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Opernkritik

Liebe bis zur

Selbstaufgabe



Giorgos Kanaris als Sharpless (links) und George Oniani als B. F. Pinkerton in Madame Butterfly an der Oper Bonn - Foto (C) Thilo Beu

Bewertung:    



Hoffnungsvolle Arien von zerbrechlicher Schönheit verkürzen in kostbaren Momenten das sich über Jahre hinweg dehnende, sehnsüchtig-geduldige Warten. Cio-Cio San, genannt Butterfly, ihr dreijähriger Sohn und ihre Zofe Suzuki warten auf den Ehemann und Kindsvater – den US-Navy-Offizier Pinkerton. Er erwarb die junge Geisha samt Haus, zeugte mit ihr unwissentlich ein Kind und ließ sie dann alleine zurück. Sie liebt ihn weiterhin bedingungslos. Da sie seinen Glauben annahm, wird sie von ihren Freunden und ihrer Familie verstoßen. Über Jahre hinweg klammert sie sich verzweifelt an die Hoffnung seiner baldigen Rückkehr. Pinkerton kehrt tatsächlich zurück – mit einer neuen Frau und um Butterfly den Sohn wegzunehmen.

Die Liebesgeschichte von Giacomo Puccinis Madame Butterfly (1904) ist mindestens ebenso traurig wie jene in Antonín Dvořáks Meerjungfrauen-Oper Rusalka (1900), die Mark Daniel Hirsch, fester Spielleiter an der Oper Bonn, jüngst ebenfalls mit der kanadischen Sopranistin Yannick Muriel Noah in der Titelrolle besetzte. Die Tragödie um die Selbstaufopferung und tragische Liebe einer jungen Geisha im Nagasaki des Jahres 1900 inszeniert Hirsch klassisch ohne eine Neudeutung des Stoffes durch eine naheliegende, jedoch oft auch banale Politaktualisierung oder allzu exotische Rührseligkeit.

Im Liebesduett des ersten Aktes berührt Cio-Cio-San zärtlich Pinkertons Hände und deutet ihm in dieser unterwürfigen Geste an, dass sie sich ihm sozusagen ganz hingeben möchte. Sie blüht bei der Vorstellung der gemeinsamen Liebe auf. Er ist ganz angetan von ihrer Hingabefähigkeit, betrachtet seine Butterfly jedoch abgeklärt vor allem als einmalige Eroberung. Ihre Befürchtung, bloß ein Abenteuer für Pinkerton zu sein, deutet Cio-Cio-San jedoch eingangs selbst an, wenn sie während des Flirts mit Pinkerton ihr Bedauern dafür ausdrückt, dass die Amerikaner Schmetterlinge oft nur einfangen würden, um sie an einer Nadel aufzuspießen und in ihrer Sammlung so zu verewigen.

Das Bühnenbild von Helmut Stürmer dominieren Schiebewände, die ein erst Schwarz und später ganz in Weiß gehüllter Diener eifrig bewegt. Dahinter wird in unterschiedlichen Ansichten das Haus der Geisha samt Gebetsschrein sichtbar, später auf der Bühnenhinterwand auch das Meer und Pinkertons vor Anker gehender Passagierdampfer „Abraham Lincoln“.

Yannick Muriel Noah (die auch schon als Aida an der Oper Bonn begeisterte) moduliert das Leid der grenzenlos Liebenden geschmeidig mit feinem Farbenspiel und stets präsentem Sopran. George Oniani überzeugt als Pinkerton mit dunklem Timbre und kräftig volltönendem, bisweilen strahlendem Tenor. Susanne Blattert begeistert als Dienerin und stiller Halt der Titelheldin mit nuancenreichem, flexiblem Mezzosopran und souverän-emphatischen Spiel insbesondere beim Blumen-Duett im zweiten Akt. Stimmlich distinguiert agiert auch Giorgos Kanaris als US-Konsul Sharpless mit souverän volltönendem, höhensicherem und warmem Bariton.
Das Beethoven Orchester Bonn akzentuiert kunstvoll Anspielungen an fernöstliche Klangwelten. Mit dramatischer Wucht wartet die Partitur mit bewusst dissonanten Akkorden auf, verwoben neben Zitaten an die japanische Kaiserhymne oder die amerikanische Nationalhymne. Schlussendlich lebt die Inszenierung auch von berührenden Bildern, etwa wenn Henning Gille in der Rolle von Cio-Cio-Sans Sohn die zurückgebliebene Uniformjacke seines Vaters anlegt, sich tänzerisch vorm Spiegel dreht, seinen Vater kurz auf dem Bühnenrücken eingeblendet sieht und dann doch nachdenklich alleine zurückbleibt.




Madame Butterfly an der Oper Bonn - Foto (C) Thilo Beu

Ansgar Skoda - 19. Juni 2016
ID 9389
MADAME BUTTERFLY (Theater Bonn, 17.06.2016)
Musikalische Leitung: Christopher Sprenger
Inszenierung: Mark Daniel Hirsch
Licht: Max Karbe
Bühne: Helmut Stürmer
Kostüme: Dieter Hauber
Choreinstudierung: Marco Medved
Besetzung:
Madama Butterfly (Cio-Cio-San) … Yannick-Muriel Noah
Suzuki … Susanne Blattert
B. F. Pinkerton … George Oniani
Sharpless … Giorgos Kanaris
Goro … Christian Georg
Kate Pinkerton … Kathrin Leidig
Fürst Yamadori … Johannes Mertes
Onkel Bonze … Rolf Broman
Yakusidé … Boris Beletskiy
Kaiserlicher Kommissar … Daniel Pannermayr
Cio-Cio-Sans Mutter … Ji Young Mennekes
Base … Jeannette Katzer
Tante … Ulrike Gmeiner
Ein Kuroko … Annika Bonerath
Cio-Cio-Sans Sohn … Henning Gille
Chor des Theaters Bonn
Beethoven Orchester Bonn
Premiere an der Oper Bonn: 17. April 2016
Weitere Termine: 26. + 30. 6. 2016


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-bonn.de/


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de



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