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FESTIVAL "Leaving is not an option?"

15. März 2014 - HAU Hebbel am Ufer

DAWN

von Hodworks


Dawn von Hodworks - Foto (C) KNI



2 (4) Parallel-Geschichten


Die aktuellen künstlerischen Positionen aus Ungarn, die momentan im HAU Hebbel am Ufer ein zu untersuchender Gegenstand des achttägigen Festivals unter dem Titel "Leaving is not an option?" sind, könnte man auch - ganz nebenbei bemerkt - durch einen kurzsichtigen Blick in jene ausliegende hausinterne Drucksache anhand so depressiver Überschriften oder Überschriftenteile wie "Es ist ein Leben ohne Illusion", "Gruppenzeitreise, zukunftslos", "Alles darunter schmilzt weg" o.s.ä. irrtümlicher Weise kurzgeschlossen kriegen. Freilich wissen wir, was eigentlich gemeint ist - dennoch; nein, das stimmt fürwahr nicht fröhlich, und es macht auch nicht besonders Mut (wenn man so etwas liest).

EU-Land Ungarn wird derzeit von einer selbstbewusst-rechtslastigen Regierung angeführt. Gelebter Antisemitismus oder Roma-Morde sind dabei nur zwei von einer Serie grauenhafter Schlagzeilen. Ja und so "selbstbewusst", wie sich die derzeitigen Machthaber dort geben, sind die Ungarn als sohin gebeutelte Nation oder erziehenswerte EU-Bürger wohl mitnichten; falls wer irgend etwas über die Geschichte Ungarns und die Magyaren näher und aus erster Quelle wissen will, greife er stark-beherzt zu Péter Nádas Parallelgeschichten - da steht alles drin!

Wie gut - um einen ausweichenden, kühnen Bogen um das Alles (s.o.) zu versuchen - , dass man sich am Ende hin und wieder doch noch auf den eignen Körper irgendwie verlassen kann...

*

Mit der dreiviertelstündigen Performance Dawn versinnbildlichen Emese Cuhorka, Júlia Garai, Csaba Molnár und Marcio Canabarro ausschließliche Leib- und Leidgegebenheiten:

Als zwei Paare (jeweils Mann & Frau) betreten sie das Spielquadrat, um das herum die Stuhlreihen der Zusehenden angeordnet sind. Sie legen ihre Kleidungsstücke (Trainingszeug) beiseite und sind fortan splitternackt - was danach folgt, ist ein nicht enden wollendes Begehen und Begreifen und Begehren und Begatten ihrer selbst; nicht eine ihrer körperlichen Gesten läuft dabei Gefahr, dass man als Zuschauer (so derart nahe wie man den vier Körpern resp. ihren Körperöffnungen beisitzt) ins voyeristisch Sexuelle abgetrieben wird - das fassungslos Bewundernde obsiegt bei "näherer Betrachtung". Ist es wirklich möglich, dass man durch Bewegungen oder Beruhigungen (dieser Bewegungen) dem eigentlichen Leibwunder der Liebe auf die Spur(en) kommt?

Der Choreografin Adrienn Hód (s.u.) verdanken die vier Tänzerinnen und Tänzer ihre dem menschlichen Leib geweihte kollektive Morgenröte.

Ich gestehe, so viel sichtlich Schönes selten oder lange nicht oder vielleicht sogar noch nie erlebt gehabt zu haben!



Dawn von Hodworks - Foto (C) KNI



Bewertung:    

Andre Sokolowski - 16. März 2014
ID 7678
"Adrienn Hód zählt zu den wichtigsten Stimmen in derzeitgenössischen Tanzszene Ungarns. Sie ist bekannt für ihren radikalen Zugang zum Körper, zum Raum, zu experimenteller Musik und für die Kompromisslosigkeit, in der sie diese Komponenten miteinander verknüpft. Im Zentrum der aktuellen Produktion Dawn ihrer Kompanie Hodworks steht der menschliche Körper. Er entfaltet sich vor unseren Augen wie eine Landschaft, die nur durch die Umrisse der Muskeln, die Struktur der Haut konturiert ist – frei von Vorurteilen und Zuschreibungen." (Quelle: HAU Hebbel am Ufer)

* * *

DAWN (HAU3, 15.03.2014)
Choreografie: Adrienn Hód
Mit: Emese Cuhorka, Júlia Garai, Csaba Molnár und Marcio Canabarro
Musik: Zoltán Mizsei und Zsolt Sőrés Ahad
Mitarbeit: Ármin Szabó-Székely und Marco Torrice
Licht: Kata Dézsi
Koproduktion: Trafó – House of Contemporary Arts (Budapest)


Weitere Infos siehe auch: http://www.hodworks.hu


http://www.andre-sokolowski.de



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