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nachDRUCK # 5

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Premierenkritik

Pseudosakraler

Quark



Bewertung:    



Das Oevre von Karlheinz Stockhausen (1928-2007) ist anstrengend, und zwar total.

"Gebrauchsanweisungen" zum grundlegenden Verständnis seines komplexen Gesamtkunstwerkes, dessen Höhepunkt zweifelsohne der siebenteilige LICHT-Zyklus, den er zwischen 1977 und 2003 textete und komponierte, darstellt, waren und sind für etwas schlichtere Gemüter (als die insiderische Bubble rund um ihn herum) vonnöten, um einigermaßen nachvollziehen zu können, worum es eigentlich in diesen sieben Opern geht. Ich war bei den Premieren seiner zwei Leipziger Uraufführungen mit den Teilen Dienstag und Freitag 1993 und 1996 live vor Ort, ja und da war der Maestro auch tatsächlich höchstpersönlich noch zugegen; großer Bahnhof also - allerdings: Ich war, aus prinzipieller Ignoranz gegenüber mein Rezeptionsverhalten beeinflussenden Verschriftlichungen (a propos: "Gebrauchsanweisungen"), nicht imstande zu begreifen, was da eigentlich auf mich hereinprasselte; also "nix verstehen", wie der Russe so zu sagen pflegt.

Angeblich [ACHTUNG! KI] ginge es im LICHT-Zyklus um "kosmologische Esoterik, autobiografische Traumata und Katharsis, religiösen Synkretismus und Mystienspiele oder das serielle Prinzip und die 'Superformel'".

???

Kurzum: Ohne "Gebrauchsanweisungen" geht es nicht.

Wo also fängt man an, wo hört man auf?

Nachstehend sei aus dem "einfach" zu lesenden DOB-Vorbereitungstext zur Berliner Erstaufführung von Mittwoch aus LICHT zitiert:


"Nicht weniger als ein kosmisches Welttheater um Mann und Frau, Gut und Böse, Geburt und Tod entwirft der Klangvisionär Stockhausen in seinem monumentalen Zyklus LICHT. Die sieben Tage der Woche. Während in anderen Teilen des Zyklus der Kampf miteinander streitender Kräfte im Zentrum steht, deren Polarität unser Leben jeden Tag aufs Neue bestimmt, wird im Mittwoch die Utopie der Liebe und der spirituellen Verbindung im Geiste der Musik zelebriert – und der Glaube daran, dass Gemeinschaft und Solidarität möglich sind.

[...]

Spektakuläres Herzstück des Mittwoch aus LICHT ist das Helikopter-Streichquartett. Hier erweitert Stockhausen den musikalischen Raum über den Theaterraum hinaus: Die Mitglieder eines Streichquartetts sitzen in vier hoch über dem Publikum kreisenden Hubschraubern. Die Streicherklänge mischen sich mit den Geräuschen der Rotorenblätter und werden aus luftigen Höhen in den Zuschauerraum geschickt. [...]

(Quelle: deutscheoperberlin.de)



Das obig Genannte hatte ich dann in seinem wettermäßig etwas missglückten Stream-Viewing vor zwei Wochen mitverfolgen können, und jetzt wurde es halt nochmal per Video gezeigt; und die vier Mitglieder des Streichquartetts des Orchesters der Deutschen Oper Berlin (Anna Matz, Monika Rizkallah, Kirsikka de Leval Jezierski und Arne-Christian Pelz), die das musizierten, konnten sich des enthusiastischsten Beifalls innerhalb der weit über vier Stunden währenden kollektiven Geduldsprobe sicher sein... Als dritte von insgesamt vier Szenen war es zwischen den Orchester-Finalisten (Szene 2) und dem Michaelion (Szene 4) positioniert; die erste Szene überschrieb der Komponist mit Weltparlament; und dann gibt es noch ein Vor- und Nachspiel (Mittwochs-Gruß und Mittwochs-Abschied), welches jeweils im Parkett-Foyer erklang und wofür der Tontechniker Florent Derex die entsprechende Klanginstallation projektierte.

