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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

Eroberung

wider

Willen



Attila an der Oper Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Bewertung:    



Im Krieg ist alles erlaubt. Niederste Instinkte brechen sich Raum. Menschen ergötzen sich am Sterben anderer. Frauen – meist daheim geblieben, während ihre Männer an der Front fielen – versuchen sich und ihre Familienangehörigen zu schützen. Von den „Eroberern“ werden sie gierig verlacht, herumgestoßen und misshandelt. Die Möglichkeit eines Krieges – insbesondere in Zeiten von Trump, Putin und Erdogan - birgt Urängste. Doch alleine, wenn man nach einem Fußballspiel in einer natürlich verspäteten und überfüllten Bahn pendelt, erkennt man, wie verroht, laut pöbelnd und gewaltbereit einige Geschlechtsgenossen sein können. Da werden andere Passagiere wüst angegangen; es wird lustvoll provoziert und gegrölt. Dietrich Hilsdorf inszeniert nun Verdis Attila an der Oper Bonn als ein diffuses Bild ähnlicher Ausnahmezustände. Insbesondere viele moderne Requisiten, wie Plastikstühle und –tische, flimmernde Fernsehmonitore und eine auf der Bühne platzierte Imbissbude irritieren (Bühne: Dieter Richter). Die Historie vom heidnischen Hunnenkönig scheint in der Jetztzeit angekommen.

Attila lebte von etwa 400 bis 453 n.Chr. Der Sohn eines Stammesführers der Hunnen fiel 452 in Italien ein. Kurze Zeit später starb er 453 aus unerklärlichen Gründen in seiner Hochzeitsnacht. Der vielleicht bekannteste Hunne erlangte bis heute Berühmtheit für die skrupellose Brutalität seiner Vielvölkerschlachten. Das Bühnenbild dominieren eingebrochene Hausfassaden und kaltes Dämmerlicht. Auf der Bühne tummeln sich Soldaten in Uniform, Gewehre vor sich her tragend und gemeinschaftlich Siegeshymnen auf Attila singend. Erst später erkennt man auf der Bühne ein käfigähnliches Gerüst, auf dem einige Menschenkörper aufgehängt sind. Die meisten Gewalttaten bleiben während der Vorführung nur angedeutet. Das protzende, krafttrunkene Getöne der Hunnen wird bald mit leisem und verhaltenem Singsang von Nonnen und trauernden Witwen beantwortet. Disharmonisch bewegen sich hier zwei diametral entgegengesetzte Klangfelder aufeinander zu. Die Frauen können mit ihrem geschlossenen Auftreten kurzzeitig bei dem überraschten Hunnenkönig und seine Mannen Eindruck schinden. Bald schon verändern sich die Fronten. Die Handlung schöpft aus den Unwägbarkeiten, unverhohlenem Misstrauen und ungezügelten Aggressionen in Kriegszeiten seine größte Spannung. Niemand ist in dieser Situation sicher, auch Attila nicht.

Das Bonner Ensemble wartet mit solidem und manchmal sogar exquisitem Chorgesang, einem bis in die Solopartien hin sattem Orchesterklang und hochkarätigen Sängern auf, welche die ohne Pause durchgehaltene Vorführung zu einem Erlebnis machen. Franz Hawlata gibt einen selbstgewissen und etwas naiven Attila mit viril volltönendem Bassbariton, der seine zahlreichen Widersacher nicht für voll nimmt. „Sie können das Universum haben, aber lassen Sie Italien mir“, erwidert ihm ebenso tollkühn, sieges- und sangessicher der russische Bariton Ivan Krutikov als römischer Feldherr Ezio in dieser fraglos nationalistischen Verdi- Oper. Yannick-Muriel Noah [auch als Madame Butterfly oder Aida hier am Haus erlebbar gewesen] balanciert ihre Odabella formvollendet mit impressiven, wohltemperierten Sopran aus und spielt ihre von Rachegedanken getriebene Figur erfrischend leidenschaftlich. Die wahrscheinlich packendste Performance liefert jedoch George Oniani als aufgebrachter Foresto. Selbst kurz vor einem Mordanschlag hadert er mit seinen Gefühlen für Odabella, die Höhen und Tiefen seiner mitunter finsteren Gedanken in wohlmodulierten Tenor kleidend. Eine insgesamt recht farbenprächtige Operninszenierung, die immer wieder mit Spannungsmomenten irritiert und auch einige überraschend komische Elemente birgt.




Attila an der Oper Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Ansgar Skoda - 31. Januar 2017
ID 9813
ATTILA (Opernhaus Bonn, 29.01.2017)
Musikalische Leitung: Will Humburg
Choreinstudierung: Marco Medved
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf
Bühne: Dieter Richter
Kostüme: Renate Schmitzer
Licht: Thomas Roscher
Besetzung:
Attila … Franz Hawlata
Ezio … Ivan Krutikov
Odabella ... Yannick-Muriel Noah
Foresto ... George Oniani
Uldino ... Jonghoon You
Leo I. ... Leonard Bernad
Chor / Extrachor
Beethoven Orchester Bonn
Premiere an der Oper Bonn: 29. Januar 2017
Weitere Termine: 05., 11. + 19.02./ 19. + 30.03./ 12.05./ 03., 17. + 28.06.2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-bonn.de


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de



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