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Performance

Hommage an

Marta Hegemann



Daniela Riebesam und Florencia Martina (vorn im Bild) in Das eXXperiment von Bibiana Jiménez | Foto (C) Herand Müller-Scholtes

Bewertung:    



"Meine Auffassung von Kunst ist, dass sie ein Gleichnis des Lebens bildet, dass allen Künsten gemeinsam die Ordnung ist." (Marta Hegemann)


Das [s.o.] ist das Motto zur Tanz-Performance Das eXXperiment von Bibiana Jiménez, die gestern Abend im Theater der Keller in Köln - nach einer coronabedingten Zwangspause von über zwei Monaten - ihre vom Publikum begeistert aufgenommene Premiere feierte. Der sowohl auf den Websites vom TdK sowie Jiménez´ XXTanzTheater als auch im mitgereichten Programmfaltblatt kommuniuzierte Subtext zu dem Stück verweist auf die "deutsche Grafikerin und Malerin aus dem Umkreis des Dadaismus" - bei Wikipedia ist des Weiteren zu lesen:


"Nach dem Abitur 1911 studierte Hegemann an der Kölner Kunstgewerbeschule. Dort lernte sie weitere junge Künstler, wie etwa Heinrich Hoerle und ihren späteren Ehemann Anton Räderscheidt, kennen. 1912 wechselte sie zum Studium nach Düsseldorf, kehrte aber später aus beruflichen Gründen nach Köln zurück, nachdem sie eine Stelle als Lehrerin an einer Kölner Schule angenommen hatte. Ihre Laufbahn als Lehrerin beendete sie jedoch ein paar Jahre darauf, da sie ihre Zukunft als künstlerisch tätige Frau gestalten wollte.

Seit 1918 mit Anton Räderscheidt verheiratet, wurde sie Mutter zweier Söhne (Johann Paul Ferdinand (* 1919) und Karl-Anton (* 1924)).[2] In der Nachkriegszeit begann sie mit der Kunstrichtung des Dada zu sympathisieren, zu der unter anderem auch ihr ehemaliger Studienkollege Heinrich Hoerle gehörte. In den 1920er Jahren stieg Hegemann zu einer der angesehensten Künstlerinnen im Umkreis von Köln auf. Besonders ab 1925 waren Hegemanns Werke bei zahlreichen – nicht nur lokalen – Ausstellungen präsent, und sie befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Ihre Karriere wurde jedoch abrupt durch die Kanzlerschaft Adolf Hitlers beendet. Noch im Januar 1933 zog Hegemann mit ihrer Familie nach Rom um und blieb dort für ein Dreivierteljahr. Im folgenden Jahr trennte sie sich von ihrem Ehemann Anton Räderscheidt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele ihrer Gemälde als 'Entartete Kunst' beschlagnahmt, durch den Zweiten Weltkrieg wurden einige zerstört.

Nach Ende des Krieges 1945 konnte Hegemann nicht mehr an ihre alten Erfolge aus der Zeit der Weimarer Republik anknüpfen. Sie gehört damit zu den Künstlern der verschollenen Generation.

Mit ihren beiden Söhnen versuchte sie eine Zeit lang, sich durch Aufträge aus dem Kunstgewerbe zu ernähren, bis sie 1970 im Alter von 75 Jahren in einem Kölner Krankenhaus an einer Herzkrankheit verstarb."



Noch wichtiger war allerdings für Jiménez, übers Biografische der Künstlerin hinaus, auf das hier - hinsichtlich ihres Tanz-eXXperiments -besonders abgehoben zu haben, nämlich dass es "von der idealistischen Kölner Künstlergruppe 'Kölner Progressive', die in der Zeit der Weimarer Republik Köln und das Rheinland geprägt haben" inspiriert gewesen wäre, denn:


"Die 1920er Jahre waren wegweisend für die Emanzipation der Frau. Frauen erfanden für sich eine neue Rolle, erkämpften sich ihren Platz in der Arbeitswelt und brachten ihr neu gefundenes Selbstvertrauen und Spiel mit ihren Reizen zum Ausdruck. Künstlerinen wie Martha Hegemann, haben durch ihre Ikonographie die Geist der Zeit, ihre weiblichen Selbstbestimmungsversuche und ihre Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten der Zeit dargestellt." [...] "Eine Tanztheater-Stück und ein eXXperiment von Künstlerinnen, die von einer Gemeinschaft in einer neuen Welt träumen, Strategien und neue Modelle des Frauseins kreieren und Zukunftsutopien entwerfen. Ein Experiment für Gemeinschaft und Solidarität in einer Zeit, in der Hass geschürt wird und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander aufgebracht werden." (Quelle: xx-tanztheater.eu)


*

Doch auch - das sei hier ausdrücklich betont - bei einer etwaigen Nichtbeachtung (Nichtlektüre) allem theoretischen Überbaus konnte man sich als "unbedarfter" Zuschauer und Zuhörer einen gewissen eigenen Reim aus der stark überzeugenden Darbietung der beiden Tänzerinnen Daniela Riebesam und Florencia Martina machen: Sie befinden sich in einem jeweils gleichgroßen Teil-Raum, den eine ihn umspannede Haushaltsfolie ein- und abgrenzt; ein Tisch mit diversen Origami-Vorlagen (wahrscheinlich zu faltende Papiertauben oder so) steht gleichsam in dem ersten wie dem zweiten Raumabschnitt; und beide Teil-Räume zusammen ergeben dann den eigentlichen Einheitsraum; und die zwei Darstellerinnen meinen freilich, so vermuteten wir es, die "Künstlerin an sich" in spiegelbildverkehrten Ich-Wahrnehmungen.

Die Stimme aus dem Off (Valeria Risi) entäußert Hegemann-Zitate; und zum Schreien komisch war dann allerdings, um all das Ganze letzten Endes nicht im Ganzen zu verernsten, die ins schnöde Heute transferierte Ur-Begegnung der von ihren Malkünsten nicht existieren könnenden Künstlerin mit einer für ihre Sozialstaatsbezuschussung zuständigen Sachbearbeiterin aus dem Jobcenter à la "Was, außer malen, könnten Sie denn noch?" - "Ich kann nur malen, weiter nichts." - "Aber irgend etwas anderes müssten Sie doch außerdem noch können, überlegen Sie doch mal." - "Lesen?" - "Lesen! wunderbar, dann werden Sie jetzt Buchhändlerin."

Lang anhaltender Beifall.




Daniela Riebesam (li.) und Florencia Martina in Das eXXperiment von Bibiana Jiménez | Foto (C) Herand Müller-Scholtes

Andre Sokolowski - 31. Mai 2020
ID 12273
Das eXXperiment (Theater der Keller, 30.05.2020)
Skizzen einer neuen Gemeinschaft

Konzept, Choreographie und Ausstattung: Bibiana Jiménez
Dramaturgie: Barbara Kastner
Tanz: Daniela Riebesam und Florencia Martina
Stimme und Dramaturgieassistenz: Valeria Risi
Premiere war am 30. Mai 2020.
Weitere Termine: 19., 20.06.2020
Eine Produktion von XXTanzTheater in Kooperation mit Theater der Keller


Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-der-keller.de/


http://www.andre-sokolowski.de

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