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„Wenn du nicht

selbst in den

Ring steigst...“



Juliane Köhler in Niemand wartet auf dich am Residenztheater München | © Adrienne Meister

Bewertung:    



Drei Frauen, ein Buch - und ein Titel-Satz, der sie alle überfällt: Niemand wartet auf dich. Was er bedeuten kann, das führt Juliane Köhler eine Stunde lang vor - in drei Rollen. Mal als 85-jährige Volksschullehrerin Gerda, mal als Politikerin, mal als Schauspielerin.

Die ältere Dame stößt als erste darauf. Ist der Satz gut oder schlecht? Jedenfalls wirkt er auf sie als Anweisung: nicht auf andere zeigen, selbst etwas tun. Deine Angelegenheiten sind die, an denen du etwas ändern kannst. Müll einsammeln für die Umwelt etwa. Das macht sie. Aber dieser Satz ist auch schmerzlich. Dass Gerdas Tochter unglücklich lebt, ist das nicht auch ihre Sache? Nein, denn sie kann nichts dagegen tun.

Niemand wartet auf dich. Die Politikerin erwischt der Satz, als sie gerade dabei ist, ihren Rücktritt von allen Ämtern zu verkünden. Sie hat Verantwortung übernommen, trat einst an, weil sie es besser machen wollte. 30 Jahre lang hat sie im Namen anderer gesprochen. Und doch habe sie den Wählern keine Stimme gegeben, sondern nur ihre Stimme genommen. Wozu? Um so zu tun, als hätte sie alles unter Kontrolle, wüsste auf alles eine Antwort. Dabei ist sie inzwischen vom rasanten Wandel der Welt überfordert. Jetzt will sie nur noch eins: ein Plädoyer halten für die Schuld der Politiker, die sie ertragen sollten.

Die Schauspielerin betreibt mit dem Satz in der Hand ihren Job. Professionell klopft sie ihn nach allen Seiten ab. Er kann tröstend sein, bestrafend, ermutigend. Es kann heißen: du bist nicht allein. Aber auch: nur keine Eile! Und schließlich bedeutet er für sie auch eine Befreiung: Du kannst dir deinen Traum selbst erfüllen. Etwas tun, das größer ist als du und deine Rolle. Zum Beispiel gegen Krieg und Hunger kämpfen.

*

Lot Vekemans ist die im Ausland am meisten gespielte Dramatikerin aus den Niederlanden. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet und widmen sich oft den ganz großen Fragen, der schweren Moral. Monologe gelten als ihre Spezialität, und die sind für Aufführungen in Zeiten von Corona naturgemäß sehr geeignet. Schöne Möglichkeiten für gute Schauspieler*innen!

Juliane Köhler nutzt sie bravourös, es ist ein Vergnügen, ihren Verwandlungen zuzuschauen. Wie sie als alte Frau mit fleißigen Händen redet, sich an ihrem Büchlein festhält, dann die weiße Perücke abnimmt, etwas Puder auflegt und nebenbei die Rücktrittsrede einer desillusionierten 50jährigen memoriert. Und als sie eine weiße Schlabberhose hochzieht und in Ringelsocken schlüpft, ist sie plötzlich ein junges Mädchen. Wunderbar!

Schade, dass die Regie (Daniela Kranz) nichts weiter getan hat, als die Kamera auf die Darstellerin drauf zu halten. So aufregend ist weder Zoom noch Streaming. Niemand wartet auf dich? Vielleicht ein Einfall...



Juliane Köhler in Niemand wartet auf dich am Residenztheater München | © Adrienne Meister

Petra Herrmann - 28. Januar 2021
ID 12717
NIEMAND WARTET AUF DICH (Marstall, 22.01.2021)
Inszenierung: Daniela Kranz
Bühne und Kostüme: Marie Roth
Licht: Thorsten Scholz
Kamera: Ben Halscheid
Dramaturgie: Leila Etheridge
Mit: Juliane Köhler
Online-Premiere war am 22. Januar 2021.
Stream v. 27.01.2021 auf residenztheater.de


Weitere Infos siehe auch: https://www.residenztheater.de/


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