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Premierenkritik

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Freddie...



Davide Degano (li) und Alyosa Forlini in Freddie von James Sutherland (am Staatstheater Cottbus) | Foto (C) Bernd Schönberger

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Das Staatstheater Cottbus hat ab kommender Spielzeit seine seit 2018 existierende Ballett-Sparte von derzeit acht auf weitere vier Tänzerinnen- und Tänzerstellen aufgestockt. Ein gutes Dutzend Ausführender, denkt man, macht natürlich längst noch keine "echte Company" aus, doch auch personelle Großheit führt nicht immer gleich und automatisch zu Bedeutendheit (siehe, nur zum Vergleich, die Dauerschleife aus- und durchgehaltener Probleme vordergründig künstlerischer Art beim Staatsballett Berlin) - und hätte es jetzt nicht Freddie, den gestern Abend nach seiner Premiere frenetisch umjubelten "Ballettabend über Freddie Mercury" gegeben, wäre ich de facto immer noch so derart ahnungs- oder (besser noch) interessenlos wie vorher gewesen, was meine Wahrnehmung einer mehr oder weniger existierenden Tanz-Szene in der Lausitz anbelangte; kurzum:

Freddie hat das Zeug, zum absoluten Selbstläufer zu werden! Alle Vorstellungen bis Saisonende sind schon mal ausverkauft, ja und wenn sich das alles (hoffentlich!) rasch rumspricht, dürfte es kein Halten geben, dass "nicht nur" der Lausitzer dieses in seiner Machart hocherotische und menschlich anrührende Tanz-Spektakel live erleben will und muss; ihr solltet es vielleicht hierzu ins Große Haus verfrachten, um mehr Platz (auch für das Publikum) zu kriegen, und obgleich das wiederum den Nachteil in sich bergen würde, dass man halt dann nicht mehr diese Körper- und Gesichternähe miterleben könnte wie jetzt aktuell in der intimen Spielstätte der Kammerbühne in der Wernerstraße 60.

Ausgedacht und choreografiert wurde Freddie von James Sutherland, welcher vor seinem administrativen Ruhestand unter anderem sechs Jahre lang als Tanzdirektor und Chefchoreograf am Pfalztheater Kaiserslautern wirkte; ihm zur Seite war die Dramaturgin Eva Wagner mit für das Libretto zuständig. Der Bühnenausstatter Claus Stump kreierte auch die sehenswert-aufreizenden Kostüme (Trikots!). Den kompositorischen "Zusammenhalt" von Queen- und Arvo-Pärt-Musiken schuf der Musiker Davidson Jaconello.

Und apropos Freddie will sagen: Freddie Mercury:


"Wer ist dieser Musiker, der die Selbstinszenierung bis zur Perfektion betrieb und dennoch seine verletzliche Seite nie wirklich verbarg? Seine Texte zeugen ebenso von großer Unsicherheit und andauernder Suche wie sie – an anderer Stelle – die unbändige Lust am Auftritt, den Hunger nach Leben, die Sehnsucht nach Entgrenzung und Exzess zum Ausdruck bringen. Fast schon legendär war seine Schüchternheit; seine Höflichkeit und geschliffenen Manieren verrieten seine gute Schule, obwohl er mit Auskünften über seine Herkunft mehr als sparsam war.

Geboren als Farrokh Bulsara in Sansibar und in einem englischen Internat in Indien erzogen, kommt Freddie 1964 nach London. Die Metropole ist mitten in einer popkulturellen Revolte und er ist 17 Jahre alt, probiert sich aus und erfindet sich neu. 1970 gründet er mit dem Gitarristen Brian May und dem Schlagzeuger Roger Taylor die Band Queen – und schreibt als deren Leadsänger, Komponist und Texter während zwei Jahrzehnten Rockgeschichte."


(Quelle: staatstheater-cottbus.de)



Eigentlich weiß man nicht sehr viel übers Privatleben des einstmaligen Pop-Ikonen, dessen allverdrängende Bühnenpräsenz (mit offnem Königsmantel über freiliegender stark behaarter Brust), womit er sich und seine Bandmitglieder von Queen ins Rampenlicht zu setzen wusste und im Handumdrehen ganze Stadien füllte, eines seiner wiedererkennbaren Markenzeichen war; unter dem Slogan "The Show must go on" verlief die letzte Promotion-Tour, mit der er sein Abschiedsalbum Innuendo präsentierte, bevor er kurz darauf (für viele aus seinem näheren Umfeld nicht in dieser Überstürzung erwartet) an AIDS gestorben war. Es gab wohl eine Frau und mindestens zwei Männer, die sein kurzes Leben über eine etwas längere Distanz hinweg miteinander teilten; der lesenswerte Wikipedia-Eintrag hat das etwas näher recherchiert.

Freddies Lust und Leid zu lieben und zu leben war - soweit der nachfühlbare Kurzschluss Sutherlands - nicht allzu weit entfernt von dem, was du und ich, was wir schlussendlich von der Liebe und vom Leben wollen, und so hat das spielerisch so wundervoll und menschlich anrührend gerat'ne Tanzstück über Freddie einen glaubwürdigen Grad an Allgemeinverständlichkeit erreicht; allein schon deshalb ist es sehens- und erlebenswert!!

Das großartig von Alyosa Forlini (als Freddie) und Stefan Kulhawec getanzte Männer-Pas de deux [s. Foto unten] gestaltete sich zum versinnbildlichenden Zentralmoment geliebter und gelebter Liebes- und auch Lebenssehnsucht und stimmte so glücklich als wie traurig; halt dann so wie's wahr und wirklich ist...

Ja, geht dahin.



Alyosa Forlini (li.) und Stefan Kulhawec in Freddie von James Sutherland - am Staatstheater Cottbus | Foto (C) Bernd Schönberger

Andre Sokolowski - 7. Mai 2023
ID 14182
FREDDIE (Kammerbühne, 06.05.2023)
Ballettabend über Freddie Mercury von James Sutherland

Libretto: James Sutherland und Eva Wagner
Musik: Davidson Jaconello (Auftragskomposition), Queen und Arvo Pärt
Choreografie: James Sutherland
Bühne/Kostüme: Claus Stump
Dramaturgie: Eva Wagner
Choreografische Assistenz: Denise Ruddock
Tänzer*innen: Clara Dufay, Alyosa Forlini, Alessandro Giachetti, Stefan Kulhawec, Nyla Tollasepp, Alessandra Armorina, Davide Degano und Kate Farley
UA am Staatstheater Cottbus: 6. Mai 2023
Weitere Termine: 12., 27.05./ 11.06.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatstheater-cottbus.de


https://www.andre-sokolowski.de

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