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Uraufführung

Sprunghaft,

nervig


DÜSTERER SPATZ AM MEER / HYBRID (AMERICA) von Fritz Kater


düsterer spatz am meer / hybrid (america) von Fritz Kater am Theater Bremen | Foto (C) Jörg Landsberg

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Armin Petras (56) ist seit zwei Jahren Hausregisseur und Hausautor am Theater Bremen. Vorher war er von 2013 bis 2018 Intendant des Schauspiels Stuttgart, davor wiederum leitete er (in gleicher Funktion) das Maxim Gorki Theater Berlin, ja und noch weiter vorher machte er sich als einer der unleisesten und bildtauglichsten Inszenierer unter anderem in Frankfurt/Main, Kassel, Leipzig, Nordhausen usw. einen Namen - ausgerechnet in der Wende- und Nachwendezeit vermuteten nicht wenige aus seiner Zunft, dass die deutsch-deutsche Theaterlandschaft ohne ihn und sein umtriebig zupackendes Ego (auch dann als Fritz Kater, unter welchem Pseudonym er seit Jahrzehnten seine vielen Stücke schreibt) viel unbunter und einfallsloser verlaufen wäre... Nicht nur seine Sturm- und Drangzeit ist natürlich längst vorüber, und so manche Sprechbühne ringt seither, ähnlich ihm, um ein sie von den Mitbewerberinnen unterscheidbares Alleinstellungsmerkmal, obgleich sie immer irgendwie dasgleiche tun, ja und der Trend, dass alles Mögliche zur Bühnentauglichkeit getrimmt würde, hält unvermindert an. Für alle symptomatisch scheint die allgemeine Orientierungssuche, und zwar nicht nur wegen Klimawandel, Trump, Corona usf.

düsterer spatz am meer / hybrid (america) lautet der kleinbuchstäblich umständliche Titel seines neuen Stücks, das er als [wie gesagt] Fritz Kater schrieb und [wie gehabt bei seinen neuen Kater-Stücken] in höchsteigener Regie und unter Zeichnung seines bürgerlichen Namens letzten Samstag an der Weser uraufführte:



"Kein Wasser im Pool. Kaum Gäste in den Betten. Das Hotel ihres Vaters ist schäbig. Melinda will raus. Mit dem Gast Martin macht sie sich auf und davon. Zunächst in eine kleine Hütte im Wald, von der aus Martin an der Börse spielt und immer mehr Geld verdient, dann nach Neckar Island, wo die kleine Familie in unfassbarem Reichtum lebt. Das Geschäft, mit dem Martin und sein Bruder Yves die Firma gewinnbringend durch den Bankencrash steuern, ist zwar schmutzig aber genial und Melinda genießt den Ausblick von der Chefetage, in die sie inzwischen eingezogen ist. Am Ende steht sie wieder am Pool ihrer Kindheit. Bald wird sie das alles plattwalzen für das Business von morgen: Fahrten zum Mond. Think big. Die Zukunft der Menschheit liegt außerhalb unseres Planeten. Aber Melinda weiß nicht mehr recht, wer sie ist und ihre Tochter Luna, die seltene Pflanzensamen züchtet, um die Menschheit zu retten, kommt bei einem Attentat ums Leben.

1987/1996/2008/2015 – über drei Jahrzehnte erstreckt sich diese Familiengeschichte als bitterer Abgesang auf den Amerikanischen Traum."


(Quelle: theaterbremen.de)

*

Das [s.o.] sollte möglichst nicht verwechselt werden mit einem dieser Sozialdramen von Eugene O'Neill, auch nicht mit einem dieser scharfgezeichneten Beziehungstragödien von Tennessee Williams, und schon gar nicht mit einem dieser personenlastigen und redseligen Theaterstücke Arthur Millers; allesamt Ikonen des US-amerikanischen Theaters! Dennoch und darum gefragt:

Weshalb hat Kater sich nunmehr so weit über den Großen Teich geflüchtet? gingen ihm gar "heimatliche" also deutsche oder deutsch-deutsche Stoffe & Themen mittlerweile auf den Kranz?? ist das der Ausdruck seiner Abneigung vor klein(st)em Kleinen hierzulande??? Habe leider - auch bei aufmerksamster Sichtung der fast hundert Seiten seines neuen Textes - keine Antwort auf diese drei Fragen finden können.

