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Premierenkritik

"The show

must..."



Der Fluch der Souffleuse im TamS München | Foto (C) Felicitas Rall-Wirtz

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...sagt Burchard Dabinnus, und ich ergänze im Kopf natürlich sofort „go on“. Ich, die ich mich in diesen Theaterparcours begeben habe, geboren aus Corona-Not. Eben stand ich noch an einer säuberlich markierten Abstandslinie am Eingang zum TamS, Maske auf. Da bekam ich auf einem Silbertablett ein tönendes Zauberkästchen gereicht. Schön verpackt mit einer Schleife drum herum. Dieses Kästchen hat mich nach links um die berühmte Karl-Valentin-Trauerweide geführt, mitten in einen kleinen Raum, ausgestattet mit allen möglichen alten Plattenspielern und Kassettenrecordern, hinein in eine Soundcollage.

Naturgeräusche. „Haben Sie den Kojoten gehört?“ will eine Stimme wissen und fragt mich dann: „Warum nur all die leeren Theater?“ Schuld sei der Staat, weil er sträflicherweise immer noch keinen Theaterzwang eingeführt habe. Ja, das wäre eine Lösung, jetzt, in der totalen Krise. Doch wie sagte schon Heiner Müller? Theater ist Krise. Nur wenn man es nicht hat, merkt man vielleicht, dass was fehlt.

Zurück in den märchenhaft verwunschenen Hof. Das Gewitter ist vorüber, langsam klart es auf. Rapunzels rosa Zopf, der von der Regenrinne herunter hängt, ist jedoch nass und schwer. Da kann eine zierliche Schauspielerin, die plötzlich auftaucht, lang dran ziehen! Leichter tut sie sich damit, die Trauerweide zu schütteln: Glöckchen erklingen zart. Nehmen Sie bitte Platz und schauen Sie!

Aus einem hoffnungsvoll rosa erleuchteten Hof-Fenster steigt ein Mann im rosa Anzug, über ihm wird eine niedliche weiße Watte-Wolke von Dachfirst zu Dachfirst gezogen. Und dann darf ich rein, in den geheiligten Theaterraum. Wie klein er doch ist, fast ganz ohne Stühle. Wieder heißt es Platz nehmen. Wieder eine Schauspielerin, die sich hierher verirrt hat, ganz in rosa, gelb und apricot. Sie fragt "So so, Sie sind Pessimist?" Bin ich gemeint? Nein. Hinter mir antwortet Maria Pescheks Stimme aus dem Off. Ja, sie sieht die Lage „unrosig“.

Und dann werde ich auf die Bühne geleitet. Der Vorhang fällt vor mir. Bevor ich mich als Schauspielerin fühlen kann, geht’s in das Foyer, ehemals ein Brausebad. Tropfen fallen, Dunkelheit. Und dann in den letzten Raum unter eine Gewitter-Wolke aus Hasengitterdraht. Ein rosa Helmut Dauner empfängt uns im Strickjäckchen. Er ist nicht sicher, ob wir wirklich sterben. Vielleicht trifft uns der Fluch der Souffleuse? Aber wir überleben, die Türen öffnen sich ins Freie. Auf die graue Straße.

Hinaus aus der bitter-süßen, poetischen Welt des TamS. Sie ist zauberhaft und leicht. Wie hingetupft mit dem Aquarellpinsel. Die Maske, ach ja, ich hab sie immer noch auf, ganz vergessen....

Wie schrieb doch gleich Heiner Müller 1995 prophetisch? „Es kann auch passieren, dass die Leute sich daran gewöhnt haben, in diesem einen Jahr, dass es ohne Theater auch geht.“

Nein, es geht nicht!!!

Und noch etwas: Wenn Sie das TamS, ein kleine, aber hochkarätige freie Bühne in dieser schwierigen Lage unterstützen wollen: es gibt einen Förderverein!




Der Fluch der Souffleuse im TamS München | Foto (C) Felicitas Rall-Wirtz

Petra Herrmann - 21. Juni 2020
ID 12312
DER FLUCH DER SOUFFLEUSE (Theater am Sozialamt, 20.06.2020)
Theaterparcours für einen Zuschauer

Idee: Annette Spola und Lorenz Seib
Regie: Lorenz Seib
Ausstattung: Katharina Schmidt, Claudia Karpfinger und Luis Graninger
Licht: Barbara Westernach
Sound: Max Bauer
Mit: Irene Rovan, Sophie Wendt, Burchard Dabinnus, Helmut Dauner, Arno Friedrich und Axel Röhrle
Premiere war am 20. Juni 2020.
Weitere Termine: 21., 26.-28.06. / 4., 5., 10.-12., 17.-19.07.2020


Weitere Infos siehe auch: http://tamstheater.de/


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petra-herrmann-kunst.de

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