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Premierenkritik

Ein Duo mit

Minichmayr



Das Interview im Akademietheater Wien | Foto (C) Matthias Horn

Bewertung:    



Diese Premiere hat eine Vorgeschichte. Das Interview war ein 2003 entstandener Film des niederländischen Regisseurs Theo van Gogh, der Schlagzeilen machte, als er von einem islamistischen Fundamentalisten ermordet wurde. 2007 drehte Steve Buscemi ein Remake. Schon im Jahr des Kinostarts von van Goghs Film kam in Amsterdam eine Bühnenfassung zur Aufführung. 2009 inszenierte Martin Kušej am Zürcher Theater am Neumarkt eine eigene Version, mit der damals bereits 32jährigen Birgit Minichmayr. Im Film gibt die Figur, die sie spielt, ihr Alter mit 22 Jahren an. Es liegt dennoch auf der Hand, dass hier eine Idealbesetzung den Ausschlag für die Wahl dieses Stücks gab. Es ist geradezu verblüffend, wie sehr die Darstellerin im Film, Katja Schuurman, in Mimik, Gestik und Ausstrahlung an Birgit Minichmayr erinnert. Und ein Zweipersonenstück, in dem man die Bühne nie verlassen muss, ist für jede Schauspielerin eine Verführung.

*

Als nun die vorgesehene, schon einmal verschobene Tosca (nicht die Oper, sondern von Kata Wéber) „wegen künstlerischer Differenzen“, wie es in solchen Fällen so schön und enigmatisch heißt, kurzfristig abgesagt werden musste, entschloss sich Kušej ohne Umschweife, das Stück mit der mittlerweile 42jährigen Minichmayr und einem anderen Partner aus dem Burgtheaterensemble (Oliver Nägele) neu zu inszenieren. Das Risiko ist begrenzt. Die Minichmayr ist, egal was sie spielt, ähnlich wie die Figur in Interview, eine Zugnummer, und die Probenzeiten dürften sich bei einer Rolle, die sie schon einmal einstudiert hat, reduzieren lassen. Im übrigen passt das Stück, in dem fast nur geredet wird und die Dialoge viel Raum für mehr oder weniger schlagfertige Aggressionen lassen, vorzüglich in die Theaterlandschaft der Gegenwart. Dass der Mensch des Menschen Feind oder, gebildeter und poetischer, „homo homini lupus“ ist, dürfte mittlerweile der dämlichste Zuschauer begriffen haben, aber offenbar hört er es immer wieder gern. Und auch der Output der im Script enthaltenen Medienkritik hält sich in Grenzen und bestätigt eher Einstellungen, als dass er neue Erkenntnisse vermittelte.

Die Theaterfassung weicht kaum von der Drehbuchvorlage ab. Der Film wurde in der authentischen Wohnung der Darstellerin aufgenommen. Am Akademietheater hat Jessica Rockstroh einen leeren Raum ohne Fenster aufgebaut. Zwei Stufen, zugleich die einzige Sitzgelegenheit, führen zur Eingangstür im Hintergrund. In der sterilen Atmosphäre lenkt nichts von den beiden Akteuren ab.

Birgit Minichmayr – sie gibt hier ihr Alter mit „ungefähr fünfundzwanzig“ an – mimt das etwas neurotische junge Mädchen glaubwürdig. Sie zupft ständig an ihrer roten Mähne, feixt und schiebt die Lippen vor wie ein trotziger Teenager. Sie hat, nicht erst in diesem Kammerspiel, eine Präsenz, gegen die Oliver Nägele, zerknautscht wie sein Trenchcoat, schwer ankommt. Sie ist schon deshalb die Gewinnerin, weil der Drehbuchautor Theodor Holman das so wollte.

Das Interview in Wien ist Schauspielertheater in Perfektion und passt in die Tradition des Burgtheaters. Bleibt eine, allerdings rhetorische Frage: Was hat dieses Theater dem Film voraus? Worin besteht der künstlerische Mehrwert? Welche Notwendigkeit gibt es, den Film unter Verlust von Nah-, Groß- und Detailaufnahme auf die Bühne zu bringen? Außer dass er eine schöne Rolle für Birgit Minichmayr bietet und den Zuschauern die Möglichkeit, ihren Star in dieser Rolle zu bewundern.




Birgit Minichmayr und Oliver Nägele in Das Interview am Burgtheater Wien
Foto (C) Matthias Horn

Thomas Rothschild - 23. Februar 2020 (3)
ID 12026
DAS INTERVIEW (Akademietheater Wien, 23.02.2020)
Regie: Martin Kušej
Bühne: Jessica Rockstroh
Kostüme: Werner Fritz
Dramaturgie: Sebastian Huber
Mit: Birgit Minchimayr und Oliver Nägele
Premiere am Burgtheater Wien: 23. Februar 2020
Weitere Termine: 24., 27.02. / 04., 17., 25.03.2020


Weitere Infos siehe auch: https://www.burgtheater.at/


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