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nachDRUCK # 5

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Wagner, Wagner und kein Ende... (200. Geburtstag)


Rosinenpicken (232)

GÖTTERDÄMMERUNG

konzertant





Gewalttätig


Halb zwölf Uhr nachts war er vollbracht - der auf drei Jahre hin verteilte große WAGNER-ZYKLUS von Marek Janowski und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin; jetzt müssen nur noch die grandiosen Hörner-Gurken ("Siegfrieds Rheinfahrt" und an noch paar Stellen in der Götterdämmerung, die gestern Abend konzertant in der Philharmonie Berlin ablief) von den gewieften Tontechnikern retuschiert werden, dass letztlich auch die letzte von den 10 CD-Boxen ihren bereits stark renommierten Weltmarkt-Wert erhält oder behauptet - doch das nur am Rande und ganz nebenbei erwähnt.

Was für uns Leute der Journalie etwas ungewohnt - aber (und insbesondere von mir!) im Nachhinein als außerordentlich beglückend als wie aufschlussreich - empfunden werden muss, war die Zusammenpferchung in Block G ganz, ganz, ganz oben mit null Sicht (!!) - aber: mit einer phänomenalen Akustik! Und so dringt also der Schall, wie für Akustik-Laien zu vermuten wäre, eindeutig nach oben und macht sich "dort oben", also in direkter Sitz-Umgebung von Block G, aufs Schönste und aufs Klärenste, "dort oben", breit. Zudem eröffnet sich von diesem Hochsitz aus so eine Art von Vogelperspektive, und so hat man diesen Riesenapparat des Götterdämmerung-Orchesters quasi wie 'nen Fächer aufgespannt so vor sich liegen - das macht schon, rein optisch, einen ziemlich transparenten Eindruck.

Überhaupt: Das RSB - es scheint sich insbesondere für jene hartgesonnenen Wagnerianer, die zu allen Teilen dieses Zyklus wohl von nah und fern hier aufgeschlagen warn, als sachverwaltender Best-/Lieblingsklangkörper herauskristallisiert zu haben - spielt(e) Wagner eindeutiger Weise anders als er je vorher von irgend einem anderen Orchester (ab)gespielt wurde und war. Diese Balance zwischen prinzipieller Unsentimentalität und einem namentlich bei/von den Streichern aufgezauberten Wohl(fühl)klang; nein, so was hatte ich dann tatsächlich nie zuvor gehört.

Nur ein Indiz dafür: Im zweiten Aufzug (Götterdämmerung) - mit der Hinzugesellung eines fast schon obsessiv auf den Orchesterteppich dreinschlagenden Rundfunkchors Berlin - bekommt der Hörende einen bis auf das Unerträglichste gesteigerten Gewalteindruck davon vermittelt, was für ein gewalttätiger Mannsverein da plötzlich mitmischt; und so werden Hagens Mannen zwanghaftig in einen Stimmenchor von lauter Vergewaltigern verkarikiert; das freilich gibt der sich in diesem Aufzug actionweise überschlagenden und bis hierhin sich konzentrierenden Gesamthandlung so eine Art von Logik (dramaturgisch!) sowie "menschliches Gewicht".

Petra Lang & Lance Ryan sind das exemplarisch gut gesungene Traum-/Leidpaar dieser konzertanten Aufführung. Sie bringt, mit ihrem ungewöhnlich-unaufdringlichen Mezzosopran-Timbre, eine gewisse Neu-Modernität in ihre Rollensicht; er klingt sehr jung, sehr hoch und fröhlich, sehr gekonnt mit seinen Stimmbändern "herumjonglierend". Einfach unbeanstandbar!!

Matti Salminen - den ich schon vor 30 Jahren, als der mit dem Hagen bei der Staatskapelle Dresden debütierte, sah und hörte - ist noch immer eine stimmliche und darstellende Wucht!! Dass er dann diese Horror-Partie beinah unlädiert durchstand (in seinem vorgerückten Alter, immerhin), dürfte als beispiellos zu registrieren sein.

Markus Brück und Edith Haller sind als Gunther und Gutrune abgöttisch gefeiert worden, vollkommen zurecht.

In kleineren und gleichsam kongenial besetzten Rollen: Marina Prudenskaja (als Waltraute), Jochen Schmeckenbecher (als Alberich), Susanne Resmark / Christa Mayer / Jacquelyn Wagner (als Nornen) sowie Julia Borchert / Katharina Kammerloher / Kismara Pessatti (als Rheintöchter).

WAGNER-ZYKLUS mit Geschichte.
a. so. - 16. März 2013
ID 6619
GÖTTERDÄMMERUNG (Philharmonie Berlin, 15.03.2013)
Lance Ryan (Siegfried)
Petra Lang (Brünnhilde)
Matti Salminen (Hagen)
Markus Brück (Gunther)
Edith Haller (Gutrune)
Jochen Schmeckenbecher (Alberich)
Marina Prudenskaja (Waltraute)
Julia Borchert (Woglinde)
Katharina Kammerloher (Wellgunde)
Kismara Pessatti (Floßhilde)
Susanne Resmark (1. Norn)
Christa Mayer (2. Norn)
Jacquelyn Wagner (3. Norn)
Rundfunkchor Berlin
Choreinstudierung: Eberhard Friedrich
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Dirigent: Marek Janowski


Die vorangegangenen RING-Opern:

Das Rheingold am 22. November 2012

Die Walküre am 24. November 2012

Siegfried am 1. März 2013

Weitere Infos siehe auch: http://www.rsb-online.de


http://www.andre-sokolowski.de

Zu den 20 EXEMPLARISCHEN WAGNERKRITIKEN
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