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Portrait

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JOHN NEUMEIER

Gespräch im Haus im Park


John Neumeier | Foto: Kiran West


Eine Gesprächsreihe, die nunmehr seit 10 Jahren stattfindet, soll Inspiration sein und Mut machen. Und so sitzen wir jetzt John Neumeier gegenüber, der gerade 80 geworden ist und seit fast 50 Jahren als Tänzer, Choreograf und Ballettdirektor Tanzgeschichte schreibt. Mit untrüglichem Instinkt erspürt er das Wesen seiner Tänzerinnen und Tänzer und verwebt Emotionen von Licht und Schatten. Er weiß, der Körper lügt nie, muss durch die Liebe tanzen, und so steht er auf dem Standpunkt, dass man über Vieles nicht sprechen kann.

Das betont er auch immer wieder im Gespräch mit dem Moderator Andreas Bormann (NDR), dass er ein Mensch ist, der fühlt, immer auf dem Weg, nie am Ziel; und seine Kreativität hört nie auf. Der Tanz ist ihm Berufung, Verantwortung, Freude, und Choreografie ist für ihn Malen mit den Menschen.

Manchmal kommen komische Fragen, die Neumeier nicht alle beantworten möchte, außer nach seinem Glauben, da sagt er adhoc, er wäre ein Katholik der Fragen mit großen schwarzen Zweifeln. Seiner Meinung nach drücken es Worte eben nicht aus, er ist Künstler, er spürt die Musik im Körper, und darüber kann man nicht sprechen. Der Kopf ist die Vorbereitung für Spontanes, er kann dann assoziativ denken, durch gemachte Erfahrungen, aber alles muss ein Teil von ihm als Mensch werden. So bewahrt er sich Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit, und es macht ihm nichts aus, zu sagen:

„Ich weiß nicht, wie ich das mache.“

Schon seine Eltern waren fasziniert von der Form, wie er seinem Leben Gestalt gibt, auch mit 3 Jahren zu wissen, ich will tanzen. Besonders beeindruckt war er zunächst vom amerikanischen Musical, und so begann er 9jährig mit dem Stepptanz. Aber auch Zeichnen war ein Talent von ihm, bis heute entwirft er die Bühnenbilder.

1939 in Milwaukee/Wisconsin, USA geboren, studierte John Neumeier dann in seiner Heimatstadt sowie in Chicago, Kopenhagen und London klassischen Tanz und Choreografie. 1963 engagierte John Cranko ihn ans Stuttgarter Ballett. Vier Jahre später das Hamburg Ballett, welches er ab 1973 zu einer der führenden deutschen Ballettcompagnien führte. Zudem verwebt er Oper und Ballett, ist nicht nur für die Inszenierung verantwortlich, sondern zeichnet verantwortlich für Bühne, Kostüme und gestaltet das Licht.

In Grunde ist er kultureller Botschafter auf mehreren Ebenen, denn auch seine Sammlung von 30.000 Exponaten, letztendlich eine Stiftung für Hamburg, zeigt Ballettgeschichte, u.a. mit Zeichnungen des Ballettgenies Nijinsky. Und Neumeier muss in dieser Sammlung leben, hätte gerne ein größeres Haus, denn allein 15.000 Bücher brauchen Platz. Fast hätte er das Original-Tagebuch von Nijinsky erworben, meinte aber damals, dass er es ja nicht lesen kann, weil in russischer Sprache geschrieben. Das ist das Einzige, was ihn heute ärgert, denn er war ja jung genug und hätte noch die Sprache lernen können.

So widmet er sein Leben ganz dem Tanz, ist ein Mensch, der immer seine Antennen im Außen hat, aber das Wahre kommt von innen. Er möchte mehr über sich selbst erfahren, immer etwas Neues erwecken. Neumeier meint, Choreograph sein wäre ein selbstloser Beruf, weil er immer auf andere konzentriert ist. Früher als Ballettdirektor in Frankfurt hat er oft noch bei den Korrekturen seiner Tänzer geschrien, wenn man aber älter wird, sieht man ein größeres Bild von der Welt. Er erkennt, dass jeder diese anders interpretiert, andere Wellenlängen lebt und Künstler darauf achten müssen, ihre Sensibilität zu bewahren.

Sein Kommentar über sich selbst und sein inneres Feuer:

„Diese Flamme schrie manchmal.“

Fragen wir nach den Zipperlein im Alter (das Wort kannte er noch nicht), sind es höchstens die Knie, die Probleme machen, denn er tanzt wie ehedem seinen Schülern vor, was er umzusetzen sucht, gleichsam immer im Experiment. Schon morgens steigt er 45 Minuten auf den Crosstrainer, damit die Fitness nicht zu kurz kommt.

Neumeier Ballette in Hamburg sind ausverkauft. Warum wohl? Er ist charismatisch, bereits 50 Jahre im Amt, ist mehrfach ausgezeichnet worden, hat eine Dependance in Baden-Baden, viele viele Gastchoreographien, sein Bundesjugendballett ist internationaler Anziehungspunkt für den Nachwuchs.

So geht es weiter...

Fazit: Man soll nicht alles zerreden.
Liane Kampeter - 22. Januar 2020
ID 11948
Weitere Infos siehe auch: https://www.koerber-stiftung.de/person/john-neumeier-2492


Post an Liane Kampeter

https://www.liane-kampeter.de

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