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nachDRUCK # 6

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Tanz-Gastspiel

Formvollendung

auf Speed



Melody Mennite und Connor Walsh in Maninyas von Stanton Welch | Foto (C) Amitava Sarkar / Houston Ballet

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Drei jeweils halbstündige Choreographien von Stanton Welch, dem künstlerischen Direktor der Company des Houston Ballets, berauschen in einem temporeichen Tanzgastspiel des Ensembles an der Oper Bonn. Die amerikanische Kompagnie zeigt neoklassisches Ballett voller perfektionierter Schritte. Die technisch ausgefeilten und formvollendeten Stücke wirken manchmal allerdings etwas zu sehr wie bloße Vorführnummern ohne inhaltliche Tiefe.

Tapestry („Wandteppich“) lässt die Tänzer in loser Abfolge mit Soli und allerlei Gruppenarrangements auf hohem technischem Niveau zu Mozarts fünftem Violinkonzert glänzen. Farbenfroh ergänzen sich die unterschiedlichen Figuren mal im Pas de deux oder Pas de trois oder auch zu fünft oder acht wie ein mosaikreicher Wandbehang. Die Tänzer treten oftmals andächtig aus dem Dunkel des Bühnenhintergrundes hervor, um dann im Rampenlicht schillernd präzise und grazile Bewegungsmuster vorzuführen.

Die Erotik heterosexueller Beziehungen wird in Maninyas mit fünf Tanzpaaren in fünf unterschiedlichen Farben zu Ross Edwards' Konzert für Violine und Orchester heraufbeschworen. Blau, grün, violett, rot und und braun sind hier die leichten, orientalisch anmutenden Kostüme des anmutigen und abwechslungsreichen Tänzerreigens. Verführungskünste und Berührungen werden elaboriert und zelebriert. Stimmungsvoll nähern sich die Tänzer einander an oder stoßen sich gegenseitig effektvoll ab. Sie ergeben sich einer aufregenden, miteinander kreiselnden Bewegung, umgarnen den Tanzpartner oder verschwinden flugs wieder. Dann tragen die Tänzer die sich anmutig windenden Tänzerinnen oft auf ihren Armen davon.

Bei der letzten Tanzperformance Velocity („Geschwindigkeit“) zu Orchestermusik von Michael Torke mutet der Bühnenhintergrund konstruktivistisch und modern an. Die Tänzer performen hier in einem noch atemloseren Tempo mit größeren Sprüngen, geschmeidig präzise und beeindruckend synchron. Erneut scheinen die Geschlechterrollen klar verteilt. Die Tänzerinnen tragen weiße Tütüs, die Tänzer hingegen schwarze Ganzkörpertrikots (Kostümdesign: Holly Hynes). Die augenzwinkernde Reflexion auf berühmte Ballette steigert sich durch eine große Anzahl fliegend wechselnder Tänzer zu einer wahrlich hochfliegenden und rasant beschleunigten Fahrt für die Augen des Publikums.

Das Houston Ballet, die fünftgrößte Kompanie der USA, liefert ein eindrucksvolles und dynamisches Bravourstück im Bonner Opernhaus. Die drei halbstündigen Choreografien vermögen jedoch nur in seltenen Momenten wirklich anzurühren, da viele Bewegungsabläufe von ihrer Bedeutung her abstrakt und ein wenig künstlich erscheinen. Trotzdem ein wahrlich anregender und irisierender Tanztheaterabend.




Connor Walsh, Karina Gonzalez und Ian Casady in Tapestry von Stanton Welch | Foto (C) Amitava Sarkar / Houston Ballet

Ansgar Skoda - 17. April 2017
ID 9970
TAPESTRY/ MANINYAS/ VELOCITY (Oper Bonn, 11.04.2017)
Künstlerischer Leiter: Stanton Welch AM
Geschäftsführender Direktor: James Nelson
Musikdirektor: Ermanno Florio
Associate Director of Artistic Operations: Keli Gilson
Compagnie Manager: Michelle de los Reyes
Erster Ballettmeister: Louise Lester
Ballettmeister: Steven Woodgate und Barbara Bears
Director of Production: Andrew Nielsen
Bühnenmeister: Josh Daniels
Lichtdesignerin: Lisa J. Pinkham

Tänzerinnen (in alphabetischer Reihenfolge)
Principals: Ian Casady, Jessica Collado, Karina Gonzalez, Yuriko Kajiya, Jared Matthews, Melody Mennite, Connor Walsh, Sara Webb und Charles-Louis Yoshiyama
Erste SolistInnen: Soo Youn Cho, Linnar Looris und Katharine Precourt
SolistInnen: Chun Wai Chan, Christopher Coomer, Derek Dunn, Elise Elliott, Christopher Gray, Oliver Halkowich, Jacquelyn Long und Allison Miller
Demi-SolistInnen: Tyler Donatelli, Rhodes Elliott, Mónica Gómez, Bridget Kuhns, Katelyn May, Aaron Sharratt, Madeline Skelly, Hayden Stark, Harper Watters und Brian Waldrep
Corps de Ballet und Eleven

Gastspiel am Theater Bonn


Weitere Infos siehe auch: http://www.houstonballet.org


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