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How to date a feminist am Schauspiel Köln | Foto © Ana Lukenda

Bewertung:    



Das ironische Drama How to date a feminist (2016) der britischen Dramatikerin und Autorin Samantha Ellis entwickelt sich gerade zu einem Dauerbrenner am Kölner Schauspiel. Sämtliche Vorführungen der Geschlechterkampf-Boulevardeske sind lange im Vorfeld ausverkauft.

Rafael Sanchez, eigentlich Hausregisseur am Schauspiel Köln, ist in How to date a feminist auch Darsteller. Er öffnet den Vorhang der Spielstätte am Offenbackplatz im Adamskostüm; also nackt. Im Stückverlauf wird man sein Gemächt noch aus vielen Perspektiven bewundern können (man kann also auch hier wieder nackte Tatsachen rezensieren). Er spielt den männlichen Part an der Seite von Ensembleschauspielerin Yvon Jansen, die genau wie Sanchez auch Regie führte. Sie gibt ihm sogleich Regieanweisungen und bedeutet ihn, sich anzuziehen. Sanchez hüpft über die Bühne und schlüpft alsbald in ein Robin-Hood-Kostüm. Beide liefern sich vor Stückbeginn, jeweils zu beiden Seiten der Bühne an Schminktischen sitzend, einen Dialog, der so bei Samantha Ellis eigentlich nicht vorgesehen war.

Die Rom-Com dreht sich um Geschlechterrollen und Paarklischees, die sie vielfach auf die Spitze treibt. Auf einen Kostümball trifft der sanfte Frauenversteher Steve auf die toughe und zupackende Kate, die im Wonderwoman-Kostüm die Party besucht. Der Bäcker findet Gefallen an der Journalistin. Kate flirtet mit Steve, auch um ihren Ex eifersüchtig zu machen, den sie ebenfalls auf der Party zugegen meint. Steve gesteht Kate gegenüber, er verstehe sich als Feminist. Sogleich entschuldigt er sich wortreich und stotternd für die historische Unterdrückung der Frau durch das Patriarchat. Kate fühlt sich in ihrer Lust ausgebremst. Sie hat genug von Weicheiern und steht auf klassische Machos. Kate mokiert sich sogleich über eine Laufmasche in Steves Robin Hood-Strumpfhose: „Ist das die Strickleiter ins Paradies? Das ich diesen Spruch mal bei einem Mann bringen kann…“

Die Bühne von Sara Giancane wird umschlossen durch zwei große Schminktische. Hier erproben die beiden Darsteller rasche Kostümwechsel. In der Mitte ist ein runder Kreis, in dem launige, bissige und flirtige Schlagabtäusche zwischen den Figuren stattfinden. Hier machen sich die Figuren in Bademänteln liebevoll Heiratsanträge oder küssen sich miteinander kabbelnd auf großformatigen Polstern. Neben dem Einsatz von reichlich Bühnennebel versuchen sich die Darsteller auch an Karaoke-Nummern zu rührigen Songs wie „You really got me“ von den Kinks, Frank Sinatras „My way“ bis hin zu „Ich weiß, was ich will“ von Udo Jürgens.

Yvon Jansen und Rafael Sanchez spielen nicht nur auch die amourösen Nebenbuhler und Ex-Partner von Kate und Steve. Sie schlüpfen zudem in die Rollen der alleinerziehenden Elternteile der beiden Hauptfiguren. Jansen mimt so Steves alleinerziehende Mutter Morag, eine ökopazifistische Politaktivistin und stolze Malerin. Sanchez verkörpert Kates konservativen und religiösen Vater, einen Kavalier nach alter Schule. Natürlich musste es so kommen - diese beiden leicht egozentrischen Eltern, die bei der Erziehung ihrer Kinder sicherlich viel falsch gemacht haben, finden bei der Hochzeit von Steve und Kate zueinander.

Das zeitgeistkritische Stück wird von Jansen & Sanchez spritzig und amüsant mit überraschenden Wendungen inszeniert. Jansen und Sanchez, die auch privat liiert sind, verlassen immer wieder die Spielebene, was eine neue Spannung in das Geschehen bringt. Gesellschaftliche Rollen und Erwartungen an einen Partner werden vielfach auf köstliche Weise thematisiert, zugespitzt und aufgebrochen. Vielleicht findet frau ja doch bald Gefallen daran, von einem Feministen geküsst zu werden.



Yvon Jansen und Rafael Sanchez in How to date a feminist am Schauspiel Köln | Foto © Ana Lukenda

Ansgar Skoda - 17. November 2019
ID 11822
HOW TO DATE A FEMINIST (Offenbachplatz, 13.11.2019)
Regie: Yvon Jansen, Rafael Sanchez
Bühne/ Kostüme: Sara Giancane
Dramaturgie: Stawrula Panagiotaki
Licht: Manfred Breuer
Mit: Yvon Jansen und Rafael Sanchez
DSE am Badischen Staatstheater Karlsruhe: 15. Dezember 2018
Premiere am Schauspiel Köln: 5. April 2019
Weitere Termine: 22., 30.11./ 12., 14., 28., 31.12.2019


Weitere Infos siehe auch: https://www.schauspiel.koeln/


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