Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Neue Stücke

Angela (38),

krank.



Angela von Susanne Kennedy und Markus Selg | Foto (C) Julian Röder

Bewertung:    



Am 1. Juli 2017 - nach Baumeister Solness und dem anschließenden Straßenfest - war es vorbei: Der damalige (Un-)Kultursenator von Berlin hatte die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wie sie unter der jahrzehntelangen Intendanz Frank Castorfs existierte, platt gemacht. Nicht ohne vorher - das war seine (un-)sinnstiftende Idee - einen Neuen herorganisiert zu haben, der dem traditionellen Laden einen neuen (oder besser:) neuartigen künstlerischen Anstrich geben sollte. Chris Dercon war der Auserkorene, ja und bis dahin war er zweifacher Direktor sowohl am Haus der Kunst in München wie auch an der weltberühmten Tate Gallery of Modern Art in London. Jener kam dann also, um letztendlich doch nicht allzu lang zu bleiben. Seine Intendanz erstreckte sich auf läppische 9 Monate, dann (spätestens:) stellte sich endgültig heraus, dass seine Herberufung eine glatte Fehlentscheidung war; aus einem bis dahin mehr linkslastigen Sprechtheater ließ sich halt nicht ohne Weiteres eine konservative Kunstbude machen, und Klaus Lederer, der inzwischen neue Kultursenator von der Linken, ließ den Dercon wieder gehen, und ein höchstwahrscheinlich nicht vergessenswerter Schadensersatz- oder gar Schmerzensgelderbatzen wurde dem flugs Abbestellten nachträglich aufs Konto überwiesen...

Dercon hatte um sich rum ein neues Leitungsteam versammelt, zu dem - neben Boris Charmatz, Christian Morin, Marietta Piekenbrock - auch die Theaterkünstlerin Susanne Kennedy gehörte, und von ihr (der Kennedy) gab es dann auch paar sehenswerte Aufführungen an der Volksbühne zu sehen, und zwar während wie auch nach der unglücklichen Dercon-Ära. Meine bisher einzige "Begegnung" mit der damals schon zurecht so Hochgepriesenen war ihr Orfeo (2015), den sie als Figuren- und Musikinstallation im Martin Gropius Bau verarbeitete, und das war schon toll, mit dieser damals völlig neuen Art Theater-Kunst zu machen konfrontiert zu sein.

*

Nunmehr ist sie mit ihrer neuesten Multi- und Kunsttheaterkreation zurückgekehrt - ANGELA (a strange loop) heißt sie und hatte letzten Sommer ihre Uraufführung beim Brüssler Kunstenfestival des Arts.


Sie "reflektiert die pandemische Situation im Allgemeinen und die Verwundbarkeit weiblicher Körper im Besonderen. Einschränkung, Isolation, Ungleichbehandlung. Angela funktioniert in ihrem Alltag – bis eine unbestimmte Krankheit eintritt, die ihren Blick auf die Welt verändert. Oder treten die Mutationen nicht nur an ihr selbst, sondern an der gesamten Umgebung auf? Und was bedeutet es, am Leben zu sein? Was macht ANGELA zu ANGELA? Woher kommt sie und wohin geht sie? Die Inszenierung begleitet ANGELA auf ihrer Reise durch alltägliche Situationen: Krankheit und Genesung, Wachen und Schlafen, Gebären und Geborenwerden, Altern und Tod. Das private Zimmer wird zur Echokammer, Angelas Krankheitssymptome manifestieren sich in den Projektionen im Raum." (Quelle: Presse Volksbühne Berlin)



Angela von Susanne Kennedy und Markus Selg | Foto (C) Julian Röder


Der fast ausschließlich mit Videoprojektionen spielende und teils nur scheinexistierende Bühnenraum von Markus Selg zählt sicher mit zum Spektakulärsten dieser farb- und lichtflutenden Inszenierung. Alles, oder fast alles in ihr wirkt visualisiert und illusorisch. Und es scheint beinahe aussichtslos zu sein, die aus drei Zimmern (einem größeren in der Mitte und zwei kleinen rechts, links von ihm) bestehende Behausung in der jeweiligen Materialität für bare Münze zu nehmen. Lediglich zwei immer wieder auf und zu gehende Türen, zwei Stühle, ein Tisch sowie eine im Abseits befindliche Schlafstatt mit Matratze, Steppdecke und Kuschelbär als auch herumstehende Nippes und ein aus sich selbst leuchtendes Lagerfeuer'chen sind/ wären greifbar.

