Vergängliches
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Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie/Katrin Hammer
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Bewertung:
Meine bisherigen Begegnungen mit dem in allen möglichen Kunst-, Musik- und Theatersparten herumvagabundierenden Künstler und Regisseur Ersan Mondtag (39) beschränkten sich - bisher - auf zwei seiner Inszenierungen: dem Antikrist (an der Deutschen Oper Berlin, 2022) und der Phädra (am Schauspiel Köln, 2023), und was ich da sah, war spektakulär und ziemlich gut.
Nunmehr kam eine weitere Erfahrung dazu, nämlich die Performance Alternde Meister, die er gemeinsam mit dem britischen Kurator und Kunsthistoriker Nadim Samman (als Gemeinschaftsproduktion des BE mit den Staatlichen Museen zu Berlin) entwickelt hatte und die vorzüglichermaßen den Kunstsektor, wo er ja ebenso zuhause ist, erfasste:
"Die Gemäldegalerie bewahrt zahlreiche Werke, die sich mit Sterblichkeit und Verwandlung auseinandersetzen. Zugleich ist sie selbst ein Ort des Bewahrens gegen den Verfall. Alternde Meister verbindet die mythische Zeit religiöser und allegorischer Bildwelten mit der gelebten Zeit von Künstler:innen und ihren Laufbahnen.
Die Performer:innen werden zugleich zu Spiegeln einer Stadt, die vom ständigen Wandel zwischen Erneuerung und Erinnerung geprägt ist. Die Performance wiederholt sich während der Aufführungen in einem 30-minütigen Zyklus. Die Besuchenden können jederzeit einsteigen, einzelnen Performer:innen folgen und frei zwischen den Räumen wechseln.
Die Dramaturgie orientiert sich an Lucas Cranachs d. Ä. Gemälde Der Jungbrunnen (1546), einer Auseinandersetzung mit Alter und Vergänglichkeit. Wie im Gemälde stehen Verwandlung, Ankleiden und gemeinschaftliche Begegnung im Zentrum. Doch Alternde Meister verschiebt den Fokus: Nicht die Wiederherstellung ewiger Jugend, sondern die Sichtbarkeit gelebter Zeit wird zum Ausgangspunkt der Performance. Die Besucher:innen sind eingeladen, die Darsteller:innen mit derselben Aufmerksamkeit zu betrachten wie die Gemälde der Sammlung. Die Performance lenkt den Blick auf Körper und legt nahe, Falten, Narben, Erschöpfung und Verletzlichkeit als Zeugnisse gelebten Lebens zu lesen."
(Quelle: berliner-ensemble.de)
Soweit die museumspädagogische Krücke zu alledem [s.o.].
Ich war dann vorgestern beim ersten offiziellen "Durchlauf", d.h. dass die Besucherinnen und Besucher von Raum zu Raum - in 20 der insgesamt 57 (falls ich richtig gezählt habe) Räume fand dann irgendeine Aktion statt, die die hochsympathischen Performerinnen und Performer (23 an der Zahl plus dem aus 12 Sängerinnen bestehenden Anatolischen Frauenchor SEYYARE) verübten - gingen und ihren Parkour zum Anlass nahmen sich entweder auf die jeweilige Einzelperformance einzulassen oder halt "nur" die Gemälde zu betrachten oder halt beides.
Nicht dass ich sowas noch nie gesehen oder erlebt hätte - Kunstperformances, meistens zu Ausstellungseröffnungen, funktionieren oftmals so in etwa - , aber die Art und Weise wie das alles von Mondtag & Samman zusammengefügt wurde und in dem obig erklärten Bezug zu den jeweiligen "Alten Meistern" gestanden hatte, war dann schon besonders, v.a. was die Vielfalt und Vielseitigkeit der Aktionen betraf.
Auf den folgenden von mir geknippsten Bildern sind nur drei der Einzelperformances dokumentiert; ich hätte freilich auch andere Motive in anderen Räumen wählen können, aber diese hier gefielen mir besonders gut:
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Frank Büttner und Pierro Ëmo korrespondierten, liegend auf und unter einer Sitzbank, mit dem Gemälde Die Verkündigung an Maria (um 1480) von Piero de Pollaiolo | Foto: KE
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Birgit Heinecke und Günther Weidmann machten ein Tänzchen vor Tizians Venus mit dem Orgelspieler (um 1550) | Foto: KE
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Wie zwei traurige Schwestern: Sema Poyraz & Semra Uysallar - im Umfeld von Vertumnus und Pomona (1518/22) von Francesco Melzi | Foto: KE
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Nach dem zirka halbstündigen "Durchlauf" trafen sich dann alle (Performerinnen und Performer wie Besucherinnen und Besucher) im großen Raum X:
Dort sang der von mir bereits erwähnte anatolische Frauenchor eines der Kindertotenlieder von Gustav Mahler (Nr. 4 "Oft denk ich, sie sind nur ausgegangen") und stimmte gleich danach das etwas fröhlichere russische Lied "Dorogoi dllinnoyu" (ich kannte es als "An jedem Tag, mein Freund...", gesungen von Dalida) an, und das sangen sie dann auch noch auf (wahrscheinlich:) Kurdisch oder Türkisch.
Ja und dann war auch schon Schluss, und alle gingen wieder zurück zum Ausgang...
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Andre Sokolowski - 13. September 2026 ID 16037
Weitere Infos siehe auch: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/gemaeldegalerie/
https://www.andre-sokolowski.de
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