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Konzertkritik

Das Rheingold konzertant

mit den Berliner Philharmonikern (Dirigent: Kirill Petrenko)

Bewertung:    



Kirill Petrenko (54) ist spätestens seit seinem Bayreuth-Debüt mit DER RING DES NIBELUNGEN (2013 und 2014) als eines der vielversprechendsten Talente in puncto Wagner-Dirigat in aller Munde. Schon als er in den Nullerjahren mit der Opernregisseurin Christine Mielitz zusamen in Meiningen Das Rheingold und die anderen Teile der Tetralogie wuppte, fiel er erstmals international auf. Dann kam seine GMD-Zeit an der Komischen Oper Berlin (2002-2007), nach der er sich erstmal eine "ungebundene" Auszeit nahm, während der er sich von Orchestern in aller Herren Länder buchen ließ, um von 2013 bis 2020 die Bayerische Staatsoper als Generalmusikdirektor zu übernehmen; parallel beriefen ihn die Berliner Philharmoniker (ab 2019) zu ihrem neuen Chefdirigenten, der er bis heute ist... Eine Blitzkarriere also, die ihresgleichen suchen dürfte.

Aktuell haben er und "sein" Orchester mit dem Langzeit-RING bei den Osterfestspielen Salzburg (Inszenierung: Kirill Serebrennikov) zu tun, der begann vor wenigen Tagen mit dem Rheingold in der Felsenreitschule und wird sich bis 2030 (pro Jahr je ein weiterer RING-Tag mit je drei szenischen Aufführungen) hinziehen - das ist, wie immer bei den Osterfestspielen, ziemlich elitär und führt dann eigentlich zu keinem großen Mehrwert, zumal es diesen aufwändigen RING als Ganzes, also hintereinander an vier Tagen gespielt, höchstwahrscheinlich nie zu erleben geben wird; ist halt so in diesem Salzburger Osterfestspiele-System.

Doch wie immer - einer guten Tradition gehorchend - reichen die Berliner Philharmoniker ihr Osterfestspiel-Hauptprojekt für alle Daheimgebliebenen als konzertante Aufführung nach.

Es war sehr laut, und das sängerische Personal hatte Müh' und Not gegen das Orchester anzusingen. Textverständlichkeiten gab es nur teils-teils (Wotan, Fricka, die beiden Riesen, Mime, Erda; bei allen anderen Figuren musste man auf die Übertitelungen schauen, sonst kam man inhaltlich nicht mit).

Im Detail:

Christian Gerhaher debütierte als Wotan; sein Gestaltungspotenzial ist enorm, mit den tieferen Tönen hat er Probleme, dafür haut er in den Höhen richtig raus, dennoch warne ich ihn sich mit solchen gesanglichen Eskapaden (er ist und bleibt in erster Linie ein Kunstliedsänger, und was für einer!!) weiter aufzuhalten, das ruinierte seine Stimme.

Die anderen Protagonistinnen und Protagonisten kannte ich allesamt noch nicht, von daher auch ein gutes Zeichen dafür, dass es einen exzeptionellen "Nachwuchs" im Wagner-Fach zu geben scheint; das Gros der Leute stammt aus Nordamerika oder ist dort ausgebildet worden; Catriona Morison (als Fricka), Sarah Brady (als Freia), Jasmin White (als Erda) oder die drei Rheintöchter mit Louise Foor, Yajie Zhang und Jess Dandy.

Leigh Melrose (als Alberich) schauspielerte exzellent, gesanglich war er stellenweise kaum hörbar. Der Loge von Brenton Ryan wirkte allzu schwerelos und hinterließ sodurch (bei mir jedenfalls) fast null Eindruck. Thomas Atkins (als Froh) und Gihoon Kim (als Donner) waren passabel. Der Mime von Thomas Cilluffo schien adäquat besetzt. Als die zwei Besten innerhalb der Männerriege entpuppten sich Le Bu & Patrick Guetti (als Fasolt & Fafner).



Brenton Ryan (als Loge) und Christian Gerhaher (als Wotan) in Kirill Serebrennikovs Inszenierung von Wagners Reingold - bei den Osterfestspielen Salzburg 2026
Foto (C) Frol Podlesnyi


*

Das grandioseste Rheingold aller Zeiten erlebte ich 2021 in einer historisch-aufführungspraktischen Darbietung durch Concerto Köln unter Kent Nagano!

(Verglich ich jetzt Petrenkos aktuelle "Sicht der Dinge" mit oben Genanntem, neigte sich das Pegel ein-eindeutig von der Spree zum Rhein.)
Andre Sokolowski - 11. April 2026
ID 15794
DAS RHEINGOLD (Philharmonie Berlin, 10.04.2026)
Konzertante Aufführung

Christian Gerhaher, Bariton (Wotan)
Gihoon Kim, Bariton (Donner)
Thomas Atkins, Tenor (Froh)
Brenton Ryan, Tenor (Loge)
Leigh Melrose, Bariton (Alberich)
Thomas Cilluffo, Tenor (Mime)
Patrick Guetti, Bass (Fafner)
Le Bu, Bassbariton (Fasolt)
Catriona Morison, Mezzosopran (Fricka)
Sarah Brady, Sopran (Freia)
Jasmin White, Alt (Erda)
Louise Foor, Sopran (Woglinde)
Yajie Zhang, Mezzosopran (Wellgunde)
Jess Dandy, Alt (Floßhilde)
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Kirill Petrenko


Weitere Infos siehe auch: https://www.berliner-philharmoniker.de


https://www.andre-sokolowski.de

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