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In memoriam

Zum Tod des

Schauspielers

Hendrik Arnst



Hendrik Arnst (1950-2024) | Bildquelle: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz


Am 2. Januar 2024 ist der Schauspieler Hendrik Arnst gestorben, ein Volksbühnenurgestein, von 1994 bis 2012 fest im Ensemble, danach frei für dieses Theater und zuletzt in STURM UND DRANG – Geschichte der Deutschen Literatur I (Regie Julien Gosselin, 2022) als unverfrorener Rezeptionist Mager gefeiert. Nie gab es für das Theater oder für ihn längere künstlerische Pausen in Sachen Volksbühne. Hendrik Arnst gehörte und gehört zum Volksbühnen-Clan.

Von 1969 bis 1972 absolvierte Hendrik Arnst die Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin, und es folgten Engagements an den Theatern in Anklam, Aachen und Mannheim, bevor er 1994 in seiner ersten Produktion an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Pension Schöller: Die Schlacht (Regie Frank Castorf), den Eugen Rümpel spielte. Es folgten in kurzer Zeit viele Inszenierungen wie Die Nibelungen – Born Bad II, Des Teufels General, Dämonen, Schmutzige Hände, Die Sache Danton, Erniedrigte und Beleidigte, Meister und Margarita, Der Idiot, Gier nach Gold, Berlin Alexanderplatz, Die Brüder Karamasow, Der Spieler (alle Inszenierungen in der Regie von Frank Castorf). Hendrik Arnst arbeitete außerdem unter anderem mit den Regisseuren Dimiter Gotscheff (Iwanow), David Marton (Howl) und René Pollesch (Stadt als Beute). Auf mindestens 36 Rollen hat es Hendrik Arnst an der Volksbühne gebracht.

Film und Fernsehen haben nicht lange auf sich warten lassen. Neben dem Polizeiruf, dem Tatort, und Stippvisiten in Serien wie Der Tatortreiniger ist er in den Filmen Duell – Enemy at the Gates von Jean-Jacques Annaud und The Cat’s Meow von Peter Bogdanovich (beide 2001) und Der Hauptmann von Robert Schwentke (2017) zu sehen. Auch hier ein Durchbruch und Beweis seiner Unverwechselbarkeit.

Allein seine Erscheinung – kräftige Statur, die Stimme ein Bariton und sein gutmütiger oder auch rasender Blick – verweist auf seinen Seltenheitswert. Hendrik Arnst war ein Vollblutschauspieler, er gab entweder 100 Prozent oder gar nichts. Über Assoziationen suchte er auf der Bühne die Wahrhaftigkeit. Sein Spiel war immer konkret, der Ton authentisch. „… die Freiheit im Spiel heißt, sich von der Wahrhaftigkeit ausgehend auf der Bühne autonom zu machen“, meinte Hendrik Arnst in einem Interview (Republik Castorf, herausgegeben von Frank Raddatz). Es ging immer um Leben und/oder Gefährdung. Der Mindesteinsatz rote Bäckchen und Schweiß überall. „Ich bin als Spieler nicht mit der Frage beschäftigt: Muss ich jetzt zum Fenster gehen, mich da umdrehen und den Satz sagen oder umgekehrt. Darum geht es nicht. Sondern darum, einen Sog zu erzeugen, der die Dinge in Bewegung bringt, der sie schnell macht und der zwingend ist, dass man als Spieler wie in einem Rausch damit umgehen kann. Das ist wie ein Jimi-Hendrix-Solo.“ (ebenda)

Die Mitarbeiter:innen der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz trauern um einen großartigen Schauspieler, gütigen und tiefsinnigen, zuweilen ironischen Menschen, der zu früh aus unserer Mitte gerissen wurde.

Hendrik Arnst verstarb infolge einer kurzen schweren Krankheit. Die Seebestattung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis.
Lena Fuchs und Heike Sobisiak - PM v. 04.01.2024
ID 14550
Weitere Infos siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Hendrik_Arnst


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