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Sinéad Brodd in Naiad | (C) Stuttgarter Ballett

Bewertung:    



Der Titel des Ballettabends ist nicht extravagant. CREATIONS IV-VI kündigt nüchtern die zweite Folge von Neuschöpfungen an. Diesmal sind es die erfahrenen Choreographen Douglas Lee, Louis Stiens und, als Import aus Düsseldorf, Martin Schläpfer, der demnächst in leitender Position nach Wien übersiedelt – nicht ins Tanzquartier, wo zurzeit die Innovation beheimatet ist, sondern zum eher konservativen Staatsballett –, die ihre jüngsten Arbeiten in Stuttgart präsentieren.

Die meisten Theaterregisseure haben weder eine Schauspielerausbildung, noch eine Schauspielererfahrung. Vielleicht ist das die Ursache für zahlreiche Kopfgeburten, die auf die Möglichkeiten und Grenzen von Schauspielern keine Rücksicht nehmen. Es gibt gar nicht so wenig Opernregisseure, die eine Partitur nicht lesen können. Anders beim Ballett. Es existiert kaum ein Choreograph, der nicht als Tänzer begonnen hat. Ein Choreograph, eine Choreographin weiß ganz genau, aus der Praxis, was er oder sie den Tänzerinnen und Tänzern abverlangen kann. So auch die Choreographen des aktuellen Abends. Sie haben sich alle drei als Tänzer bewährt, ehe sie eigene Choreographien und einen persönlichen Stil entwickelten.

*

Douglas Lees Naiad wird von einer Frau im ausschweifenden Reifrock (Sinéad Brodd) eröffnet, aus dem ihr Oberkörper wie eine zarte Pflanze ragt. Zu ihr gesellen sich Tänzerinnen und Tänzer im schwarzen Trikot, von dem sich die weißen Gesichter und ausnahmsweise auch weiße Beine abheben. Sie teilen mit der Solistin die schlängelnden, geschmeidigen Armbewegungen und Gänge. Unterstützt werden sie vom Licht. Die herabhängenden Scheinwerfer werden in die faszinierende und rhythmisch stimmige Choreographie einbezogen. Ein starker Anfang für einen dreiteiligen Abend.

Zu diesem Einleitungsballett kontrastiert Louis Stiens‘ Messenger durch groteske Erfindungen, die vom Solisten (Shaked Heller) und vom Ensemble in hautfarbenen Trikots mit sichtbaren Nähten, die an Markierungen erinnern, mit denen man anzeigt, wie ein Tier zu tranchieren sei, zelebriert werden. Wie mechanische Puppen oder Zombies strecken sie ihren Po heraus oder winkeln sie ihre Arme an. Es ist dies der avancierteste Beitrag zum Programm, und der tschechische Komponist Ondřej Adámek liefert mit Follow Me die ideal passende Musik.

Im Vergleich zu den beiden kürzeren Stücken wirkte Martin Schläpfers Taiyō to Tsuki fast klassisch und, gestehen wir es ein, ein bisschen fad. Während Lee und Stiens zeitgenössische Musik benutzten – Lee auch eine Auftragskomposition von Nicolas Sávva –, begann Schläpfer sein Ballett mit Schuberts 3. Sinfonie. Erstaunlich, wie wenig ihm zum volksliedhaft gestischen Allegretto des 2. Satzes eingefallen ist. Schläpfer lässt zwischen den Sätzen, ohne Musik, weiter tanzen. So auch nach dem Ende der Sinfonie. Der Tanz verbindet sie mit der so völlig andersartigen Komposition von Toshio Hosokawa. Mit ihr ändert sich auch der Stil des Tanzes. Dieser zweite, moderne Teil entwickelt sich jedoch nicht organisch aus dem ersten, sondern scheint uns sagen zu wollen: „Das kann ich auch.“

Dem Publikum konnte das nichts anhaben. Es zeigte sich, wie immer in Stuttgart, hörbar dankbar. Den erstklassigen Tänzern sei das gegönnt.




CREATIONS IV-V am Stuttgarter Ballett | Foto: Roman Novitzky

Thomas Rothschild – 4. März 2020
ID 12056
CREATIONS IV – VI (Schauspielhaus, 03.03.2020)

Naiad

Choreographie: Douglas Lee
Musik: Joby Talbot, Algal Bloom; Nicolas Sávva, Corallina (Auftragskomposition)
Bühne : Eva Adler
Kostüme: Douglas Lee und Eva Adler
Licht: Sakis Birbilis

Messenger
Choreographie, Bühne und Kostüme: Louis Stiens
Musik: Ondřej Adámek, Follow me
Licht: Tanja Rühl

Taiyō to Tsuki
Choreographie: Martin Schläpfer
Musik: Franz Schubert, 3. Sinfonie D-Dur; Toshio Hosokawas, Ferne Landschaft III: Seascapes of Fukuyama
Bühne und Kostüme: Florian Etti
Licht: Thomas Diek


Stuttgarter Ballett

Premiere am Stuttgarter Ballett: 22. Dezember 2019
Weitere Termine: 19., 25., 29.03. / 08., 11.04. / 22., 23.07.2020

Weitere Infos siehe auch: https://www.stuttgarter-ballett.de


Post an Dr. Thomas Rothschild

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