Betroffenen aus dem sich um ihn zugeschloss'nen Erdreich, was wohl letztlich Alles sagt.

Henrik Nánási dirigiert mit leichter Hand, und das Orchester der Komischen Oper Berlin klingt sehr beschwingt, ja schwerelos. Auch das gesamte ausführende Personal schließt sich der Leichtigkeits-Attacke an; man singt und spielt durchweg clownesk und kann sich nicht und nie auf irgendwelchen Ernst der Lage einigen - prima zu wissen! Günter Papendell (Giovanni) und Jens Larsen (Leoporello) haben da die meisten Lacher aus dem Publikum auf ihrer Seite. Bei den Frauen konkurrieren Nicole Chevalier (Elvira) und Erika Roos (Anna) um allgemeine Sympathiebezeigungen; sie kommen fast noch "günstiger" als ihre Maskulin-Pendants herüber. Adrian Strooper singt und spielt seinen Ottavio weicheihaft und wirkt dennoch sympathisch. Und Alma Sadé (Zerlina) zwitschert, dass es eine wahre Wonne ist.

Ausufernde Begeisterung, d.h. die Chose kommt - so wie bei mir - auch bei den meisten Andern an. Wenn das nix ist?!



Don Giovanni Günter Papendell (mit Kahlkopf) als verkleidet-vorgetäuschter Leporello in der Komischen Oper Berlin - Foto (C) Monika Rittershaus
Andre Sokolowski - 7. Dezember 2014
ID 8307
DON GIOVANNI (Komische Oper Berlin, 06.12.2014)
Musikalische Leitung: Henrik Nánási
Inszenierung und Bühnenbild: Herbert Fritsch
Kostüme: Victoria Behr
Dramaturgie: Johanna Wall und Sabrina Zwach
Chöre: David Cavelius
Licht: Franck Evin
Besetzung:
Don Giovanni ... Günter Papendell
Donna Anna ... Erika Roos
Don Ottavio ... Adrian Strooper
Komtur ... Alexey Antonov
Donna Elvira ... Nicole Chevalier
Leporello ... Jens Larsen
Masetto ... Philipp Meierhöfer
Zerlina ... Alma Sadé
Chor und Orchester der Komischen Oper Berlin
Premiere war am 30. November 2014
Weitere Termine: 14., 17., 25. 12. 2014 / 11. 1.; 4., 11. 4.; 3., 17. 5. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.komische-oper-berlin.de


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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