Verkorkster
Filmset
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Patrick Zielke (als Ochs) und Magdalena Hinterdobler (als Marschallin) in Der Rosenkavalier an der Oper Köln | Foto (C) Matthias Jung
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SzenischeBewertung:
Von der französischen Regisseurin Marie-Ève Signeyrole (48) erlebte ich in jüngster Zeit zwei szenische Bruchlandungen der Sonderklasse, und zwar ihre Macbeth - als auch ihre Cassandra-Deutung sowohl an der DOB wie auch an der Staatsoper Unter den Linden; von daher war ich "vorgebrüht".
Nun soll man ja nicht unbedingt von dem einen auf das andere schließen, und hypothetisch schon gar nicht, und dennoch konnte sie sich aktuell mit ihrem filmsettigen Konzept zum Rosenkavalier (der großen Eröffnungspremiere zur schlüsselfertigen Übergabe der mit über 1 Milliarde Euro fast 15 Jahre lang reparierten und renovierten OPER KÖLN) aufs verheerend Negative steigern und wurde diesbezüglich, wie ich das vergangenen Sonntagabend bei der 3.Sat-Übertrtagung akustisch mitbekam, verdientermaßen ausgebuht.
Jetzt wollte ich mich live vor Ort überzeugen, ob das im Fernsehen Verfolgte den tatsächlichen Gegebenheiten und Eindrücken entsprach und inwieweit die Reaktion des Publikums (in der 2. Vorstellung nach der Premiere) gemäßigter ausfiel als von den Hardcorefans dieses kulinarischen Strauss-Schmankerl's allererster Güte; wenn man freilich die musikalischen Highlights dieser Oper (Marschallinnenmonolog, Überreichung der Silbernen Rose, Frauenterzett und viele, viele Walzer) abzöge, bliebe als "Rest" ein ewiges Parlando auf den Hofmannsthal-Text über, und das dürfte, zumindest in der Relation, für die "nicht so ganz Eingeweihten" zur qualvollen Geduldsprobe geworden sein.
Wie immer man es sieht: entweder sagt dir dieses Stück, in dem es erstrangig ums Altern geht, etwas und macht dir also Mut mit deinen bestehenden oder zu befürchtenden geriatrischen Gebrechen umzugehen, oder du verstehst den Sinn des Ganzen nicht und langweilst dich zutode.
Es gibt zwei sich ergänzende Handlungsstränge: zum einen die Geschichte der sich von ihrem jugendlichen Liebhaber Octavian bewusst befreienden Marschallin, zum anderen die des geld- und jungferngeilen Barons Ochs von Lerchenau - der platzt in die große Ankleidungs- bzw. Verkleidungsszene des 1. Akts, um die auch finanziell recht gut betuchte Marschallin, einer seiner entfernteren Verwandten, als Mäzenin für seine Bewerbung als Bräutigam im recht angesehenen aber umso verschuldeteren Hause Faninal zu gewinnen, was ihm die Entnervte zugesteht; lange Rede kurzer Sinn: Sophie, die einzige Faninaltochter, soll den Ochs heiraten, als Brautwerber wird Octavian bestimmt, beide begegnen sich (Liebe auf den ersten Blick), Ochs hat das Nachsehen und wird von Octavian verletzt und gerät schließlich in eine auch von der Marschallin mitorgansierten Falle, woraufhin seine fragwürdige Reputation endgültig zunichte gemacht wurde; ja und ganz zum Ende gibt die Marschallin den Octavian an Sophie frei, und alles wurde gut...
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Die Signeyrole siedelte das alles in einem Filmset (Bühne: Fabien Teigné) an und bestimmte die Marschallin als Drehbuchautorin und Regisseurin ihrer eigenen Geschichte; soweit ganz gut gedacht - aber das Ganze ging nicht idealisch auf; zudem hatte sie den zur Premiere sensationell gut spielenden, singenden und enorm textverständlichen Patrick Zielke (als Ochs) de facto physisch missbraucht, indem sie von ihm verlangte in einigen Positionen des 3. Akts splitternackt zu agieren, und da konnte sie froh sein, dass er diese Zumutungen für sich mitzumachen bereit gewesen war; sie stellte sich halt vor, dass er eine Art von Harvey Weinstein hätte sein sollen und allein, was das betraf, auf das ihn Demütigendste bestraft werden müsste. So war es bei der Premiere - gestern nun sprang Martin Summer (der ohnehin als Zweitbesetzung gelistet war) für seinen plötzlich erkrankten Kollegen ein; und seinen (Summers) "Nacktauftritt" vollzog er gottlob mit (statt ohne) Slip, ja und auch so vermochte er grandios zu schauspielern und selbstverständlich auch entsprechend tief, vielleicht nicht oder noch nicht tief genug, zu singen, insgesamt also ein hocherfreuliches Debüt.
Signeyrole adaptierte das erotische Beziehungsgeflecht zwischen Marschallin und Octavian als lesbisch - und das hatte freilich keinerlei Bezug zum Urtext.
Vom Musikalischen her hinterließen die drei Frauen - Magdalena Hinterdobler (als Marschallin), Bianca Andrew (als Octavian) und Giulia Montanari (als Sophie) - einen durch und durch respektablen Eindruck.
Das Gürzenich-Orchester schien mit der "neuen" Akustik des Hauses gut klargekommen zu sein, sein Klang war üppig, rauschhaft und, was all das Kammermusikalische dieser grandiosen Partitur betraf, aufs Feinste austariert.
Dirigiert hatte der neue GMD Andrés Orozco-Estrada - der scheint zwar noch nicht annähernd die werkanalytischen wie dirigentischen Qualitäten seines weltberühmten Vorgängers François-Xavier Roth zu haben, doch das wird schon noch, da bin ich mir ganz sicher.
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Bianca Andrew (Bildmitte) als Der Rosenkavalier an der Oper Köln | Foto (C) Matthias Jung
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Andre Sokolowski - 2. Oktober 2026 ID 16069
DER ROSENKAVALIER (Oper Köln, 01.10.2026)
Musikalische Leitung: Andrés Orozco-Estrada
Inszenierung & Videokonzept: Marie-Ève Signeyrole
Bühne: Fabien Teigné
Kostüme: Yashi
Licht: Sascha Zauner
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Sandra Pocceschi
Besetzung:
Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg ... Magdalena Hinterdobler
Der Baron Ochs auf Lerchenau ... Martin Summer (für Patrick Zielke)
Octavian ... Bianca Andrew
Herr von Faninal ... Christian Miedl
Sophie ... Giulia Montanari
Jungfer Marianne Leitmetzerin ... Claudia Rohrbach
Valzacchi ... Martin Koch
Annina ... Dalia Schaechter
u.v.a.
Statisterie der Oper Köln
Chor der Oper Köln
Knaben und Mädchen der Kölner Dommusik
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere war am 27. September 2026.
Weitere Termine: 16., 18., 24., 31.10./ 13., 29.11./ 12., 20.12.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.oper.koeln
https://www.andre-sokolowski.de
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