Der Handlungsort wird durch eine in einem luxuriösen Studio-Appartement befindliche Wohnküche mit Nebenkammern bestimmt, alles vom Feinsten dort; sieht aus, als wäre es ein Erstbezug.

Die handelnden Personen wirken wie aus einem auf Psycho's unterschiedlicher Art und Abstammung spezialisierten Gruselkabinett heutiger Zivilisation; ein Hinweis auf soziale oder materielle Nöte ist in diesem Fall unangebracht, aber es wird auch überhaupt nicht klar, woher die Nutzer dieser ziemlich teuer aussehenden Immobilie eigentlich die Knete hierfür haben, möglich auch, dass sie dann nur vorübergehend hier verweilen und dass dann die Immobilie jemand anderem gehört.

Ixchel Mendoza Hernández ist die Titel- und Hauptfigur des Stücks, und ihre Krankheit oder anderen (Psycho-)Gebrechen [s. Plot oben] werden nicht allein von ihr verbal oder durch Gesten und Verhaltesnweisen diesbezüglich kommuniziert.

Ihr Bruder Brad (Dominic Santia) meint zwischendurch, dass seine Schwester doch nur ihre Psychokrankheit simulieren würde, was natürlich letztlich überhaupt nicht stimmt.

Und auch Kate Strong (als Mutter) oder Tarren Johnson (als Angelas Freundin) finden schwerlich einen Übergang und Weg hin zu der ihr nächststehenden Kranken; irgend so ein manisch ausgeprägtes Mutterschaftsgelüst vergällt Angela ihre zwischen SMS und Selfievideo illusionierte Lebenszeit.

Was tun, um der Verzweifelten zu helfen?

Eine violinspielende Amazone mit Geigenbogenköcher (Diamanda La Berge Dramm) tritt unverhofftermaßen auf und bringt die Halbirre urplötzlich auf ganz andere Gedanken.

Wird Angela gar am Ende sterben?

Der als Zeremonienmeister ab und an agierende und visuell vergrößerte Kuscheltierbär verrät über den HD-Bildschirm drei Etappen, die die sterbenskranke und vermutlich unheilbare Angela "durchleben" muss, um irgendwie dann wiederaufzustehen resp. zu genesen; diesbezüglich gäbe es dann eine schwarze, eine weiße, eine rote Phase zu bewältigen.

* *

Wo immer das Gedankenspiel von Kennedy auch enden wollte und/ oder geendigt hatte: Sehens- und auch hörenswert war alles das auf alle Fälle.
Andre Sokolowski - 12. Dezember 2023
ID 14520
ANGELA (a strange loop) | Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 10.12.2023
Konzept, Text & Regie: Susanne Kennedy
Konzept & Bühne: Markus Selg
Sounddesign: Richard Alexander
Soundtrack: Richard Alexander und Diamanda La Berge Dramm
Live-Musik: Diamanda La Berge Dramm
Mit: Diamanda La Berge Dramm, Ixchel Mendoza Hernandez, Kate Strong, Tarren Johnson und Dominic Santia
UA am Théâtre National Wallonie Bruxelles im Rahmen des Kunstenfestivaldesarts war am 11. Mai 2023.
Eine Produktion von ULTRAWORLD PRODUCTIONS


Weitere Infos siehe auch: https://www.volksbuehne.berlin/


https://www.andre-sokolowski.de

Ballett | Performance | Tanztheater

Freie Szene

Neue Stücke

Premieren (an Staats- und Stadttheatern)

Rosinenpicken



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!



Vielen Dank.



  Anzeigen:





THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CASTORFOPERN

DEBATTEN
& PERSONEN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

PREMIEREN-
KRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2024 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)