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THEATER DER WELT | Düsseldorf, 17.06.-04.07.2021

Sisi Pelebe

Kelvinmary Ndukwe


Bewertung:    



Vorgestern skandierten die Jugendlichen Ist mein Mikro an?: „Schafft den Kapitalismus ab“. Sie hätten nur den Blick nach rechts wenden müssen, um damit anzufangen. Gleich neben dem Schauspielhaus steht der Architektur gewordene Kapitalismus, das so genannte Dreischeibenhaus, ein Wolkenkratzer von ausgesuchter Hässlichkeit. Fährt man mit dem Lift in den 22. Stock, hat man einen Überblick über Düsseldorf wie einst die Raubritter und Feudalherren von ihren Burgen aus über die Siedlungen ihrer Untertanen. Von hier muss man noch eine Treppe hochsteigen, um einen kuriosen Raum zu erreichen, in dem ein Ensemble aus Nigeria auf Einladung von THEATER DER WELT Sisi Pelebe von Kelvinmary Ndukwe zeigt.

Ich sitze auf einer Art Galerie, von wo ich durch eine Glasbrüstung auf das Geschehen herabschaue. Da zum Teil unterhalb der Galerie gespielt wird, kann ich nur ahnen, von wo die gedämpften Stimmen kommen. Querbalken verstellen auch dann noch den Blick, wenn die Spieler in die Mitte des Raums treten: ich sehe kopflose Körper, im Theater ein eher eingeschränktes Vergnügen.

Wer annimmt, dass Theater in Nigeria sich grundlegend von dem uns vertrauten Theater unterscheidet, wird überrascht. Die Vorstellung erinnert an die Londoner Lunchtime Theatres, in denen in Hinterzimmern von Pubs Stücke aufgeführt werden, die Angestellte aus den umliegenden Büros in der Mittagspause besuchen können und die zu diesem Zweck nicht mehr als eine Stunde dauern, mit wenig Darstellern und wenig Aufwand auskommen und meist dialoglastig sind.

Sisi Pelebe handelt von einer Familie und den verwirrenden Geschlechterverhältnissen. Wenn hier das „Skandalon“ der Homosexualität abgehandelt wird, gewinnt der westliche Zuschauer den Eindruck, dass mit großer Verspätung eine Mischung aus Henrik Ibsen und Martin Sperr ihre afrikanische Variante realisiert. Fremde Kulturen? Von wegen.

Ein sehr typischer jüdischer Witz erzählt, noch von keiner Sprachvorschrift reglementiert, von einem Juden, der in der New Yorker Subway einem Schwarzen gegenüber sitzt, der die Thora liest. Da beugt sich der Jude vor und fragt: „Sagen Sie, Neger allein genügt Ihnen nicht?“

Der tiefere Kern dieses ungeheuer traurigen Witzes besagt: man kann auch mehr als einer diskriminierten Minderheit angehören. Man kann Afrikaner und zugleich lesbisch oder schwul sein. In unseren Breiten zerbricht man sich darüber nicht den Kopf. So hilft uns das Gastspiel aus Nigeria, einen weißen Fleck in unserer Wahrnehmung zu füllen. Dass die Durchführung nicht ganz großes Theater ist: geschenkt. Das ganz große Theater ist in diesem Festival bislang ohnedies ausgeblieben. Bescheiden wir uns vorläufig mit nicht alltäglicher Information.



Sisi Pelebe von Kelvinmary Ndukwe | Foto: Ajibola Fasola

Thomas Rothschild – 25. Juni 2021
ID 12997
Weitere Infos siehe auch: https://www.theaterderwelt.de


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