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Feuilleton Theater

INTEATA

Hohenzollernring 99-101
50672 Köln
Tel/Fax 0221-5103720
www.inteata.de

INTEATA, Köln

"Kieselasche [DE]"

von Daniel Danis
vergangenen Samstag, den 13. Maärz 2004 wurde die INTEATA-Produktion "Kieselasche [DE]" von Daniel Danis bei THEATERZWANG 2004, dem 11. Festival Freier Theater NRW, aus insgesamt 19 Produktionen als herausragende Produktion ausgewählt und ausgezeichnet mit einem der insgesamt sechs Preise THEATERZWANG.
Die Preise sind jeweils mit 7500 Euro dotiert. Alle Preisträger nehmen außerdem an einem Auftrittsnetzwerk teil, das durch die Kulturstiftung NRW finanziert und vom Kultursekretariat NRW organisiert wird.
Evelyn Tzortzakis (als "Pascale") und Maria-Debora Wolf (als "Shirley") waren außerdem mit weiteren sechs Kollegen des Festivals für den vom WDR ausgeschriebenen Darstellerpreis nominiert.

I. „Kieselasche“ (DE): Stück und Autor
II. Pressestimmen zur INTEATA Produktion „Kieselasche“
III. Das Ensemble von „Kieselasche“
IV. Über das INTEATA


Christoph Wehr und Evelyn Tzortzakis in „Kieselasche“, Foto: Bernd Arnold


I. DE „Kieselasche“ von Daniel Danis

Eine Produktion des INTEATA im Haus ORANGE
Premiere: 29. Oktober 2003
Nominiert für den Kölner Theaterpreis 2003
Eingeladen zu Theaterzwang 2004

Inszenierung: Inka Neubert
Ausstattung/Licht: Alireza Varzandeh
Musik: Marek Goldowski
Besetzung: Martin Skoda (Coco), Evelyn Tzortzakis (Pascale), Christoph Wehr (Clermont), Debora Wolf (Shirley)

Zum Stück
„Mit Pascale, seiner elfjährigen Tochter hat sich Clermont aufs Land geflüchtet. Er versucht dort über den Verlust seiner Frau hinwegzukommen, die von einem Verrückten vergewaltigt und ermordet worden war. Auf einem verlassenen Anwesen am Steinfluss, rackert sich der ehemalige Städter damit ab, Haus und Garten wieder in Schuss zu bringen und den Keller von Steinen freizuräumen. Dabei vermeidet er jeden Kontakt zur Aussenwelt... Shirley aber, eine geduldige Amazonenkriegerin, hat sich geschworen, bei diesem Mann das Eis zu brechen und möchte Schicksal für ihn spielen – und wird es tun, wenn auch anders als gewollt.“
(Daniel Danis über „Kieselasche“)

Zu Beginn der Geschichte hat das Drama bereits stattgefunden, wir erfahren die Geschichte als Rückblende, die Toten erfinden nachträglich Worte für die Poesie und Magie ihrer Landschaft und für die grenzenlose Macht ihrer Gefühle. Monologischer Bericht und Dialogpartien erschaffen im Wechsel der vier Erzählerstimmen das packende Echo einer schicksalhaften Begebenheit um Liebe, Loyalität und Verrat.

Zum Autor
Daniel Danis, geboren 1962, arbeitete als Schauspieler und Regisseur und lebt jetzt als Schriftsteller und bildender Künstler in Saguenay, Quebec. 1993 erhielt gleich sein erstes Theaterstück „Celle-là“ den Kritikerpreis von Montreal, den Prix gouverneur générale von Kanada und den Preis für das beste Kunstwerk in französischer Sprache in Paris1995. „Kieselasche“, sein zweites Stück, wurde 1992 veröffentlicht und in Frankreich mehrfach ausgezeichnet.


II. Pressestimmen zur INTEATA-Produktion „Kieselasche“

Wer im Publikum die Erschütterung zugelassen hat, wird diese deutsche Erstaufführung lange nicht vergessen. Eine Tragödie von archaischer Gewalt, erzählt mit größtmöglicher Abstraktion. Ihn interessiere „nicht die Psychologie der Figuren, sondern die Energie zwischen ihnen“ sagt Danis. Diesen Energiestrom, der wächst bis er alles mit sich reißt und vernichtet, vermag Regisseurin Inka Neubert sichtbar zu machen. Mit untrüglichem Gespür für Tempoverschiebungen lässt sie Danis‘ Text für sich sprechen. Die Gewalt, mit der am Ende das kunstvolle Liebesgebilde sich selbst zerfetzt, wirkt darum um so erschütternder. Kongenial die Ausstattung durch Alireza Varzandeh, der hier mit minimalem Bühnenbild maximale Präsenz erreicht. Martin Skoda verleiht dem Außenseiter Coco Brutalität und Zerbrechlichkeit. Maria-Debora Wolf spielt eine Shirley zwischen Zynismus und Selbstaufgabe. Noch stärker die Vater-Tochter-Verbindung von Evelyn Tzotzakis, die mit Nuancen im Sprachausdruck selbst als Elfjährige überzeugt, und Christoph Wehr, dem Kiesel, der sich zur völligen Selbstentäußerung steigert und vor aller Augen zu Asche zerfällt. Grandios.
Oliver Cech im Kölner Stadt-Anzeiger

