Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 6

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Repertoire

Spielfiguren

auf einer

unsicheren

Drehscheibe



Marek Harloff als Richard III. am Schauspiel Stuttgart - Foto (C) JU_Ostkreuz

Bewertung:    



Richard III. ist legendär als Shakespeares diabolischster und durchtriebenster Bösewicht, dessen Weg zum Thron Leichen pflastern. Seine Tragödie Richard III. erzählt von Richard, Herzog von Gloucester, der zu Dramenbeginn gleich erklärt, ein verbrecherischer Schurke werden zu wollen, um an die Krone zu gelangen. Denn um König zu werden, muss er seine beiden Brüder, den regierenden König Edward IV. und Herzog Clarence beseitigen. Richard verleumdet Clarence beim König, der diesen in den Tower sperrt. Der Inhaftierte wird kurz darauf in Richards Auftrag ermordet. Richard wird auf seinem skrupellos blutrünstigen Weg oft verflucht, doch es gibt keine ebenbürtigen Widersacher, die seinem intrigantem und skrupellosem Spiel Einhalt gebieten. Auch Prinzessin Anne, um die Richard wirbt, lässt ihrer Empörung aufgrund des Verdachts, Richard habe ihren Gatten Prinz Edward und dessen Vater, König Heinrich VI., getötet, keine Taten folgen. Als ihr Richard anbietet, ihm den Dolch ins Herz zu bohren, lässt sie das kurz erhobene Schwert wieder fallen. Einflussreiche Verbündete wie etwa den Herzog von Buckingham lockt Richard mit möglichen Posten unter seiner Herrschaft. Doch Versprechen kann Richard bekanntlich wie so vieles andere brechen.

Trotzdem bleibt es auf der Bühne am Schauspiel Stuttgart bei der Adaptation des Dramas überraschend blutleer. Regisseur Robert Borgmann zeigt Marek Harloff in der Rolle der Titelfigur – ohne ausgereiftes Rollenprofil wirkt dieser scheinbar fehlbesetzt. Harloff agiert als Richard III. unbedarft, pubertär und linkisch, voller Trotz schwadroniert er; und es scheinen fehlgerichtete, kindliche Energien sein verheerendes Tun zu lenken. Machtvoll, verwegen oder heimtückisch verschlagen wirkt sein Richard III. nicht, im schwarzen Anzug und Springerstiefeln keiner früheren Epoche zuordbar. Es wird für den Zuschauer nicht nachvollziehbar, wie sein Richard es schafft, so viele adlige Angehörige zu töten und sogar die eigene Ehefrau auf den Scheiterhaufen zu bringen. Auch das karge Bühnenbild gibt mit nur wenigen Requisiten kaum Hinweise auf die dynastischen Verstrickungen in Shakespeares Königsdrama. Die Akteure kreisen auf rotierenden, sich kippenden, kreisrunden Fläche und tauchen mal auf und dann wieder ab. Die meisten von ihnen sind in Mehrfachrollen zu sehen, was zusätzlich verwirrt.

Peter René Lüdicke monologisiert so etwa als sterbender König Edward IV. etwas tüdelich über „unendlichen Spaß“, bevor er die Hosen fallen lässt, um Margaret aus dem Hause Lancaster, die Witwe von Heinrich VI. zu geben. Manolo Bertling spielt einen sanften Clarence, der wohlgesonnen auf Richards Bruderliebe vertraut. Ahnungs- und widerstandslos lässt er alles Ränkeschmieden über sich geschehen, um schlussendlich als Geist wiederzukehren und drohend Totenschädel oder eine riesige, schwarze Fahne zu schwingen. Sandra Gerling in der Rolle Lady Annes und Susanne Böwe als schnippische Königin Elisabeth geben als Frauenopfer Richards weniger klein bei, wenn sie ihren Verdächtigungen mit machvoller Stimme Gehör verschaffen – dies jedoch nur kurz. Schon bald legen sie ihre, mit Krinoline oder Reifrock geweiteten Kostüme ab, die an Kleiderhaken befestigt von der Bühne emporgehoben werden. Ohne ihre pompösen Gewänder können die trauernden Witwen Richard III. weniger Verteidigungsfläche entgegensetzen. Es sind solche und ähnliche packenden Bilder, die immer wieder effektvolle Spannungsmomente in Borgmanns Inszenierung hervorrufen. Bereichert wird die sonst leider etwas banale Adaptation auch durch spannungsvolle Soundcollagen, Licht- und Feuereffekte und künstlerisch gestaltete Videoeinspielungen. Auch der poetische Epilog überrascht angenehm, wenn Katharina Knap in der Rolle Buckinghams die Zuhörer mit dem Gedicht „The Hollow Men“ von T. S. Eliot entlässt und sich als Richards Weggefährte nackt neben diesen, von Albträumen geplagten und wahnsinnig gewordenen legt.



Richard III. am Schauspiel Stuttgart - Foto (C) JU_Ostkreuz

Ansgar Skoda - 21. März 2015
ID 8519
RICHARD III. (Schauspiel Stuttgart, 11.03.2015)
Regie & Bühne: Robert Borgmann
Kostüme: Adriana Braga Peretzky
Musik: webermicholson
Video: Lianne van de Laar
Licht: Carsten Rüger
Dramaturgie: Jan Hein
Besetzung:
Richard III. … Marek Harloff
Clarence … Manolo Bertling
Elisabeth … Susanne Böwe
Herzogin von York/ Lady Anne … Sandra Gerling
Richard II. / Buckingham / Mörder … Katharina Knap
König Edward / Margaret /Mörder … Peter René Lüdicke
Hastings … Elmar Roloff
Richard (jung) … Hosea Hellebrandt
Prinz … Georg Welsch und Samuel Liebhäuser
Gerichtsschreiber … Frank Laske
Premiere war am 26. September 2014
Weitere Termine: 29. 3. / 9. 4. 2015


Weitere Infos siehe auch: http://www.schauspiel-stuttgart.de/


Post an Ansgar Skoda

http://www.ansgar-skoda.de



Siehe auch die Kritiken zu:

Die Krönung Richards III. (Burgtheater Wien)

Richard III. (Schaubühne am Lehniner Platz)



  Anzeigen:





THEATER Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

CASTORFOPERN

DEBATTEN
& PERSONEN

FREIE SZENE

INTERVIEWS

PREMIEREN-
KRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

URAUFFÜHRUNGEN


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2024 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)