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Premierenkritik

8. Juni 2012 - Staatsoper im Schiller Theater

RAPPRESENTATIONE DI ANIMA ET DI CORPO

VON EMILIO DE CAVALIERI


RAPPRESENTATIONE DI ANIMA ET DI CORPO in der Regie von Achim Freyer an der Staatsoper im Schiller Theater / Von oben nach unten: Mark Milhofer (als Piacere ), Kyungho Kim (als Primo compagno di Piacere ) und Marcos Fink (als Secondo compagno di Piacere) - Foto (C) Hermann und Clärchen Baus


Um die "Seele" kümmerte sich René Jacobs - und den "Körper" formte Achim Freyer

Passte irgendwie mal wieder gut:

Im Umfelde der dOCUMENTA13 machte Achim Freyer, dieser große Opern-Kunst-Installateur, uns jetzt, also rein optisch, mit der Noch-nicht-Oper und/oder dem Noch-nicht-Oratorium Rappresentatione di Anima et di Corpo (dt.: Das Spiel von Seele und Körper) von Emilio de Cavalieri (1550-1602) vertraut. Ein nicht ganz ungewagtes Unterfangen, denn das Werk ist ziemlich alt und - außer bei den eingefleischten Spezialisten Alter oder ältester Musik - im Allgemeinen unbekannt!

Von Silke Leopold, die ihres Zeichens quasi eine Hochextrem-Expertin für das Alt-Ältere ist (sie wird als Ordinaria und Direktorin des Musikwissenschaftlichen Seminars der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg gezeichnet), lesen wir in dem Zusammenhang: "Über die Frage, ob Emilio de Cavalieris Rappresentatione di Anima et di Corpo eine Oper oder ein Oratorium sei, herrscht bis heute keine Einigkeit. Als Spiel mit einem geistlichen Sujet tendiere sie, so die einen, eher zum Oratorium; die ausführlichen Hinweise zur szenischen Aufführung im Vorwort deuten dagegen, so die anderen, eher auf die Oper hin. Dabei ist die Antwort auf die Frage sehr einfach: Die Rappresentatione ist weder das eine noch das andere, weil es, als sie entstand, weder Oper noch Oratorium gab." [Quelle: Programmheft, S. 6]

Jetzt wissen wir es also aus berufnem Munde - und jetzt ahnen wir es auch, weshalb die Deutsche Staatsoper Berlin sich keine Besseren sowie Gewiefteren als Freyer und sein Team (Freyer Ensemble, beispielsweise) für das merkwürdige Ding zusammensuchen wollte; für so etwas Merkwürdiges braucht es nun mal eine sehr, sehr artifizielle Handschrift; Inszenierung, Bühnenbild, Kostüme, Lichtkonzept = alles, wie stets, vom Magier Freyer höchstpersönlich und in Personalunion!

Ja und so sieht der Bühnenraum natürlich wieder einmal ganz, ganz anders aus als üblich: Er ragt mittels einer Riesenschräge weit über den zugeschlossenen Orchestergraben fast bis ins Parkett hinein. Auf ihm ein Kreide-Hopscotch, dessen einzelne Quadrate wechselnd-farblich ausgeleuchtet oder angestrahlt werden. Darauf diverse Freyer'liche Untensilien (schwarze Hüte, bunte Schuhe, Plasteknochen usw.), die gelegentlich dahingeworfen sind... Rechts/links der großen Auftritts-und Aktionsfläche das (Über-)Aufgebot einer verstärkten Akademie für Alte Musik Berlin, die also nicht nur musizieren, sondern auch noch mitagieren muss, sowie die klanglich-delikate Hauptessenz des Chors der Deutschen Staatsoper Berlin (Choreinstudierung von Frank Markowitsch) als auch die 17 Sängerinnen/Sänger mit ihren haupt-/nebenrollenmäßigen Verpflichtungen... Weit hinten grenzt so eine Art von Fernorchester (auch aus Mitgliedern der Akamus bestehend) den bespielbaren und zu bespielenden Gesamtraum ab... Diverse Disco-Kugeln streuen weißes oder buntes Punktelicht ins Auditorium.

Anfangs - und das wiederholt sich jeweils zu Beginn der nachfolgenden Akte - klären uns die beiden kessen Jungen vom Berliner Staats- und Domchor (Thoma Wutz / Raphael Zinser) über zu Erwartendes in diesem merkwürdigen Spiel von Seele und Körper auf; die Quintessenz von all dem Allegorischen könnte für uns, die Heutigen, womöglich so "gelesen" sein: Ob groß oder ob klein, ob schön oder ob hässlich, ob gescheit oder ob doof, ob arm oder ob reich - wir gehen alle volldampfmäßig in die Grube; Schluss.

Die Hauptakteure (s. u.) tragen Freyers allbekannte Kollektion aus Sachen und Klamotten, worin sie sich wohl (oder auch nicht wohl) fühlen können bzw. welche ihnen ausreichend Bewegungsfreiheiten (oder auch nicht) gewähren. Es wird sich zudem - auch wieder freyertypisch - sehr geziert und sehr gestylt bewegt.

Sensationelle musikalische Entdeckung! (Hatten wir das etwa bis hierher noch nicht erwähnt?) Ja, René Jacobs stellte eine bühnentaugliche Fassung Rappresentationes her und dirigierte auf den Punkt genau.

Erstklassig dargeboten; herrliche, zum In-sich-Gehen motivierende Musik. Sehr kurzweilig das Alles.




Typisch Achim Freyer! Rechts balancierend: Johannes Weisser (als Corpo) in RAPPRESENTATIONE DI ANIMA ET DI CORPO an der Staatsoper im Schiller Theater - Foto (C) Hermann und Clärchen Baus


Andre Sokolowski - 9. Juni 2012
ID 00000006026
RAPPRESENTATIONE DI ANIMA ET DI CORPO (Staatsoper im Schiller Theater, 08.06.2012)
Musikalische Leitung: René Jacobs
Inszenierung | Bühnenbild | Kostüme | Lichtkonzeption: Achim Freyer
Choreinstudierung: Frank Markowitsch
Licht: Olaf Freese
Besetzung:
Anima ... Marie-Claude Chappuis
Corpo ... Johannes Weisser
Tempo | Consiglio ... Gyula Orendt
Intelletto | Piacere ... Mark Milhofer
Primo compagno di Piacere ... Kyungho Kim
Mondo | Secondo compagno di Piacere | Anima dannata ... Marcos Fink
Vita mondana ... Luciana Mancini
Angelo custode | Avveduto | Prudentio ... Knabensolisten des Staats- und Domchores
Himmelsstimme Sopran | Angelo Custode ... Narine Yeghiyan
Himmelsstimme Mezzosopran ... Elisabeth Fleming
Himmelsstimme Countertenor ... Benno Schachtner
Himmelsstimme Tenor ... Florian Hoffmann
Himmelsstimme Bass ... Alin Anca
Freyer Ensemble
Staatsopernchor
Akademie für Alte Musik Berlin
Premiere war am 8. Juni 2012
Weitere Termine: 10., 13., 15., 17. 6. 2012


Weitere Infos siehe auch: http://www.staatsoper-berlin.de


http://www.andre-sokolowski.de



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