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Kurzkritik

Jaamil Olawale Kosoko

#negrophobia


Bewertung:    



Die Performance ist so eine darstellende Kunstform, wo man eigentlich dann Alles, was man sonst (auf der Theaterbühne, im Konzertsaal oder überm Lesepult) nicht unterbringt oder wo halt für so 'ne Art von Mischteig keine ideale Backform existierte, allerlustigst oder -traurigst ausprobieren kann. In ihr bestehen quasi keine "Regeln", und der künstlerischen Fantasie nebst einem künstlerischen Können und Vermögen (falls vorhanden) sind dann keine Grenzen mehr gesetzt; Freisein ist Alles!

Unser wohlwollendes HAU Hebbel am Ufer bietet Hauptstädtern und ihren Gästen eine exzeptionelle Plattform, um sich hiermit [s.o.] öffentlich zu präsentieren, und die internationale Strahlkraft ist enorm. Ein idealer Tummelplatz - und das nicht nur zu den normalen Spielzeiten, denn insbesondere beim alljährlichen Festival TANZ IM AUGUST geht's diesbezüglich jedesmal dann ziemlich rund. [Den Nimbus dieses Einmaligen wird es freilich bald verlieren, wenn dann in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ab dem Herbst 2017, und ganz wirrwitzig-senatsgewollter Weise, eine starke "Konkurrenz" entsteht; vorsorglich hatten die Berliner Festspiele schon mal ihr ambitioniertes Nischen-Festival FOREIGN AFFAIRS in diesem Sommer letztmals ausgerichtet...]

Doch wir wollten nicht vom Thema abkommen:


*

"Schmerz ist das Zentrum von Jaamil Olawale Kosokos Performance #negrophobia, (s)einer persönlichen Geschichte von Verlust und glücklichem Entkommen. In Reaktion auf den gewaltsamen Tod seines Bruders hinterfragt Kosoko die Identität von afroamerikanischen Männern. Als Künstler und Poet mit einer überwältigenden physischen Präsenz navigiert Kosoko zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Anliegen. Zusammen mit IMMA/MESS, eine Tänzerin und Performerin, die Drag-Elemente in den Abend einbringt, bewegt er die Zuschauer*innen angesichts der machtvoll inszenierten Körper etwa zur Überlegung, wie sie selbst an der Konstruktion von Rassismen beteiligt sind."

(Quelle: tanzimaugust.de)

*

Diese Performance scheint in ihrem konzeptionellen Ansatz [s.obiges Zitat] klug, richtig - in der künstlerischen Umsetzung desselbigen kommen jedoch arg Zweifel auf. Der Abend wirkt un-unheterogen! Ein launig-willkürlicher und verstörend-langatmiger Angriff ihres Hauptprotagonisten (welcher außerdem als der Entwickler, Konzeptionist, Installateur sowie Gesamtausstatter seiner selbst fungiert) auf die - nicht immer und in jedem Falle masochistisch eingestellten - Sinne seines Publikums. Vom Mischpult aus tut Jeremy Toussaint-Baptiste (mit seinem ansehlichen nackten Oberkörper) das Akustische und Visuelle technisch in die Wege leiten; manchmal dreht er die Musik dann so weit bis zum Anschlag auf, dass Hörverlustssymptome drohen.

Sämtliche Klischees, wie sich der Weiße Mann halt so mit seinem schwarzhäutigen Menschenbruder in Beziehung setzte, werden auf das Karikiererischste vorgeholt und mit schier manisch dargebotenen Zitatreichtümern - und so wird dann auch andauernd und auf Englisch Autobiografisches (von Zetteln) oder Literarisches (aus Büchern, vorzugsweise von James Baldwin) in das Mikrofon gesprochen - zementiert. Zudem: Anwesende Sprachunkundige konnten selbstverständlich überhaupt nix mit dem ganzen Textbrei anfangen und blieben, intellektuell gesehen, unbetreuter Maßen auf der Strecke.

Ganz zum Schluss erbricht Kosoko einen weißen Schleim aus sich - das sollte dann wohl seine hochfinale Voodoo-Anspielung zum Ausdruck bringen oder so.




#negrophobia | Foto (C) Scott Shaw

Andre Sokolowski - 1. September 2016
ID 9511
#negrophobia (HAU3, 31.08.2016)
Entwicklung, Konzept und Installation: Jaamil Olawale Kosoko
Mit: IMMA/MESS, Jeremy Toussaint-Baptiste und Jaamil Olawale Kosoko
Bühne: Kate Watson-Wallace und Jaamil Olawale Kosoko
Kostüm: Jaamil Olawale Kosoko und IMMA/MESS
Ton, Video & Technik: Jeremy Toussaint-Baptiste
Lichtdesign: Sarena Wong
Bühnenmeister & Assistenz Licht: Jonathan Gonzalez
Dramaturgie: Mersiha Mesihovic
Video Design: James Doolittle, Jeremy Toussaint-Baptiste und Jaamil Olawale Kosoko
Assistenz Studio: Aaron Philip Maier
Publizist, Blake Zidell & Associates: Emily Reilly
Post Performance Discussant: Brenda Dixon-Gottschild, PhD


Weitere Infos siehe auch: http://www.tanzimaugust.de


http://www.andre-sokolowski.de

Tanz im August



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