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EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM

Der Nahostkonflikt

als Kammerspiel



Bewertung:    



Ein Agententhriller mitten in Hamburg: Der israelische Drehbuchautor und Regisseur Eran Riklis hat die Haupthandlung in Deutschland angesiedelt, wo sich die libanesische Informantin Mona (Golshifteh Farahani) nach erfolgter Gesichtsoperation zwei Wochen lang in einer sicheren Wohnung aufhalten soll, bevor sie eine neue Identität annehmen und ausreisen kann. Der israelische Geheimdienst Mossad kümmert sich um sie und setzt seine Agentin Naomi (Neta Riskin) darauf an, für die Sicherheit und das Wohlergehen von Mona zu sorgen. Doch die Hisbollah ist der aus ihrer Sicht verräterischen Libanesin auf der Spur und will sie liquidieren. Der zwei Gegensätze vereinende Titel Aus nächster Distanz versucht, diesen Zwiespalt schon anzudeuten. Es geht um den israelisch-arabischen Konflikt und wie man Position beziehen kann in einer Lage, die alles andere als eindeutig und klar ist.

*

Eran Riklis hat schon in mehreren Filmen die Auswirkungen der Politik auf die betroffenen Menschen geschildert. So in Die Reise des Personalmanagers und Playoff. Es sind Menschen, die eine innere, einige auch eine reale Reise unternehmen, sich für etwas einsetzen und für etwas kämpfen. Die bei Riklis meist versöhnliche Note bricht sich dann auch in seinem neuen Film Bahn, die beiden unterschiedlichen Frauen entdecken ihre Gemeinsamkeiten.



Die beiden Frauen Naomi (Neta Riskin) und Mona (Golshifteh Farahani) nähern sich an | © NFP, Heimatfilm, Riva Film


Nach anfänglichen Querelen gelingt ihnen eine Annäherung, denn beide Frauen haben Verluste erlitten und leiden darunter. Der politische Konflikt fordert auch persönliche Tribute und neben dem Mossad und der Hisbollah mischen auch Amerikaner und Deutsche mit zwielichtigen Interessen mit. So ist bei beiden das Vertrauen auf der Strecke geblieben, doch als das Versteck auffliegt, müssen sie sich gemeinsam zur Wehr setzen und retten. Die Frauen entdecken die Stärke, die in ihrer aufkeimenden Solidarität steckt.

Bei Riklis gibt es keine Guten und keine Bösen, er stellt alle Parteien relativ realistisch dar. Alle haben ihre Agenda und ihre Beweggründe. Auch die Frauen haben fleißig mitgemischt, Mona hat dem Mossad mit Informationen über libanesische Aktivitäten gedient, und auch Naomi ist als Agentin bewaffnet unterwegs. Die ernste Naomi lässt von Monas Lebensfreude anstecken, und Mona reflektiert die Konsequenzen ihres Handelns. Bei allen Gründen, warum sie sich für Israel einsetzen, ist aber ein zutiefst weiblicher Wunsch geblieben: die Sehnsucht nach Familie und einem normalen Leben. Doch die beiden Frauen sind nach allem, was sie erlebt und durchgemacht haben, nicht ohne. Der Schluss hat es dann ganz schön in sich.

Eran Riklis ist eine wunderbare Politparabel gelungen. Als er vor dem Drehort in Hamburg einen Stolperstein sah, wusste er noch nichts von dessen Bedeutung. So erweiterte er kurzerhand die Szene und ließ Naomi diesen Stolperstein wahrnehmen. Für Riklis war das ein Geschenk, denn so konnte er auch die deutsch-jüdische Vergangenheit andeuten.

Riklis hat sich viel vorgenommen und gibt bewusst nicht auf alles eine Antwort, weil die Lage viel zu komplex ist. [Vor der Premiere in Köln stand er uns am 8. August 2018 zu einem Interview zur Verfügung.]
Helga Fitzner - 10. August 2018
ID 10839
Weitere Infos siehe auch: http://ausnaechsterdistanz-derfilm.de/


Post an Helga Fitzner

EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM

Interview mit Eran Riklis



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