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nachDRUCK # 6

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Pindorama von Lia Rodrigues



Foto (C) Sammi Landweer

Bewertung:    



Über die weltberühmte brasilianische Choreografin Lia Rodrigues (58) hatte Tanzkritikerin Michaela Schlagenwerth ein sehr, sehr schönes Kurzporträt in ihrem Text Fische auf dem Trockenen (Berliner Zeitung v. 04.06.2014) verfasst; da schrieb sie beispielsweise diesen schönen Satz hier:

"Jetzt sitzt einem eine feine, leuchtende Person gegenüber, die deutlich macht, wie glücklich sie inzwischen über ihre Entscheidung ist: 'Ich bin Zeugin und auch Teil eines aufregenden Veränderungsprozesses. Eines Prozesses, der auch mich selbst verändert und in dem ich viel gelernt habe.'"

Gemeint war der Umzug Lia Rodrigues' mit ihrer Tanzcompagnie (vor zehn Jahren) in die Favela Maré - einem der mit 135.000 Einwohnern dichtbesiedeltsten Slums von Rio de Janeiro.

*

Heute war ich in dem Lia Rodrigues-Stück unter dem Titel Pindorama (= so hätte Brasilien in der Tupi-Sprache geheißen, bevor es von den Portugiesen kolonialisiert wurde). Da geht es um Ursprünglichkeit, Natur und Leben:

Eine Riesenfolie und Hunderte stilisierte Wassertropfen (= durchsichtige und mit Wasser gefüllte Luftballons; sah aus wie Silikonbrüsteinlagen) allegorisieren Ozean und Regenwald in Einem.

Drei Teile hat die "Handlung". Im ersten Teil erfolgt die zeremonienhafte Entfaltung der Folie durch eine Gruppe von 2 mal 4, eine nackte Tänzerin tritt auf und legt sich in sie rein, die Folie wird von ihren beiden Seitenenden her in Steigerungen "aufgewedelt"; es entsteht so Wind, und es wird stürmisch, und es gipfelt in einem Orkan - dann nimmt es sich wieder zurück; das Rauschen der Folie assoziiert auch einen andauernden Regenfall...

Der zweite Teil erweitert die Protagonisten, jetzt sind es fünf Tänzerinnen und Tänzer (3:2); die Folie wird nun von einer Gruppe von 2 mal 2 wiederholte Male über die Tanzenden gelegt und wieder weggezogen, das Tempo nimmt zu, die Gruppe bringt sich durch Schreien in einen Trancezustand...

Im dritten Teil werden in Plastebehältnissen die Wassertropfen im ganzen Raum verteilt - die herkömmliche Anordnung zwischen Agierenden und Zuschauenden wird örtlich aufgelöst; die ersten Wassertropfen zum Platzen gebracht, so geht es immer weiter und immer fort. Bald schwimmt der ganze Saal... Zwischen den Beinen des Publikums "verirren" sich plötzlich - anfangs kaum bemerkt - alle 11 Tänzerinnen und Tänzer, um in Folge zu einem einzigen Lebewesen-Knäuel (= etwas, was kreucht und fleucht im Urwald?) zu verschmelzen; "es" bewegt sich über die nasse Ebene, gelangt letzthin an ein rein zufällig so vorbestimmtes (Raum-)Ziel. Dann: Black Out.

Brasilien einmal anders.

Großartig und wunderschön.




Pindorama von Lia Rodrigues - Foto (C) Sammi Landweer


Andre Sokolowski - 5. Juni 2014
ID 7888
PINDORAMA (HAU2, 05.06.2014)
Idee, Konzept und Choreografie: Lia Rodrigues
Entwickelt in Zusammenarbeit mit: Amalia Lima, Leonardo Nunes, Gabriele Nascimento, Francisco Thiago Cavalcanti, Clara Castro, Clara Cavalcante, Felipe Vian, Dora Selva, Glaciel Farias, Luana Bezerra, Thiago de Souza unter Mitwirkung von Gabriela Cordovez
Dramaturgie: Silvia Soter
Künstlerische Zusammenarbeit: Guillaume Bernardi
Lichtdesign: Nicolas Boudier
Bühnentechnik: Magali Foubert
Assistenz Choreografie: Amalia Lima
Lia Rodrigues Companhia de Danças
Koproduktion: Théâtre Jean Vilar de Vitry-sur-Seine mit dem Festival d’Automne à Paris, Théâtre National de Chaillot, La Briqueterie/CDC du Val-de-Marne, King’s Fountain, Kunstenfestivaldesart kopräsentiert von Kaaïtheater (Brüssel), Hellerau –Europäisches Zentrum der Künste (Dresden)


Weitere Infos siehe auch: http://www.hebbel-am-ufer.de


http://www.andre-sokolowski.de



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