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Premierenkritik

Eine Stunde vorm

Atomschlag

ZWEI AUF EINER BANK von Alexander Gelman - für die Berliner Schaubühne bearbeitet von Amalia Starikow und Marilena Pütt

Bewertung:    



Zwei auf einer Bank ist ein Stück des im rumänischen Donduşeni geborenen und mittlerweile 90-jährigen sowjetisch-russischen Schriftstellers Alexander Gelman, welches in den 1980ern auch außerhalb seines Landes, vor allem in Theatern der damaligen DDR, nicht selten aufgeführt wurde. Ich erinnere mich ziemlich gut daran - sogar in der Provinz (so auch im thüringischen Gera, wo ich seit meiner Geburt weit über 30 Jahre lebte) war es sehr erfolgreich nachgespielt worden; weshalb ich es zu dieser Zeit nicht sah oder nicht sehen wollte, weiß ich heute auch nicht mehr.


Mit diesem Stück wäre ihm (lt. schaubuehne.de) "gleichzeitig eine heteropessimistische Ode an doch lebensnotwendige Beziehungen, ein unterschwelliges Psychogramm der späten sowjetischen Gesellschaft und ein liebevolles, komisches Porträt zweier Menschen, die all dem ausgeliefert sind" gelungen.

Und: "Die Empfindung der Ohnmacht angesichts bevorstehender globaler Katastrophen und die Flucht davor in stellvertretende Auseinandersetzungen im Privaten sind damals wie heute zeitgemäß. Die spezifischen Bedrohungen, die die Figuren umgeben – ein bevorstehender Wirtschaftskollaps, politische und gesellschaftliche Desillusionierung, der drohende Atomkrieg – sind nahezu unverändert."


Also:

Sie begegnet ihm auf einer Parkbank.

In der Inszenierung von Amalia Starikow ist das Begegnungsmöbel eine alte Badewanne, die in einer Wüstenei aus Strandsand abgestellt wurde und rechts und links von ein paar Pappmaschee-Brocken, die wiederum als abgestürzte Stein- und Steilküstensegmente identifizierbar sein könnten, sowie einer gebog'nen Mastleuchte flankiert werden; Simon Lesemann kreierte den besagten Bühnenraum.

Und sie ist Julia Schubert, er: Damir Avdic. Beide reden über eine Stunde aufeinander ein...

Die Quintessenz ihrer Begegnungsdialoge:

Sie sucht einen Mann für sich und für ihr Leben, er sucht was für seine Lenden. Seine manisch anmutende Dauergeilheit gipfelt darin, dass er zwischenzeitlich längst vergaß, dass er mit ihr, die ihn jetzt quasi unvermittelt (oder doch nicht ganz so unvermittelt) traf, schon mal geschlafen hatte, was sie ihm dann allerdimgs erst zeitversetzt zum Vorwurf macht, weil er sie nicht sogleich wiedererkannte; ja und ab dem Punkt nimmt die Beziehungskiste eine Art von progressiven Lauf...

Was ich bis da soweit verstanden habe:

Sie will ihn, nachdem sie nun ein zweites Mal mit ihm geschlafen hatte, ganz und gar für sich bewahren oder "festhalten", wie es so lustig heißt; doch das gelänge ihr halt nur durch Einhegung des Liebsten sprich: Kontrollzwang. Ja und dass das mit dem dauergeilen Typen schwerlich funktionieren würde, tat sie letztlich - und nachdem eine Atombombe zu explodieren schien - vielleicht, und zwar noch ehe sie (wie er) verpulverte, begreifen.

Oder halt auch nicht.

*

Die beiden Darstellenden mussten viel, viel Text auswändig lernen.

Und mein (unser aller) Mehrgewinn beim Zuhören bestand allein darin nachzuvollziehen, wie banal und langweilig Beziehungskisten eigentlich so sind.

Ja und wie furchtbar weltauflösend so'n Atomschlag wäre - besser nicht an sowas denken, nein, um Gotteswillen nicht!




Zwei auf einer Bank an der Schaubühne Berlin | Foto (C) Palli Pavel

Andre Sokolowski - 16. Februar 2023
ID 14050
ZWEI AUF EINER BANK (Studio, 15.0202023)
Regie: Amalia Starikow
Dramaturgie: Marilena Pütt
Bühne: Simon Lesemann
Kostüme: Maksim Chernykh
Musik: Taylor Savvy
Licht: Luca Villa
Mit: Damir Avdic und Julia Schubert
Premiere an der Schaubühne Berlin: 15. Februar 2023
Weitere Termine: 17., 18., 20.-22., 24., 25., 28.02./ 01.03.2023


Weitere Infos siehe auch: https://www.schaubuehne.de


https://www.andre-sokolowski.de

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