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nachDRUCK # 6

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Online-Premiere

Was geschah

am 29. Mai 1913

im Pariser Théâtre

des Champs-

Élysées...

...als die Uraufführung von
LE SACRE DU PRINTEMPS
gewesen war


Hessisches Staatsballett: Vanessa Shield und Ramon John in 29 May 1913 von Bryan Arias | Foto (C) Bettina Stöß

Bewertung:    



Das Hessische Staatsballett gibt es als Institution erst seit 2014. Es ist der Zusammenschluss der beiden vorherigen Tanz-Trupps, die bis da in jeweils eigener Zuständigkeit an den zwei Staatstheatern in Darmstadt und Wiesbaden als Sparte existierten. Der Entschluss sie zu vereinen, ging auf Initiative der zwei Intendanten Karsten Wiegand sowie Uwe Eric Laufenberg zurück; und sicher schwangen da auch Kosteneinspargründe mit... Die neue Kompanie besteht aus 40 Mitarbeitern, davon 27 Tänzerinnen und Tänzer.

*

Heute Abend fand die Online-Premiere des zweiteiligen Ballettabends rundum Strawinskys epochalem "Frühlingsopfer" statt - zum einen gab es das vor ungefähr neun Jahren im slowenischen Maribor uraufgeführte Stück 29 May 1913 von Bryan Arias [aus dem Staatstheater Darmstadt] zu sehen, und zum anderen wurde das "Stück an sich", also Le sacre du printemps, in der Choreografie von Edward Clug [im Staatstheater Wiesbaden] getanzt. Beide Werke haben eine Dauer von exakt je 35 Minuten; und wir interessierten uns v.a. für 29 May 1913, das im vergangenen Jahr mit dem Theaterpreis DER FAUST in der Kategorie Choreografie ausgezeichnet wurde:

Arias setzte sich mit dem skandalumwitterten Ereignis der Pariser Uraufführung von Strawinskys Sacre auseinander, wo es im Théâtre des Champs-Élysées am Ende der Vorstellung allein 27 Verletzte gegeben haben soll.



"Es war der Beginn von etwas Neuem, eine Choreografie, die archaische Rituale auf die Theaterbühne brachte und mit althergebrachten, überkommenen Konventionen brach. Ich wurde in gewisser Weise in die extremen Reaktionen des damaligen Pariser Publikums hineingezogen, da meine Arbeit viel mit der menschlichen Verfassung zu tun hat. Ich habe im Zusammenhang mit dem Sacre viel über Rituale nachgedacht, auch über ganz alltägliche Rituale. Unsere Gewohnheiten zum Beispiel, wie wir morgens aufwachen, wie wir ins Bett gehen, wie wir unser Leben leben. Rituale, die wir geschaffen haben, um das Leben effizienter, einfacher und bequemer zu gestalten.

Ich glaube, an diesem Abend erwartete das Publikum etwas zu sehen, das so wie immer sein würde. Ein ganz normaler Abend im Theater - ein Ritual. Aber es ereignete sich etwas, was das Publikum nicht erwartet hatte, etwas, das in ihren Augen nicht normal war. Was sie sahen erzeugte zuerst Unbehagen und artete schließlich in Verärgerung und offenen Protest aus. Die Reaktionen waren intensiv und größtenteils sehr emotional..."


(Quelle: Bryan Arias in einem Interview auf tanz.at)



Hessisches Staatsballett: 29 May 1913 von Bryan Arias | Foto (C) Bettina Stöß


5 Tänzerinnen (Manon Andral, Greta Dato, Sayako Kado, Meilyn Kennedy, Juyoung Lee) und 4 Tänzer (Nicolas Roger Frau, Daniel Myers, Marcos Novais, Taulant Shehu) agieren.

Im Pulk, zu fünft, zu zweit, zu dritt, in einer Frauen-Viererformation, in einer Männer-Viererformation, solistisch...

Am Anfang und am Schluss sieht man im leeren Zuschauersaal des Staatstheaters Darmstadt eine einzige Tänzerin in einem der über 950 rotgepolsterten Sitze - und man war sofort geneigt es mit dem derzeit immer noch anhaltenden kulturellen Lockdown (wg. Covid 19) zu assoziieren.

Dann wurde eine Totale desselben und sich nach und nach mit Menschen füllenden Zuschauerraumes vor die scheinbar live anwesende Tänzerin projiziert; das diente umgehend als Bühnenhintergrund (von Tabea Rothfuchs) - und der dramaturgische Witz des Ganzen war, dass zum Finale dieses Stücks, in dem es ja um den beim damaligen Publikum vollkommen durchgefall'nen Sacre ging bzw. gehen sollte, dergleiche "Einzugsfilm" postwendend dann als "Auszugsfilm" (quasi in Rückspulung) nochmal gezeigt wurde, und das dann wiederum konnte als milder Ablehnungsbeleg der diesen Sacre damals Rezipierthabenden nachträglich gedeutet werden.

Also fand die Übersetzung und Erklärung von 29 May 1913 mehr bühnenbildnerisch als choreografisch statt.

Es funktionierte trotzdem auch als Ganzes, und warum auch nicht.


Andre Sokolowski - 12. Mai 2021
ID 12905
LA SACRE DU PRINTEMPS (Hessisches Staatsballett, 12.05.2021)
29 May 1913

Choreografie: Bryan Arias
Projektionen / Bühne: Tabea Rothfuchs
Kostüme: Bregje van Balen
Licht: Yu-Chen Hung
Musik: Dmitri Savchenko-Belski
Dramaturgie: Lucas Herrmann

Le sacre du printemps
Choreografie: Edward Clug
Licht: Tomaž Premzl
Bühne: Marko Japelj
Kostüme: Leo Kulaš

Premiere im Staatstheater Darmstadt war am 29. Februar 2020.
Online-Premiere: 12. Mai 2021

Stream auf Youtube v. 12.05.2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.hessisches-staatsballett.de/


http://www.andre-sokolowski.de

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