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Lydia Stäubli in Bin nebenan am Theater Bonn| Foto © Thilo Beu

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Na, seid ihr schon Zuhause? So fragte noch das Intro in der Kurzfilm-Serie Lockdown-Liebe-Lagerkoller vom Theater Bonn anlässlich der Pandemie. Die Corona-Zahlen steigen wieder. Die kalte Jahreszeit lockt in das heimische Nest. In der Bonndemie-Filmreihe spielte Lydia Stäubli in Folge 11 eine neben sich stehende und merklich überforderte Frau in einem neonröhrenbeleuchteten, kargen Raum. In dem überspitzten Kurzfilm spricht sie Worte wie Depersonalisation, Selbstoptimierung und Außer-sich-sein - mögliche Stichworte auch für einen aktuellen Theaterabend in der Werkstatt:

Denn in Bin nebenan von Ingrid Lausund wird gleichfalls über die mehr oder weniger traute Einsamkeit in den eigenen vier Wänden monologisiert. Stellt sich daheim ein Wohlgefühl ein, obwohl das Zuhause vielleicht innerlichen oder äußerlichen Erwartungen nicht gerecht wird? Lydia Stäubli gestaltet hier liebevoll nacheinander intime Monologe exaltierter Frauenfiguren. Der kurzweilige Theaterabend zeigt drei unterschiedlich pointierte Soloszenen aus Ingrids Lausunds gleichnamigen, zwölfepisodischen Band von 2008. Es werden allerlei Neurosen, bröckelnde Fassaden und menschliche Abgründe vorgeführt.

Eine Figur möchte beim Möbelkauf nicht dem Mittelmaß entsprechen. Sie kauft jedoch ihr Sofa ausgerechnet in der auf Kundentypen genau abgestimmten Ikea-Welt. Gelingt es ihr, die Marktstrategen des Konzerns in die Irre zu führen? Eine andere Frau strandet in ihrem goldenen Bälle-Bad. Sie gibt sich sichtlich bewegt Tagträumen von exotischen Stränden mit afrikanischen Männern hin. Mal imaginiert sie einen kräftigen, farbigen Handtuch-Ständer; dann windet sie sich bei Gedanken an Flüchtlingselend. Die dritte und letzte Szene wird etwas zusammenhanglos durch die Klänge von Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“ eingeleitet. Hier liegt Stäubli unbeweglich mit einem Koffer auf einer Umrisszeichnung. Ihre Figur machte es sich zur Lebensaufgabe, eine schöne letzte Ruhestätte zu finden. Doch leider sind die pittoreskesten Begräbnisstätten bereits lange im Voraus ausgebucht. Nun liegt sie geplättet (verfrüht) im Jenseits und trauert dem einstigen Wunschfriedhof hinterher. Dabei überlegt sie, ob das Kind an ihrer Grabstätte möglicherweise das eigene ist.

Es gibt keine Verbindung zwischen den unterschiedlich originellen Porträts, weshalb sich ein dramatischer Spannungsbogen schwerlich eröffnet. Die Übergänge von Bin nebenan erscheinen so auch ein bisschen holprig. Insbesondere die zweite und dritte Monologszene sind eher auf Sketch-Niveau und schaffen es kaum, den Theaterabend in Gänze unterhaltsam zu füllen.




Lydia Stäubli in Bin nebenan am Theater Bonn| Foto © Thilo Beu

Ansgar Skoda - 29. Oktober 2021
ID 13253
BIN NEBENAN – MONOLOGE FÜR ZUHAUSE (Werkstatt, 23.10.2021)
Regie, Abendspielleitung und Soufflage: Beatrice Banca
Bühne für "Die Glasmenagerie": Ran Chai Bar-zvi
Bühnenbildassistenz und Kostüme : Annika Garling
Licht: Johanna Salz, Ewa Górecki
Ton: Lena Weckerling und Dimitrij Uvagin
Dramaturgie: Male Günther
Mit: Lydia Stäubli
Premiere am Theater Bonn: 9. Oktober 2021
Weiterer Termin: 11.11.2021


Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-bonn.de


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