Die theatrale Gegenwelt, vor allem in Gestalt von Christoph Wehr als Vater und „Kiesel“ Clermont, und die punktgenaue Verwendung körperlicher Mittel durch die Regie schlagen uns in Bann. Nähe und Verzweiflung zwischen Tochter Pascale und Vater vermitteln sich vollständig in einer der sparsamen körperlichen Interaktionen, einer Umarmung. Selten wird die Lage einer Heranwachsenden so präzise vermittelt wie im leichten, leichten Hospitalismus-Schwanken der Tochter .
Suzanne Finken, Stadtrevue (Dezemberheft 2003)

Das Stück, das in Köln von Inka Neubert und ihrem INTEATA deutsch erstaufgeführt wurde, ist ein kleines Meisterwerk der perspektivischen Erzählung. Vier Figuren rollen die heikle Geschichte in einem Reigen ineinander verschachtelter Monologe aus Rückblenden, Situationsbeschreibungen und innerer Zwiesprache auf. Der Spielort, ein verlassenes altes Bürohaus am Kölner Rheinufer transportiert die Aura des Texts durchaus eigenwillig in unsere Breitengrade. Inka Neubert setzt in ihrer Inszenierung auf die poetische Kraft von Danis‘ Text, gibt ihr den Charakter einer Textinstallation. Rolf Hemke, Theater der Zeit (Dezemberheft 2003)

Die Regisseurin - und mehrfache Kölner Theaterpreisträgerin - Inka Neubert lässt den Figuren zu Beginn viel Zeit. Langsam, stumm und lauernd nehmen sie den kargen Bühnenraum ein. Ohne Worte entsteht bereits in den ersten Minuten eine beklemmende Atmosphäre. Die Figuren sind gefangen in ihren monologischen Erinnerungen, getrieben vom aussichtslosen Wunsch nach Erklärung. So werden sprachlich aber auch durch geschickte Konstellationen der Figuren im Raum immer wieder neue Spannungsfelder aufgebaut. Im Hintergrund der ansonsten kargen Spielfläche hängen, entsprechend der vier Protagonisten, vier Milchglasscheiben, die im Verlauf der Geschichte mit unterschiedlichem Licht ausgeleuchtet werden und damit die Abstraktion und Poesie des Textes unterstreichen. Ergänzt und gesteigert wird diese Architektur des Bühnenbildes von Alireza Varzandeh durch Marek Goldowskis Musik, deren Klanglandschaft die Atmosphäre zusätzlich verdichtet. Diesen optischen und akustischen Raum wissen die Schauspieler auf grandiose Art und Weise zu nutzen. Alles in allem ist dieser Theaterabend von einer Intensität und atmosphärischen Dichte, die seinesgleichen sucht. Verdienterweise ist diese Produktion für den „Theaterzwang 2004“ nominiert worden.
Sibylle Heim auf www.theater.de


III. Das Ensemble von Kieselasche

Inka Neubert (Regie) arbeitet seit 1997 als freie Regisseurin in Köln, Stuttgart und Paderborn. Sie ist Mitbegründerin und künstlerische Leiterin des INTEATA. Mit ihren Inszenierungen literarisch anspruchsvoller Bühnentexte hat sich Inka Neubert in der Theaterszene Köln einen Namen gemacht. Bereits zwei Mal, 1997 und 1999 erhielt sie den Kölner Theaterpreis – zuletzt für die Inszenierung Roland Schimmelpfennigs „Die ewige Maria“. Seit 2001 ist sie Dozentin für Darstellung an der ARTURO Schauspielschule in Köln. Ihre aktuelle Inszenierung, „Kieselasche“ (DE) von Daniel Danis , ist für den Kölner Theaterpreis 2003 nominiert und eingeladen zu Theaterzwang 2004.

Alireza Varzandeh (Ausstattung) ist Maler, Grafiker und Bühnenausstatter. Seine bildnerischen Arbeiten waren auf zahlreichen Einzel- und Gruppen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Im Rahmen der DE von Kieselasche zeigt er Ölgemälde zum Thema „Landschaften“ als Teil der Ausstellung „Die Liebe kann eine Landschaft verändern“ im Haus ORANGE. Seit 1994 arbeitet er als Ausstatter mit Inka Neubert zusammen. Er schuf u.a. Bühne und Kostüme für ihre mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichneten Inszenierungen „Rindviecher sollen nicht lachen“(1997) und „Die ewige Maria“ (1999). Alireza Varzandeh ist Mitbegründer und künstlerischer Leiter des INTEATA.

Marek Goldowski (Musik) arbeitet seit 1991 im Bereich experimenteller kontextloser und elektroakustischer Musik zwischen Klanginstallation (u.a. „Windtuner“, „Steps“, „Encounter One/Two“, „Die Leichtigkeit...“, „EPG“ mit Natalie Bewernitz) und Film- und Theatersoundtrack (u.a. Heiner Müller „Germania 3“ am Schauspielhaus Bochum, Soundtrack zu „Das Weisse Rauschen“).

