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Tanztheater

Kontrastreiche

Körperbilder,

eine Kostprobe

Kubas



Zeleidy Crespo in Impronta von Acosta Danza | Foto © Johan Persson

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Das Licht fokussiert erst auf einen Performer, der kurze kraftvolle Gesten vollführt. Schnell schwenkt die Beleuchtung auf den nächsten versetzt stehenden über, der sogleich das gestische Spiel fortsetzt. Das Ensemble agiert oberkörperfrei; ein sie miteinander verbindendes dunkles Tuch bedeckt die Unterkörper der Performer ab dem Rumpf. Bald bewegt sich die Gruppe, verbunden durch das Tuch, skulptural wie ein einziger Körper. Plötzlich wird inmitten des dynamischen Geschehens die Tänzerin Zeleidy Crespo emporgehoben, die fortan kraftvoll und mit ihren langen Gliedmaßen katzenhaft immer wieder im Scheinwerferlicht steht. Sie verkörpert mit einer umarmenden Bewegungssprache eine spirituelle Erleuchtung wie die beschwörende Göttin Yemaja, Volksgöttin aus dem kubanischen Santería-Pantheon. In Gruppenbewegungen, Formen und choreografischen Tricks verbindet sich, zur Auftragskomposition von Pepe Gavilondo, klassisches Ballett mit zeitgenössischem Tanz.

Raúl Reinosos etwa 25-minütige Choreographie Satori ist ein starker Auftakt zum Gastspiel von Acosta Danza im Bonner Opernhaus.

Für das Programm CUBAN ECLECTICO arbeitete der Kompaniegründer Carlos Acosta mit fünf anderen Choreografen zusammen. Es wurden fünf Stücke geschaffen, die von der kubanischen Kultur inspiriert sind.

Acosta war siebzehn Jahre lang klassischer Solotänzer des renommierten Royal Ballet in Großbritannien, bevor er, im Alter von Anfang vierzig, 2015 seine eigene Kompanie in Kuba gründete. Carlos Acosta verband stets Ballett mit modernem Tanz. Seine Autobiographie wurde 2018 von der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín verfilmt. Heute leitet Acosta auch das Birmingham Royal Ballet künstlerisch.

Die zweite Performance des Abends, die etwa 15-minütige Choreographie Faun, wird vor einer wechselnden Rückprojektion eines kargen Waldes dargeboten. Sidi Larbi Cherkaouis Stück zu Klängen von Claude Debussy basiert auf Nijinskys L'Apres-midi d'un Faune. Alejandro Silva vollführt ein langes Eröffnungssolo mit schleichenden und geschmeidig kriechenden Bewegungen, Drehmomenten vorwärts oder rückwärts und plötzlichen, kraftvollen Saltos. Der nur mit Shorts bekleidete Tänzer erinnert dabei an ein Tier. Zu neuen Klängen von Nitin Sawhney betritt eine weibliche Kreatur (Patricia Torres) anmutig das Geschehen. Eine unausweichliche Begegnung mündet in Interaktion und ein elegantes Duett.

Nach der Pause begeistert das etwa 17-minütige Stück Paysage, Soudain, La Nuit des norwegischen Choreografen Pontus Lidberg. Das Ensemble trägt nun sommerlich leichte Kleidung in weißen und ockerfarbenen Tönen. Die fröhliche Choreographie zu kubanischen Rumba-Rhythmen von Leo Brouwer und Stefan Levin wird von fließenden Übergängen zwischen Soli und temporeichen kollektiven Tableaus getragen. Die Tänzer agieren versiert, reaktionsschnell und ausdrucksstark. Eine präzise Fuß- und Beinarbeit, dynamische Drehbewegungen wie Pirouetten, zuckende Köpfe, sich im Einklang wölbende Rücken, gemeinschaftlich gestreckte Arme bezeugen die komplizierte raumgreifende Körperarbeit der Tänzer. Voller Sinnlichkeit und Energie tanzen zwei Männer wiederholt kurzzeitig ein Pas-de-deux, bevor die Szenerie wieder wechselt.

Es folgt ein Solostück der spanischen Choreografin María Rovira, das etwa siebenminütige Impronta (dt.: "Abdruck"). Die robuste Tänzerin Zeleidy Crespo tanzt im blauen Kleid zu perkussiven Beats. Zeitgenössische Ausdrucksformen verbinden sich mit traditionellem afrokubanischem Volkstanz.

Als letztes Stück folgt das etwa 18-minütige De Punta a Cabo von Alexis Fernández. Wir sehen den Malécon, die bekannte, etwa 7 Kilometer lange Uferpromenade an der Küste von Havanna, die auf den Bühnenhintergrund projiziert wird. Vor dem Blick auf das Meer und die Stadt kommen im Film die Tänzer mehrfach zusammen. So verdoppeln sich die Tänzer teilweise, die schnell auch in farbenfrohen Alltagskostümen live auftreten. Es gibt wechselnde Tableaus vom klassischen Tanz, über Salsa, vom Tanz auf Spitzenschuhen oder barfuß. Der kubanisch-spanische Tänzer Alexis Fernández setzt hier reizvoll und rauschhaft die kubanische Liebe zum Tanz, die Ausgehkultur und das Lebensgefühl Kubas in Szene. Anekdotisch steht in bunter Vielfalt eine Kombination und Auswahl von Tanzstilen und -formen nebeneinander, vom europäischen Ballett bis zum Salsa und zu Verweisen auf den afro-kubanischen Volkstanz.

Das vielseitig begabte Ensemble zeigte mit bezwingender Intensität, Vitalität und Leidenschaft eine Abfolge unterschiedlicher Elemente des zeitgenössischen, urbanen, afrikanischen und lateinamerikanischen Tanzes. Die Verbindung von karibischen Tanzformen mit Flamenco, Hip-Hop, Gesellschaftstanz und Capoeira-Elementen beeindruckte, erschwerte zuletzt aber auch mit den Videoprojektionen ein bisschen die Fokussierung. Das sichtlich begeisterte Publikum des ausverkauften Abends bedankte sich für die berührend-sinnliche Performance mit Standing Ovations.



Paysage, Soudain, La Nuit mit dem Ensemble von Acosta Danza | Foto © Johan Persson

Ansgar Skoda - 19. Februar 2024
ID 14611
Weitere Infos siehe auch: https://www.acostadanza.com/


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