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Premierenkritik

Wenn nichts mehr geht,

dann entsteht… ein

tolles neues Ensemble!

Das Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft - AUFGESTAUT

Bewertung:    



65 ist die alt-ehrwürdige Münchner Lach- und Schießgesellschaft in diesem Jahr geworden, eine große Institution des Kabaretts. Pünktlich zum Jubiläum hat Chef Till Hoffmann denn auch etwas wiederbelebt, wofür die Lach- und Schieß berühmt war und was es so gut wie nicht mehr gibt: das Ensemble-Kabarett. Ein Neuanfang - nach zig frustrierenden Premierenabsagen wegen Corona.

Begonnen hatte alles mit einem Aufruf auf Facebook. Die Entscheidung Hoffmanns für Christl Sittenauer, Sebastian Fritz und Frank Klötgen fiel nach zahlreichen Castings schon während des ersten Lockdowns. Dann mussten sich die Neuen erst mal kennenlernen – per Zoom. Klassisches Kabarett war für sie Neuland.

Christl Sittenauer kommt vom Impro-Theater. Sie ist Schauspielerin, Sängerin und Dozentin für Bauphysik. Sebastian Fritz, August-Everding-Absolvent, kennt man aus diversen Krimis. Frank Klötgen, Slam Poet der ersten Stunde, Netz-Literat und Punk-Sänger, performt seit Jahren so fetzig wie stilsicher seine rund 3.000 Gedichte. Jetzt also klassisches Kabarett in großen Fußstapfen. Was tun? Keine Denkmalspflege, aber auch keine Revolution. Corona ließ den dreien viel Zeit. Das böse Wort kommt in dem 90minütigen Programm jedoch an keiner Stelle vor. Und das ist gut so.

AUFGESTAUT. Der Titel hätte passender nicht sein können. Das Setting: eine Busfahrt. Am Steuer eine resolute Busfahrerin. Fahren kann sie nicht, alles steht im Stau. Dafür muss sie sich mit renitenten Fahrgästen auseinandersetzen. Einem schicken Life-style-Coach, einem schwäbelnden Hass-Kommentator, einem alten Ehepaar, einem Beamten, der sofort eine Klogang-Ordnung erstellen will, zwei burn-out-süchtigen Manangertypen, einem querdenkenden Arzt und einer Fleisch-Königin aus der 6. Busreihe, die die Situation für einen Werbeauftritt nutzt: „Frage nicht, was das Fleisch für dich tun kann. Frage, was du für das Fleisch tun kannst“. Julia Klöckner lässt grüßen.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Es gibt kein Netz, die Bustüren bleiben geschlossen, Wasser und Nüsschen müssen irgendwann rationiert werden. Die Verantwortung übernimmt Maria, die Busfahrerin. Auch wenn ihr nicht mal der Führerschein zugetraut wird, das Lenkrad lässt sie sich nicht aus der Hand nehmen: Wir schaffen das. Und wenn´s sein muss, sitzen wir es eben aus (wie gut, dass Angela Merkel gerade noch im Amt ist).

Doch der Stillstand rast. Das Karussell der Konflikte („Gut ist, wenn Sie eine eigene Meinung haben. Schlecht ist, wenn Sie dabei bleiben.“) dreht sich immer schneller ins Absurde, in den schwarzen Humor. Wenn die Nüsschen ausgehen, wer soll als erstes verspeist werden?

Dazwischen viel Musik, wunderbar adaptierte und performte Songs. Am Ende haben sich alle gut eingerichtet im Bus, so dass sie gar nicht mehr losfahren wollen, als der Stau sich endlich auflöst. Und überhaupt: Hat es ihn gegeben, oder war das nur eine verschwörerische Videoinstallation, um die Reisegesellschaft in eine unterirdische Pizzeria Hillary Clintons zu locken?

Ungeachtet der herbstlichen Kühle und des anhaltenden Nieselregens blieben alle Zuschauer im idyllischen Garten der Seidlvilla sitzen und applaudierten heftig (das Stammlokal der Lach- und Schieß-Gesellschaft ist ja derzeit wegen der Enge nicht zu nutzen).

Ein sehr gelungener Abend mit einem bei aller Verschiedenheit homogenen, hochkarätigen Ensemble. Es hat mehr gehalten, als man sich in dieser Lage versprechen konnte. Hoffen wir auf möglichst viel Zukunft!




Petra Herrmann - 5. August 2021
ID 13067
Das Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft - AUFGESTAUT (Garten der Seidlvilla, 03.08.2021)
Regie: Sven Kemmler
Mit: Sebastian Fritz, Frank Klötgen und Christel Sittenauer
Premiere war am 3. August 2021.
Weitere Termine: 05., 13., 14., 26., 27.08.2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.lachundschiess.de/


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petra-herrmann-kunst.de

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