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12. August 2010, frappant-theater

DAS BLUT ("LA SANG")

von Sergi Belbel, aus dem Katalanischen von Klaus Laabs


Das ist Sergi Belbel, von dem DAS BLUT als Berliner Erstaufführung jetzt durch das frappant-theater (Regie: Joerg Paschke) realisiert wurde


Finger, Ohr, Fuß, Kopf ab!!!! (Und danach, zum Ficken, ab ans Meer...)


DAS BLUT von Sergi Belbel ist kein schönes Stück! Aber auch kein besonders gutes: Kein schönes Stück deshalb, weil es halt um ziemlich unappetitliche Vorgänge wie Finger-, Ohr-, Fuß-, Kopfabhacken geht. Und kein besonders gutes Stück, weil es ihm doch an einer Sinn-Gebung mangelt und es auch keinen rechten Aus-Weg in ihm gibt...

Der Plot: Politiker-Gattin (auch als Psycho-und Sozialwissenschaftlerin im Fernsehen bekannt) wird von einer dem Staat feindlich gesonnenen Splittergruppe entführt und verschleppt. Man fordert ein Lösegeld in schwindelerregender Höhe; später gibt man vor, "noch mehr als Geld" gefordert zu haben - ein junger Mann/eine junge Frau/ein kleines Mädchen sind die eigentliche Zelle der besagten Un-Tat, denn: Die Politiker-Gattin wird, zur Bekräftigung der erpresserischen (freilich kriminellen!!) Forderung, um je ein Körperteil befreit; zum Schluss fiele - und fällt - ihr Kopf!

Der Gatte der Politiker-Gattin, mit einem jungen Liebchen ausgestattet, zahlt natürlich oder würde zahlen oder hätte längst gezahlt; egal - - der Kopf des Opfers fällt, ob so oder so... und darin (= der Kopf des Opfers fällt, ob so oder so) liegt die Hauptschwäche des Stücks von Belbel, das uns deprimierend weismacht, dass es so und so dann in der bösen bösen Welt ja sowieso nicht niemals keinen rechten Aus-Weg gibt...

Der Schluss des Stücks geht zudem so, dass dann das (kriminelle!!) Paar, nachdem es den Kopf des Opfers abgehackt haben würde oder abgehackt hat, sich auf kommende erholsame und schöne Stunden am Meer, wohin es nach getaner Arbeit (zum Ficken!) fahren würde, freut oder so ähnlich...

Ein dramatisch-dramaturgisches Armutszeugnis sondergleichen. Belbel hat Besseres geschrieben, unbedingt.



Kurz nach der Geiselnahme muss sich die Politiker-Gattin einer ersten, freilich nicht so bös gemeinten, Züchtigung durch Eine von den Kriminellen unteziehen - Foto (C) Marcus Lieberenz

Joerg Paschke hat das Stück gediegen und mit wenig Aufwand inszeniert. Helmut Brosch schuf ihm hierzu sehr einfache und sehr bewegliche Kulissen; am Anfang wird ein Video eingespielt, wo man die späterhin entführte Politiker-Gattin (emotional gespielt und vorgeführt von Anna Haack) als Psycho- und Sozialexpertin interviewt sieht - da sagt sie eigentlich dann Alles schon voraus, was sich hiernach an ihr höchstselbst dann abspielte à la Frauen-und-Männer-sind-in-den-Extremsituationen-eigentlich-dann-alle-gleich...

Iris Boss & Uwe Schwarz spielen das Mörderpaar, das freilich vorgibt, im Namen der Partei oder so ähnlich zu handeln oder gehandelt zu haben...

Und Ariane Ott gibt so'nem kleinen Mädchen Stimme und Figur; das kleine Mädchen wurde dann vom Autor eingedichtet, um zu zeigen, dass dann auch ein kleines Mädchen (irgendeine ominöse Opfer-Geschichte spielte sich da ab, wo die Mutter des kleinen Mädchens vor seinen eigenen Augen ermordet worden war; und seitdem ist das kleine Mädchen halt etwas verhaltensgestört und lebt - wieso eigentlich? - in der Obhut dieser Geiselnehmer resp. ihrer auftraggebenden Partei) eine schicksalhafte Vorgeschichte hat...

André Kudella ist als Junge, Polizist und Ehemann zu sehen.

Die fünf SchauspielerInnen agieren jeweils in mehreren Rollen.


Jemand bringt ein neues Körperteil der entfühten Politiker-Gattin bei der Polizei vorbei... - Foto (C) Marcus Lieberenz


Deprimierendes Verlassen einer Vorstellung, die nicht mehr geben konnte, als das Stück vorgab.


Andre Sokolowski - 13. August 2010
ID 00000004765
DAS BLUT von Sergi Belbel (Premiere am 12.08.2010, Theater im Schokohof)
Mit: Anna Haack, Iris Boss, Ariane Ott, André Kudella und Uwe Schwarz
Regie: Joerg Paschke
Raum/Kostüme: Helmut Brosch
Dramaturgie: Frank Scheffler
Toncollagen: Michael Hillebrecht
Videoschnipsel: Thomas Hechelmann

Weitere Aufführungen:
13. / 14. / 15. / 19. / 20. / 21. / 22. 8. 2010 (je 21 Uhr)

Adresse/Tel./E-Mail:
Theater im Schokohof, Ackerstraße 169/170, 10115 Berlin
(030)4410009
tickets@tisch2009.de

Weitere Infos siehe auch: http://www.tisch2009.de


http://www.andre-sokolowski.de



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