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Die heilige Johanna der Schlachthöfe am Theater Bonn | Foto (C) Thilo Beu

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Warum sind die Armen arm und die Reichen reich? Wie erreichen Firmen Wachstum und wie funktioniert Geld? Wie kommt es zu Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit? Bertolt Brechts episches Drama Die heilige Johanna der Schlachthöfe von 1931 thematisiert den Verlauf einer Kapitalkrise. Am Beispiel wirtschaftlicher Machenschaften der Fleischindustrie und Verhandlungen verschiedener Figuren mit unterschiedlichen Interessen wird gezeigt, wie bei einer kalkuliert herbeigeführten Krise Streiks und die Einflussnahme religiöser Organisationen scheitern, sich eine Monopolstellung bildet und die Arbeiter noch schlechter gestellt werden als zuvor.

Brechts während der Weltwirtschaftskrise 1929/30 entstandene Drama spielt in den Schlachthöfen von Chicago. Die Titelheldin Johanna basiert auf der historisch-mystischen Figur Jeanne D’Arc. Johanna Dark agiert als Leutnant der Heilsarmee „Schwarze Strohhüte“ in Zeiten der Arbeitslosigkeit und Krise. Sie bittet Pierpont Mauler, Chicagos Fleischkönig, angesichts der Wirtschaftskrise um Hilfe für die Armen. Sie durchschaut nicht, dass er als Hauptverursacher der Krise im Verdrängungswettbewerb auch von ihren Aktivitäten für die Armen profitiert. In einem dreistufigen Lernprozess verliert Johanna ihre Naivität, beginnt Marktmechanismen zu durchschauen und stellt Forderungen. Dabei kommt sie Vorschlägen Maulers entgegen, ohne den Armen einen wirklichen Verdienst zu erweisen.

*

Laura Linnenbaum inszeniert Die heilige Johanna der Schlachthöfe an den Bad Godesberger Kammerspielen mit typisierten Figuren und überdeutlicher Symbolik. Das Bühnenbild von Valentin Baumeister ist eine karge Treppe mit großen Stufen, die die Darsteller mal mühevoll hinaufklettern und mal leidvoll hinunterfallen. Pierpont Mauler, seine Bediensteten und seine Konkurrenten tragen graue Anzüge und Glatze. Wilhelm Eilers ist als Mauler wenig sublim bald sogar mit Pelz behängt. Ganz unten befindliche Statisten sitzen als Arbeitslose und Streikende in abgerissener Unterwäsche in einer Art Graben vor der Treppe. Aufgesetzte Schafskopfmasken lassen die entlassenen Arbeiter ununterscheidbar erscheinen und zur anonymen Masse werden.

Maike Jüttendonk muss in der Rolle der Johanna ihre Heilsarmeeuniform bald abgeben. Nur noch in Unterwäsche agierend, wiederholt sie bald mit lauter Stimme ihre Erkenntnis von der logischen Kausalität sozialer Spaltung bis zum Überdruss: „Das System ist eine Schaukel mit zwei Enden, die voneinander/ Abhängen, und die oben/ Sitzen oben nur, weil jene unten sitzen.“ Jüttendonk macht den Prozess ihrer zunächst arglos-einfältigen Figur glaubhaft, die anfangs mutig-idealistisch die Machenschaften der Mächtigen hinterfragt und auf diese zugeht, spätestens jedoch als Anführerin einer Massendemonstration Angst vor Gewalt bekommt. Im recht gut aufgelegten Ensemble stechen außerdem Philipp Basener als spitzbübischer Makler Swift und Lydia Stäubli als fordernder Fleischfabrikant Graham durch temperamentvolles Spiel hervor.

Leider gerät das Drama arg vorhersehbar, da bereits anfangs bildhaft klar wird, wer hier die Hosen anhat und sich diese Machthierarchien auch im weiteren Stückverlauf nur bedingt zu verschieben drohen. So werden letztlich vor allem wirtschaftliche Prozesse wie das Ende des Wohlstandes, Überproduktion, Krise und Stagnation und die Widerherstellung des wirtschaftlichen Kreislaufes bild- und wortreich formelhaft mit den unterschiedlichen Parteien als nahezu unabwendbar vorgeführt.




Die heilige Johanna der Schlachthöfe am Theater Bonn | Foto (C) Thilo Beu

Ansgar Skoda - 12. Oktober 2017 (3)
ID 10312
DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE (Kammerspiele Bad Godesberg, 08.10.2017)
Regie: Laura Linnenbaum
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüme: David Gonter
Musik: Jonas Englert
Licht Sirko: Lamprecht
Dramaturgie: Johanna Vater
Mit: Maike Jüttendonk, Wilhelm Eilers, Lydia Stäubli, Matthias Breitenbach, Daniel Gawlowski, Philipp Basener und Alois Reinhardt
Premiere am Theater Bonn war am 22. September 2017.
Weitere Termine: 12., 21., 26., 31.10 ./ 10., 17., 26.11.2017


Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-bonn.de


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