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Rosinenpicken (636)

Entnervendes

Gequatsche



Bewertung:    



Anlässlich des 225. Geburtstages und des 175. Todestages von Albert Lortzing (1801-1851) gab es vom 24. April bis zum 3. Mai an der Oper Leipzig das Festival "LORTZING 26", bei dem insgesamt vier Werke des in Berlin Geborenen und Gestorbenen zur Aufführung gelangten, alles Neuinszenierungen: Undine, Zar und Zimmermann, Der Waffenschmied und Regina; für Zar und Zimmermann gab es darüber hinaus eine Kinderfassung unter dem Titel Der kleine Zar - und etwas früher standen dort auch schon Lortzing-Opern auf dem Plan: Hans Sachs und Casanova. Somit rangierte und rangiert die Stadt an der Pleiße zum regionalen Weltmeister in puncto Lortzing, und zwar deshalb, weil sie sich als die Stadt, in der der Jubilar seine wichtigsten Lebensjahre verbrachte und einen Großteil seines künstlerischen und politischen Wirkens entfaltete, zu verstehen meint; sowieso wurden hier einige seiner Werke, so eben auch Zar und Zimmermann, uraufgeführt.

In seiner Geburtsstadt hingegen ging man - bis vor Kurzem - sträflich mit seinem Oevre um; sein wahrscheinlich beliebtestes Werk, nämlich Zar und Zimmermann, wurde zuletzt 1953 (in Walter Felsensteins Komischer Oper) 1970 (in der Deutschen Staatsoper Berlin) und zwischen 1980 und 1990 (in der DOB) gesichtet.

Jetzt gibt es im Hause an der Bismarckstraße endlich wieder eine neue Produktion, ja und hier...


"...mach(t)en sich der Dirigent Antonello Manacorda und der Regisseur Martin G. Berger nun daran, diese Qualitäten von Lortzings Meisterwerk wieder bewusst zu machen. Als langjähriger Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam bringt Manacorda das Wissen um historische Aufführungspraxis ebenso ein wie Erfahrung mit dem Timing der komischen Opern Rossinis, während sich der Berliner Regisseur Martin G. Berger in den letzten Jahren als einer der erfolgreichsten Grenzgänger zwischen Oper, Operette und Musical etabliert hat – oft mit selbst verfassten Auffrischungen der Dialogtexte – Qualitäten, die sicher auch Zar und Zimmermann zugutekommen werden." (Quelle: deutscheoperberlin.de)



Zar und Zimmermann an der Deutschen Oper Berlin | Foto (C) Thomas Aurin


*

Bergers "verfasste Auffrischungen der Dialogtexte" [s.o.] betrafen zusätzlich auch noch zig Überschreibungen des gesungenen Librettos, d.h. auch dort hinein wurde herumgefuhrwerkt. Die Idee, das alles außer in Saardam (dem historisch korrekten nordholländischen Zaandam) auch noch im poststalinistisch dominierten "Volkszarentum Tschirikistan" (der im KI-gefertigten und überaus pfiffigen Vorfilm von Vincent Stefan so verorteten russischen Staatsenklave Kaliningrad) spielt oder spielen würde, ist an sich nicht schlecht. Wenn nur dieses völlig überflüssige Angehäuftsein an heutig bemühtem Gequatsche nicht gewesen wäre!

Musikalisch wird und wurde das freilich (etwas jedenfalls) wieder wettgemacht, indem aus dem Orchestergraben die markantesten und hörenswertesten Impulse herauszuhören waren und der mit historischer Aufführungspraxis |s.o.| allgeübte Manacorda hierfür beispielgebend Pate stand.

Gesanglich bewegte es sich im Mittelmaß, was u.U. auch an der anhaltenden Hitzewelle gelegen haben könnte - heraus ragte da allenfalls Franz Xaver Schlecht, der kurzfristige Einspringer für den doppelten Peter; er sang die Rolle mit seinem seidenweichen und mitunter kräftig aus sich raus gehenden und im Ganzen stets angenehm anzuhörenden Tenor von der Seitenbühne aus, während der stimmlich indisponierte Artur Garbas (die eigentliche Premierenbesetzung hierfür) das Szenische in dieser heillos überfrachteten Inszenierung erledigte.

Immer wieder gern sehen wir auch die in manchen Stücken von der DOB hinzugebuchten Tänzerinnen und Tänzer [alle Namen s.u.] - den legendären "Holzschuhtanz" erledigten sie als kollektive Stepp-Einlage, wobei der massive Lärm ihrer unterschuhigen Metall-Taps die überaus populäre Musik dieses Wunschkonzerteklassikers arg torpedierte.

Das musikalische Beste - nebem dem herausragenden Orchester - war dann noch der von Thomas Richter einstudierte Chor der Deutschen Oper Berlin.
Andre Sokolowski - 26. Juni 2026
ID 15921
ZAR UND ZIMMERMANN (Deutsche Oper Berlin, 25.06.2026)
Musikalische Leitung: Antonello Manacorda
Inszenierung: Martin G. Berger
Bühne: Sarah-Katharina Karl
Kostüme: Esther Bialas
Licht: Sascha Zauner
Video: Vincent Stefan
Klanggestaltung: Alexander Choeb
Choreografie: Marie-Christin Zeisset
Chöre: Thomas Richter
Dramaturgie: Jörg Königsdorf
Besetzung:
Peter der Erste/ Peter Michaelow ... Franz Xaver Schlecht (für den stimmlich indisponierten Artur Garbas, der statt sang "nur" schauspielte)
Peter Iwanow ... Philipp Kapeller
van Bett ... Patrick Zielke
Marie ... Nadja Mchantaf
Lefort ... Jared Werlein
Lord Syndham ... Padraic Rowan
Marquis von Chateauneuf ... Kieran Carrel
Witwe Browe ... Nicole Piccolomini
Raul, Onkel des Zaren ... Fabian Gerhardt
Ein Geheimdienstmitarbeiter ... Katharina Brehl
Ministerpräsident von Holland ... Jörg Schörner
Tänzerinnen und Tänzer: Derrick Amanatidis, Stephen Dole, Charlotte Fischer, Fabio Kopf, Gwennaelle Ludwig, Samantha Mayer, Robin Poell und Verena Schönberger
Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Premiere war am 20. Juni 2026.
Weitere Termine: 27.06./ 02., 09., 11.07.2026


Weitere Infos siehe auch: https://deutscheoperberlin.de


https://www.andre-sokolowski.de

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