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nachDRUCK # 6

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Performance

Tina pur



Bewertung:    



Bei Performances soll unsereiner, der zumeist "nur" in seiner ihm zugewiesenen Betrachter- und/ oder Zuhörerrolle steckt, auch bitteschön mitdenken, dass er möglichst alles das, was ihm gerade so geboten würde, irgendwie versteht; und meistens tut das ja auch immer irgendwie gelingen, wenn man guten Willens ist.

*

Spontan und vollkommen unvorbereitet landete ich gestern Abend auf der Ballhaus Ost-Homepage, um nachzuschauen, was in puncto kultureller Lockdown dort so geht bzw. nicht oder nicht mehr geht, kurz: was alternativ an Aussendungen oder Ansprachen bei denen derzeit läuft. Der erste anklickbare Button [s. o. re.] kündigt "5 Videominiaturen" an, ich lese I just called to say.. sHe’s dead. (dt.: Ich habe gerade angerufen, um zu sagen.. er/ sie ist tot.). Die erste Assoziation bei mir: Es geht um menschliche Vergänglichkeit. Ein Thema also, das wahrscheinlich nicht nur mir sehr nahe geht.



"Oft ist es nur die ungewöhnliche Uhrzeit, die zu lange Atempause, diese ganz bestimmte Stimmlage oder einfach der übersprunghafte Einstieg ins Gespräch, der verrät, dass dieser Anruf alles verändert. Die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen überbringt. Eine Lücke reißt. Die Zeit gefrieren lässt und nichts danach mehr so ist, so sein kann, wie noch Minuten davor. Der Moment, in der die Trauer beginnt, bevor wir überhaupt den Tod vernehmen, verstehen oder von uns weisen können. Jede Zeitrechnung eine andere wird." (Quelle: ballhausost.de)


Die Performerin und Schauspielerin Tina Pfurr veranschaulichte und durchlebte also jetzt fünf Trauerphasen, die sie mit "Leugnen", "Wut", "Verhandeln", "Depression" und "Akzeptanz" be-/ untertitelte. Fünf unterschiedlich lange Videominiaturen (Kamera und Schnitt: Ute Schall; Sounddesign: Björn Stegmann) kamen so zustande.



Tina Pfurr in "Leugnen", Teil 1 ihrer fünfteiligen Video-Performance I just called to say.. sHe’s dead. aus dem Ballhaus Ost | Screenshot des Streams v. 22.02.2021 auf ballhausost.de


In dem ersten Video ("Leugnen") sieht man über drei Minuten lang erst einmal nicht viel mehr als eine leere Bühne mit 'ner leeren Plasteflasche, Dutzenden von Glitzerschnipseln; außerdem vernimmt man unter Kopfhörern ein immer wieder abbrechendes, abreißendes Liedlein - plötzlich treten Springerstiefel auf; die Kamera erfasst die Springerstiefelträgerin, und justament wird allmählich "die ganze" Tina sichtbar, und sie trägt dann unter ihrem schwarzen Anzug eine weiße Rüschenbluse und ist außerdem mit einem Baseballschläger ausgestattet. Dann drischt sie (mit ihrem Baseballschläger) bis zum Schluss des ersten Videos pausenlos auf eine Teppichrolle ein, der sie zuvor noch, und in Augenhöhe, ein lachendes Filsstift-Face verpasste...

In dem zweiten Video ("Wut") ist Tina auf der Jagd nach einem ihr womöglich Orientierung bietenden grellweißen Lichtspot, ja und jedesmal, wenn sie ihn dann - zuerst im Dauerlauf, zum Ende hin dann mehr gemächlich - zu erreichen meinte, schaltet er sich fieserweise aus und leuchtet prompt an andrer Stelle wieder auf - - und Tina hin und her; und ihr gelang es also nicht, das Licht für sich zu okkupieren...




Tina Pfurr in "Wut", Teil 2 ihrer fünfteiligen Video-Performance I just called to say.. sHe’s dead. aus dem Ballhaus Ost | Screenshot des Streams v. 23.02.2021 auf ballhausost.de


* *

Wie es nun mit Tinas Trauerarbeit weitergehen wird, konnte nicht/ noch nicht angesehen werden - erst ab heute, 18 Uhr, wird die Geschichte fortgesetzt.

Empfehlenswert.


Andre Sokolowski - 23. Februar 2021 (2)
ID 12767
I just called to say.. sHe’s dead. (Ballhaus Ost, 22.-26.02.2021)
5 Videominiaturen

Konzept, Umsetzung, Performance: Tina Pfurr
Ausstattung, Künstlerische Mitarbeit, Umsetzung: Romy Springsguth
Kamera, Schnitt: Ute Schall
Sounddesign: Björn Stegmann
Lichtdesign: Fabian Eichner
Produktionsleitung. Franziska Janke
Stimmen. Robin Adams, Katharina Adler, Sarah Blaßkiewitz, Anne Brammen, Gina Henkel, Franziska Janke, Laura Naumann, Christin Nichols, Christian Pfurr, Ingeborg Pfurr, Anneke Kim Sarnau, Felizitas Stilleke, Leon Ullrich und Matthias Zeeb
Termine:
22. Februar 2021, 18:00 | Teil 1, Leugnen
23. Februar 2021, 18:00 | Teil 2, Wut
24. Februar 2021, 18:00 | Teil 3, Verhandeln
25. Februar 2021, 18:00 | Teil 4, Depression
26. Februar 2021, 18:00 | Teil 5, Akzeptanz
Alle Teile sind nach Release bis zum 28. Februar 2021 abrufbar.
Eine Produktion von Tina Pfurr | Ballhaus Ost.


Weitere Infos siehe auch: https://www.ballhausost.de/


http://www.andre-sokolowski.de

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