Martin Skoda (Schauspieler) besuchte die Westfälische Schauspielschule Bochum. Nach seinem Abschluss 1991 hatte er Engagements u.a. in Oberhausen, Augsburg und Bochum. 2002 spielte er den „Andrew“ in der „Mittsommernachtssex-komödie“ von Woody Allen in Dinslaken. Neben seiner kontinuierlichen Theaterarbeit war er in diversen Film- und Fernsehrollen zu sehen und ist als Sprecher für Hörspiele beim WDR tätig.

Evelyn Tzortzakis (Schauspielerin) beendete 2002 ihre Ausbildung an der Kölner ARTURO Schauspielschule und spielte im letzten Jahr ihre ersten Bühnenrollen als „B“ in „Arschkarte“ (Gesine Danckwart) am Freien Werkstatt Theater und in der DE von „Das Matterhorn ist schön“ (Beat Sterchi), einer INTEATA-Produktion, beide unter der Regie von Inka Neubert. Sie war nominiert für den Puck 2002, eine Auszeichnung der Theatergemeinde Köln für die beste Nachwuchsschauspielerin. Zuletzt spielte sie die Klara in der UA „Das Muttermal“.

Christoph Wehr (Schauspieler) studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, bevor er von 1988 bis 1992 die Hochschule für Musik und Theater Hannover besuchte. Es folgten Engagements in Wuppertal, Düsseldorf und Göttingen. Letzte Spielzeit war er unter anderem am Prinz-Regent-Theater in Bochum zu sehen. Neben seiner Arbeit als Schauspieler inszeniert er selbst, zuletzt „Le Schmürz“ von Boris Vian. Außerdem unterrichtet er als Dozent für Darstellung an der Arturo Schauspielschule in Köln.

Maria Debora Wolf (Schauspielerin) machte 1997 ihren Abschluss an der Schule für Schauspiel in Kiel. Danach arbeitete sie unter anderem in Kiel, Regensburg und Hamburg und hatte eigene Chanson-Programme. Ihre letzten Bühnenrollen 2003 waren „Die Blinde“ in Lohers „Blaubart“ am Tiyatrom Theater Berlin und die „Alkmene“ in Amphitryon von Molière am Berliner Cabuwazi Theater.


IV. Über das INTEATA

Im Jahr 2000 gründeten Inka Neubert und Alireza Varzandeh das INTEATA.

Die Regisseurin Inka Neubert und der Maler Alireza Varzandeh arbeiten seit 1994 zusammen. Ihre Produktionen heben die Grenzen von Malerei und Theater auf, ermöglichen Wechselwirkungen zwischen Literatur und Spiel, Wort und Musik, Bildern und Bewegung. Diese Inszenierungskonzeption wurde bereits zweimal, 1997 und 1999, mit dem "Kölner Theaterpreis" ausgezeichnet. Der Kölner Theaterpreis wird vergeben für die beste Inszenierung der Kölner freien Szene. Auch die aktuelle Produktion „Kieselasche“ wurde nominiert für den Kölner Theaterpreis 2003 und eingeladen zum NRW Theaterfestival Theaterzwang 2004.

Das INTEATA ist ein freies Theater ohne eigenes Haus, das sich die Produktion zeitgenössischer Stücke zum Ziel gesetzt hat und dabei auf das Zusammenspiel von Theater, Bildender Kunst und Musik setzt. Für jedes Stück soll der ihm entsprechende Raum gefunden werden, der dann für die Dauer der Vorstellungen in eine Spielstätte verwandelt wird. Das können Museums-Räume ebenso wie multi-funktionale Veranstaltungsräume oder Cafés sein.

Es gehört zum grundsätzlichen Arbeitsansatz des INTEATA, die Kunstform Theater als ein am Text orientiertes Zusammenwirken von KünstlerInnen verschiedener Kunstsparten zu begreifen. Dass sich dies nicht auf das Gebiet der Malerei beschränkt, zeigt z.B. das Projekt „Das Matterhorn ist schön“, das im Oktober 2002 im ehemaligen British Council Premiere hatte: Regie führte Inka Neubert, verantwortlich für das Bühnenbild war Alireza Varzandeh, für die Komposition der Musik der Kölner Jazzmusiker ebasa und für die Choreografie der Tänzer Ingo Diehl. Bei dem Projekt „Kieselasche“ wurde dieses Prinzip weiterverfolgt, hier arbeiteten Inka Neubert und Alireza Varzandeh mit dem Kölner Musiker und Klangkünstler Marek Goldowski zusammen. Spielort dieser Produktion war die ehemalige Bundesbahnkantine in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs, die für diese Zeit umbenannt wurde in „Haus ORANGE“.

Das INTEATA wird unterstützt vom Kulturamt der Stadt Köln, dem Land NRW, der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW und dem Fonds Darstellende Künste e.V..
15. März 2004


Ergänzende Informationen und Fotos zu den aktuellen Inszenierungen finden Sie auf unserer Internetseite unter www.inteata.de.




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