Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Rosinenpicken (646)

Doppelte

Sinnes-

wahrnehmung



Aušrinė Stundytė (als Senta) im Fliegenden Holländer an der DOB | Foto (C) Matthias Horn

Bewertung:    



Hinsichtlich der beiden letzten Fliegender Holländer-Inszenierungen, die ich sah, vermeinte ich die bis da ziemlich besten Produktionen aller Zeit erlebt zu haben: In Bayreuth psychoanalysierte Dmitri Tcherniakov den Titelhelden als Rächer seiner von einigen Einheimischen in Sandviken sexuell ausgebeuteten und sich hiernach suizidierten Mutter, und in Gera schuf Achim Freyer einmal mehr ein bildkünstlerisches Gesamtkunstwerk.

Jetzt komplettiere ich die Reihe zur Trias derzeitiger "All-time bests" mit Milo Raus aktuellpolitischer Sicht der Dinge - ich war gestern in der dritten (relativ gut besuchten) Vorstellung nach der Premiere, und die Fluktuation oder gelegentliche Zwischenrufe währenddessen hielten sich in Grenzen.

Rau unternahm mit seinem engeren Team (darunter das in seiner Inszenierung moderierende Erzählerpaar Sarah von Schwarze und Shlomi Moto Wagner) eine Isarael-Rundreise, die sie auch ins besetzte Westjordanland und bis an den Rand des von der IDF fast gänzlich bombardierten Gaza-Streifens führte. Sein eigentlicher Anlass war dann allerdings herauszufinden, inwieweit das in Israel seit dessen Staatsgründung de facto existierende "Wagner-Verbot" noch greift und/ oder wie die Einheimischen heutzutage auf Musik von Richard Wagner reagieren; den irrwitzigsten und glaubwürdigsten Beweis lieferten zwei Videos, in denen die israelische Opernsängerin Tamara Nishri (begleitet von Alexander Ivanov am Klavier) vor dem Arabisch-Hebräischen Theater in Jaffa und im Hauptbahnhof von Tel Aviv mehrere Arien aus Wagneropern sang und ein hierfür ziemlich aufgeschlossenes Publikum zu erkennen war - Jonathan Livny, der dort ebenfalls zugegene Präsident und Gründer des israelischen Wagner-Verbandes (Israel Wagner Society), meinte gar in dem Zusammenhang, dass man Wagner ausschließlich nur noch in Isarael und Palästina und sonst nirgendwo aufführen sollte, um mit dieser endlos scheinenden Antisemitismus-Diskussion rund um Wagners (selbstverständlich durch und durch antisemitische!) Person quasi aufzuräumen oder so...

Kurzum: Mein mehr oder weniger gespaltener Blick fokussierte sich eindeutig auf Raus Film- und Textangebote im Bühnenhintergrund und vernachlässigte so all das, was vor dem stattfand; ich bin also nachgerade nicht in der Lage objektiv einzuschätzen, ob seine Personenführungen oder das, was er mit den Darstellenden (auf der Bühne) anstellte, passend gewesen wäre oder nicht - im Großen und Ganzen funktionierte die Stückverlagerung an die isaraelische Mittelmeerküste mit der Silhouette Tel Avivs, und auch Raus Zeichnung des Holländers (als ewig schuldbeladenen und in Israel eine gewisse Reue suchenden Ex-Waffen-SS-Typen) sowie die figürlichen Interpretationen von Daland (als anführender hebräischer Erstbesiedler Palästinas), Senta (als ihren "heimatlichen" Kompass verloren habende israelische Aktivistin), Mary (als eine überdimensionale Degel Jisrael schwingende rechtsnationale Hard-Core-Israelin) oder Erik (als leiblicher Nachkomme der von den Israelis vertriebenen Palästinenser) schienen im vorhandenen Kontext stimmig zu sein.

Musikalisch stachen v.a. Attilio Glaser (als Erik) und Kai Rüütel-Pajula (als Mary) gesangsdarstellerisch hevor. Hingegen Tomasz Konieczny (als Holländer) und Aušrinė Stundytė (als Senta) weniger lupenrein und noch weniger "schön", stattdessen aber umso intensiver also ausdrucksstärker sangen. Tareq Nazmi überzeugte als ein rein darstellerisch mit allen Wassern gewaschener Daland, und Omar Mancini war als Steuermann zu sehen und zu hören.

Giedrė Šlekytė dirigierte mit deutlichem Schmiss und unmissverständlicher Härte, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin folgten ihr professionell aufs Wort.

Schier beispiellos das alles!



Der fliegende Holländer (Regie: Milo Rau) an der Deutschen Oper Berlin
Foto (C) Matthias Horn

Andre Sokolowski - 1. November 2026
ID 16126
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (Deutsche Oper Berlin, 31.10.2026)
Musikalische Leitung: Giedrė Šlekytė
Regie: Milo Rau
Künstlerische Mitarbeit: Giacomo Bisordi
Bühnenbild: Anton Lukas
Kostüme: Silvie Naunheim
Licht: Jürgen Kolb
Video: Moritz von Dungern
Choreinstudierung: Marco Medved
Dramaturgie: Nathalie Rozanes und Johanna Danhauser
Besetzung:
Daland ... Tareq Nazmi
Senta ... Aušrinė Stundytė
Erik ... Attilio Glaser
Mary ... Kai Rüütel-Pajula
Steuermann Dalands ... Omar Mancini
Der Holländer ... Tomasz Konieczny
Erzähler*innen: Sarah von Schwarze und Shlomi Moto Wagner
Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Premiere war am 24. Oktober 2026.
Weitere Termine: 05., 08., 15.11.2026// 13., 20.02.2027


Weitere Infos siehe auch: https://www.deutscheoperberlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

Ballett | Performance | Tanztheater

Konzerte

Musiktheater

Neue Musik

Rosinenpicken



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:







MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

BAYREUTHER FESTSPIELE

CD / DVD

KONZERTKRITIKEN

LEUTE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

RUHRTRIENNALE

SALZBURGER FESTSPIELE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)