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Ballett

"Dance me

to the end

of love"



Dance me von Les Ballets Jazz De Montréal | Foto © Thierry du Bois

Bewertung:    



Leonard Cohen (1934-2016) gilt als Kanadas wohl bekanntester Folksänger und Visionär, ein großer Musiker und Dichter. Ebenfalls an seinem Geburtsort Montréal fest verankert ist die 1972 gegründete Tanzkompanie Les Ballets Jazz de Montréal (BJM). Ihre Choreographie Dance Me ist von dem Singer-Songwriter inspiriert; eine Hommage und Würdigung des großen Künstlers.

Louis Robitaille, seit 1998 Künstlerischer Leiter des Ensembles, wählte zusammen mit Theaterregisseur Eric Jean 16 Cohen-Songs aus und teilte sie auf drei Choreografen auf: den Griechen Andonis Foniadakis, die Belgierin Annabelle López Ochoa und den Briten Ihsan Rustem. Einige Lieblingsthemen des Musikers – wie Liebe und Sexualität, Verlust und Sterblichkeit oder die Beziehungen zwischen den Geschlechtern – werden effektvoll in unterhaltsamen Bildern erforscht. Das Ensemble [Namen der Tänzer s.u.] bietet ein fesselndes Sammelsurium exzellenter Performance-Kunst.

Die Produktion wartet mit zahlreichen visuellen Tricks auf. Zu Beginn der Vorführung schreiten die Tänzer auf und ab, während sie hell von der Seite beleuchtet werden. So entsteht ein nahezu flackerndes Bild. Auch später bewegen sich Tänzer schattenhaft als Silhouetten vor leuchtendem Hintergrund. Neben den Lichteffekten kommen auch Videobilder zum Einsatz. Details der Tänzer wie ihre synchrone Beinarbeit werden in Zeitlupe auf die Bühnenwand projiziert. Auch Vintage-Schreibmaschinen, in denen Songzeilen zum Leben erwachen, werden auf verschiedene Leinwände geworfen.

Bei einem Pas-de-deux zu Cohens vielleicht bekanntesten Liebeslied „Suzanne“ verschlingen sich die Körper der beiden Tänzer in einem Strom sinnlicher Bewegungen ineinander. Die Füße der Frau berühren dabei niemals den Boden.

Auch Cohen selbst wird während der Show verkörpert. Eine der Tänzerinnen schreitet wiederholt wie Cohen im charakteristischen Filzhut und Mantel durch das Geschehen und erregt dabei die Aufmerksamkeit ihrer Ensemblekollegen. Auch diese tragen bald Cohens charakteristischen Trilby Hut oder treten in zerknitterten weißen Hemden und robuster Unterwäsche auf.

Die Tänzer agieren fokussiert, präzise, kraft- und schwungvoll. Temporeich, biegsam und athletisch erproben sie sich in anspruchsvollen Hebelfiguren, Sprüngen, Spreizungen und Drehungen. Von Zeit zu Zeit tauchen lange Metallstangen auf, mit denen die Tänzer interagieren. Synchrone Formationen werden zu einem Erlebnis.

Eine mutige Überraschung ist es, wenn eine Tänzerin selbst Cohens „So long, Marianne“ mit zartem Ausdruck singt. So wird die tänzerische Ausgestaltung des Abends, bei dem die Musik ansonsten von Band kommt, unterbrochen. Auch Cohens ikonische „Hallelujah“ wird nicht tänzerisch dargestellt, sondern von einem Tänzer mit dunkler Stimmfärbung leidenschaftlich, aber recht nuancenarm vorgetragen.

Natürlich kann ein Tanzabend zu Cohen nicht alle Bezüge der vielschichtigen, zur Aufführung gebrachten Songs aufgreifen. Politische und religiöse Kontexte oder die Stadt Montréal als Geburtsort und Heimat Cohens werden nicht thematisiert, so wie auch viele seiner bekannteren Songs unberücksichtigt bleiben. Es ist der Groove und die leise Melancholie der Songs, die das Ensemble antreiben. Die einfallsreichen, sorgfältig ausgearbeiteten Choreographien fesseln vor allem durch ein atemberaubendes Tempo, eine technisch höchst versierte Körperarbeit und geradezu schillernde Bewegungsbilder.




Dance me von Les Ballets Jazz De Montréal | Foto © Thierry du Bois

Ansgar Skoda - 3. Dezember 2019
ID 11863
DANCE ME (Theater Bonn, 28.11.2019)
Idee & künstlerische Leitung: Louis Robitaille
Dramaturgie & Inszenierung: Eric Jean
Choreografie: Andonis Foniadakis, Annabelle Lopez Ochoa und Ihsan Rustem
Mit: Brandi Baker, Yosmell Calderon, Jeremy Coachman, Kennedy Henry, Shanna Irwin, Terra Hunter Kell, Elijah Labay, Marcel Méjia, Andrew Mikhaiel, Benjamin Mitchell, Saskya Pauzé-Bégin, Julia Radick, Madeleine Salhany und Ermanno Sbezzo
Gastspiel des Les Ballets Jazz De Montréal im Theater Bonn


Weitere Infos siehe auch: https://www.bjmdanse.ca/


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