*

In Szene gesetzt wurde Mittwoch aus LICHT vom Kreativduo Susanne Kennedy & Markus Selg, sie führte Regie, er baute die Bühne. (Ich kannte ihren Stil bereits von ihren Arbeiten in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz: ANGELA und THE WORK.)

Alles in allem setzten die beiden auf das, was es eigentlich ist: pseudosakraler Quark.

Aber nicht nur der szenische, auch der musikalische Aufwand dieser Produktion war/ ist enorm:

Am sensationellsten brachte sich der in beigen Messgewändern (von Kostümdesignerin Andra Dumitrascu) steckende Chor der Deutschen Oper Berlin (mit Chorleiter Jeremy Bines, der zugleich den Präsidenten des sog. Welt-Parlaments spielte) ein; die Herren waren links, die Damen rechts aufgestellt. Und als der Bines durch einen Zwischenruf per Lautsprecher daran erinnert wurde, dass sein Auto draußen in der Parkverbotszone stand und er sich daher flugs aus dem Staub machte, übernahm die Kolorateuse Rachel Pinevska als Ersatz-Präsidentin seine Rolle.

Bei den sog. Orchester-Finalisten stach Kontrabassist Kévin Garcon (vom Ensemble Le Balcon) mit einer humoristischen Glanzperformance der Extraklasse besonders hervor.

Und im sog. Michaelion trafen [wieder ACHTUNG! KI] "Vertreter verschiedener Bereiche und Kulturen aufeinander. Michael erscheint als ordnende bzw. verbindende Figur. Am Ende steht die Transformation und Überwindung der irdischen Gegensätze" usf. Das wiederum dauerte fast eine Stunde lang, ja und auch hier verstand ich nur Bahnhof.

Die musikalischen Fäden zusammen hielt der begnadet mit der gesamten Stockhausen-Materie vertraute und geübte Maxime Pascal.

* *

Der Schlussbeifall hielt sich in Grenzen.

Kennedy & Selg mussten einige Buhs verkraften, während sich das gesamte ausführende Personal (es müssen hunderte Leute gewesen sein) im wohlverdienten Applaus sonnen durfte.



Stockhausens Mittwoch aus LICHT - an der Deutschen Oper Berlin| Foto (C) Julian Röder

Andre Sokolowski - 21. September 2026
ID 16051
MITTWOCH AUS LICHT (Deutsche Oper Berlin, 19.09.2026)
Oper in einem Gruß, vier Szenen und einem Abschied von Karlheinz Stockhausen


Musikalische Leitung: Maxime Pascal
Regie und Konzeption: Susanne Kennedy
Bühnenbild, Konzeption und Video: Markus Selg
Kostüme: Andra Dumitrascu
Licht: Marcel Weber/MFO
Video: Warja Rybakova
Klangprojektionen: Florent Derex
Dramaturgie: Beate Breidenbach
Performer: Tarren Johnson, Marie Groothof, Dominic Santia, Ixchel Mendoza Hernández und Laurie Young

Struktur, Besetzung:

Mittwochs-Gruß

Weltparlament (Erste Szene)
Chor der Deutschen Oper Berlin
Jeremy Bines, Präsident (Dirigent)
Rachel Pinevska, Ersatz-Präsidentin (Koloratursopran)
Jörg Schörner, Stimme des Hausmeisters

Orchester-Finalisten (Zweite Szene)
Le Balcon, Orchester

Helikopter-Streichquartett (Dritte Szene)
Streichquartett des Orchesters der Deutschen Oper Berlin:
Anna Matz, Violine I
Monika Rizkallah, Violine II
Kirsikka de Leval Jezierski, Bratsche
Arne-Christian Pelz, Violoncello

Michaelion (Vierte Szene)
Le Balcon, Chor
Robin Adams, Operator

Mittwochs-Abschied

Premiere war am 19. September 2026.
Weitere Termine: 20., 23., 26., 27.09.2026


Weitere Infos siehe auch: https://deutscheoperberlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

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