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Online-Premiere

Kurt & Recha



Paul Wilms und Charlott Lehmann in Nathans Kinder am Hans Otto Theater in Potsdam | Foto (C) Thomas M. Jauk

Bewertung:    



Gestern war die Online-Premiere von Ulrich Hubs Jugendstück Nathans Kinder auf der Homepage des Hans Otto Theaters Potsdam - dort kann man jetzt den Stream noch viermal (im HOT-Online-Spielplan) zum Preis von 6,50 Euro inkl. Servicegebühr abrufen; das zirka einstündige Video der Inszenierung Joerg Bitterichs wurde bereits am 17. Februar in der Reithalle gedreht.


"Jerusalem wird hart umkämpft: Christen, Juden und Muslime beanspruchen die Stadt für sich. Orientierungslos irrt eines Nachts der junge Kreuzritter Kurt umher, als er plötzlich ein brennendes Haus entdeckt. Mutig stürzt er sich in die Flammen und rettet ein junges Mädchen aus dem Feuer. Aber Recha ist die Tochter des Juden Nathan. Über alle Glaubenskonventionen hinweg entsteht eine zarte Liebe zwischen den beiden, weil es Recha gelingt, Kurt von seinen Vorurteilen abzubringen und sich ihr zu öffnen. Doch ihre Liebe steht in dieser von Gewalt umtosten Stadt unter keinem guten Stern. Der Bischof versucht Kurt dazu zu bewegen, den Sultan zu töten; dieser wiederum möchte den Bischof beseitigen lassen und sucht dafür Nathans finanzielle Unterstützung. Als Kurt erfährt, dass Recha gar nicht Nathans leibliche Tochter ist, sondern das Kind eines Christen, vertraut er sich dem Bischof an – mit fast katastrophalen Folgen." (Quelle: HOT)


*

Vier junge Leute (Paul Wilms als Kurt, Charlott Lehmann als Recha, Robin Jentys als Sultan, Jan Andreesen als Bischof) und ein etwas älterer Herr (Joachim Berger als Nathan) agieren auf der nur mit einer ihren gesamten Durchmesser einnehmenden Trennwand (Mauer in Jerusalem?) versehenen Drehbühne, die Bühnen- und Kostümbildner Juan Léon konzipierte; die eine Seite müsste demnach israelisch, die andere palästinensisch sein, das kommt zwar so im Stücktext überhaupt nicht vor, ist aber sicher und v.a. heutigend vom Regisseur dann so gemeint, auch die Klamotten der Agierenden lassen daran nicht zweifeln.

Ein junger Deutscher (Kurt!) hatte sich also ins Jerusalem der Gegenwart verirrt? Assoziierbar wäre, wenn man ihn so sieht und hört, dass er vielleicht als Söldner einer christlichen Miliz (aber auf wessen Seite??) "kämpft" - auf jeden Fall rettet er Nathans Tochter, noch bevor sie im (von einem Raketanangriff getroffenen?) Haus verbrennt; dass es das Haus des Juden Nathan wäre, konnte der deutsch-christliche Söldner freilich in dem Augenblick, wo er zur impulsiven Rettungstat vorangeschritten war, nicht wissen, und als es sich ihm durch Dialoge mit seiner Geretteten und ihrem Vater nach und nach erschließt, lässt er verbal seinem klischierten Antisemitismus freien Lauf; dennoch: indem er Recha rettete, bleibt/ ist er selbstverständlich dann DER Held des Stückes. Und die impulsive Liebe, die so wie der Blitz aus heitrem Himmel zwischen beide (Kurt & Recha) fährt, vermag am Schluss einleuchtend zu erklären, dass es nur die schöne große Liebe, also Menschen-Liebe, ist, die dann den schönen großen Frieden zwischen alle Menschen, die sich liebten oder lieben, bringt.

Null Hass, null Krieg.

Die zwei Verliebten sprühen es auch prompt dann auf die Mauer und erweitern es in ihrem und in unser aller Sinn: "NO NATIONS, NO BORDERS, NO GODS".

Schönes Stück mit schönen Menschen.

Und die atmosphärische Musik von Yuka Otsuki befeuerte die schöne Stimmung dieser wohl gemeinten Utopien - völlig frei nach Lessings Nathan - obendrein.




Paul Wilms (als Kurt) und Charlott Lehmann (als Recha) in Nathans Kinder am Hans Otto Theater in Potsdam | Screenshot des Streams auf hansottothreater.de v. 05.03.2021

Andre Sokolowski - 6. März 2021
ID 12785
NATHANS KINDER (Reithalle des Hans Otto Theaters, 17.02.2021)
von Ulrich Hub

Regie: Joerg Bitterich
Bühne und Kostüme: Juan León
Musik: Yuka Otsuki
Dramaturgie: Alexandra Engelmann
Besetzung:
Nathan ... Joachim Berger
Recha ... Charlott Lehmann
Kurt ... Paul Wilms
Sultan ... Robin Jentys
Bischof ... Jan Andreesen
UA im Nationaltheater Mannheim war am 10. März 2017.
Online-Premiere: 5. März 2021
Weitere Online-Termine: 14., 15., 18.03. / 02.04.2021
Stream auf hansottotheater.de v. 05.03.2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.hansottotheater.de/


http://www.andre-sokolowski.de

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