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THEATER DER WELT | Düsseldorf, 17.06.-04.07.2021

Dragón

Guillermo Calderón


Bewertung:    



Dragón – der Drache – ist ein Duo (früher waren sie drei), das mittels Theater und Performance zu den gesellschaftlichen Katastrophen unserer Gegenwart Stellung nehmen, mehr noch: in diese eingreifen möchte. Das Paradox des Stücks des Chilenen Guillermo Calderón besteht darin, dass es politisches Theater ist, das von der Hilflosigkeit des politischen Theaters handelt. Es nimmt sich aus, wie wenn Yasmina Reza Die Gerechten von Albert Camus geschrieben hätte. Die Dialoge sind knapp und pointiert, ihr Witz ist subtil und begeht nicht Verrat am ernsten Kern der Problematik. Wenn sich die Protagonisten auf Augusto Boals „Unsichtbares Theater“ beziehen, so steckt mehr Bewunderung für den brasilianischen Theaterrevolutionär als Ironie darin.

Anders als Camus' russische Anarchisten, planen Calderóns Figuren keinen Mord. Sie verharren auf der Ebene der Künste, des zwar nicht schönen, sondern eher verstörenden Scheins. Die verabscheute Wirklichkeit, die sie inszenieren wollen, um zu schockieren und zu provozieren, bleibt Fake. Das wirft allerlei Fragen der Repräsentation auf, die Calderón nicht erfinden musste: Sie gehören zum Repertoire der aktuellen künstlerischen Debatten, gelegentlich auch verzerrt, wenn etwa diskutiert wird, ob die Hautfetzen eines in die Luft gesprengten Afrikaners schwarz sind. Im Kontrast dazu findet der gesamte durch wenige knappe Töne untermalte Dialog in einer Art Kantine mit dicht beisammen stehenden Tischen statt.

Die live aus Santiago de Chile gestreamte Inszenierung bestätigt die Ansicht, dass derlei allenfalls ein Notbehelf sein kann. Allzu mechanisch wechseln die Aufnahmen der ziemlich statischen Kameras, und die vorherrschenden Großaufnahmen denunzieren eine Mimik, die auf der Bühne am Platz ist, hier aber überzogen wirkt. Das ist weder Film, noch Theater, noch nicht einmal Fernsehtheater. Die Thematik rechtfertigt die Aufnahme von Dragón ins Programm von Theater der Welt. Seine volle Wirkung könnte es nur bei physischer Präsenz entwickeln.



Dragón von Guillermo Calderón | Foto: Eugenia Paz

Thomas Rothschild – 22. Juni 2021
ID 12991
Weitere Infos siehe auch: https://www.theaterderwelt.de/


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