Und wie meistens bei den Katerstücken wird dann erst vermittels ihrer Inszenierungen das Aufgeschriebene in etwa ungefähr beglaubigt; das pulsierende Hinzutun ihrer MimInnen erleichterte ihre Verdaulichkeit. Signifikant war, ist und bleibt jedoch, dass Kater sich - im Unterschied zu Müller oder Jelinek - nicht sonderlich als Sprache-"Pfleger" oder kreativer Fortschreiber derselbigen empfiehlt.

Durch die Lektüre und das Live-Erlebnis dieses neuen Kater-Stücks, das sein Verfasser während des zurückliegenden Lockdowns hektisch zu Papier brachte, erzielte ich persönlich, der ich mich (seelenverwandt dem Biologen Ernest Steven, dessen Monolog von Alexander Swoboda gesprochen worden war) als ornithologisch interessierter Vogelfreund begreife, einen einzigen informativen Mehrgewinn, was diese Spatz-Spezies - "der düstere seespatz von dem ich nun berichte war eine nicht wandernde unterart des gemeinen seespatzen der in florida in den natürlichen salzwiesen entlang des st. johns rivers siedelte" - betraf, denn ich erfuhr zudem, dass das besagte Tier wegen Besiedelungen seines Inselchens des Arterhaltungstriebs verlustig wurde ergo vor paar Jahren ausgestorben war; das fand ich dann schon furchtbar traurig.

Doch die vielen anderen US-amerikanischen Begebenheiten und US-Personen - von acht Schauspielern und einem singenden sowie Gitarre spielenden Musiker, nämlich Miles Perkin als Engel der Verzweiflung [Heinerle lässt grüßen], sprunghaft und v.a. nervig dargestellt - , interessierten mich nicht (wirklich nicht!) die Bohne. Wenn ich wenigstens "gefühlt" hätte, dass Kater/Petras ein sie nicht allein gesellschaftlich-sozial sondern v.a. auch privat erschüttert habendes Moment leiteten, um womöglich einem tragisch abhanden gekommenen US-amerikanischen Freund zur postmortalen Zementierung (als Denkmal auf einem Sockel) zu verhelfen, würde ich vielleicht ein "mitfühlendes" Verständnis für das Aufgebot an handelnden US-amerikanischen Personen des besagten Stücks entgegengebracht haben. Doch ohne so was funktionierte das bei mir halt nicht.




düsterer spatz am meer / hybrid (america) von Fritz Kater am Theater Bremen | Foto (C) Jörg Landsberg

Andre Sokolowski - 30. September 2020
ID 12500
DÜSTERER SPATZ AM MEER / HYBRID (AMERICA) | Theater am Goetheplatz, 26.09.2020
von Fritz Kater

Regie Armin Petras
Bühne Julian Marbach
Kostüme Patricia Talacko
Licht Norman Plathe-Narr
Musik Miles Perkin
Video Rebecca Riedel
Director of Photography Lio Klose
Dramaturgie Simone Sterr
Mit: Annemaaike Bakker, Shirin Lilly Eissa, Christian Freund, Guido Gallmann, Ferdinand Lehmann, Mirjam Rast, Verena Reichhardt, Alexander Swoboda (in alphabetischer Reihenfolge) und dem Musiker Miles Perkin
Uraufführung am Theater Bremen: 26. September 2020
Weitere Termine: 24., 25.10.2020


Weitere Infos siehe auch: https://www.theaterbremen.de/


Post an Andre Sokolowski

http://www.andre-sokolowski.de

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